Nachtrag.
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Nachtrag.
Dresden, 26. November. Seit dem Tode des Vor¬
stehers der hiesigen Religionsgemeinde, Emil Lehmann, also
seit 12 Jahren, ist hier kein Jude mehr zum Stadtverordneten
gewählt worden. Bei der diesmaligen Wahl wurde der Sohn
Emil Lehmanns, Rechtsanwalt I o h a n n e s L e h m a n n,
zum S t a d t v e r o r d n e t e n und der gegenwartige Präsi¬
dent der Fraternitas-Loge, >E m i l P i t s ch , zum Ersatz-
m a n lt gewählt.
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— Aus Stuttgart wird uns geschrieben: „In der Nr. 45
der „Ärztlichen Mitteilungen" sucht die C h a r l o t t e n Heil¬
anstalt für Augenkranke einen Assistenten und verlangt
Angaben der Konfession. Es ist dies die übliche Form, jüdische
Bewerber auszuschließen. Interessant ist aber die Tatsache, daß
die betr. Augenheilanstalt von einem Juden, dem verstorbenen
Professor König s höser gegründet wurde: Königshöfer
war freilich später aus dem Judentum ausgetreten, aber solange
er lebte, hat der Berein Charlottenheilanstalt jüdische A s s i -
stenten ebenso gut angestellt wie christliche. Wir glauben nicht,
daß die jüdischen Vereinsmitglieder ihre Jahresbeiträge eingestellt
haben, die Vereinsleitung dagegen hat offenbar die Gerechtigkeit
eingestellt. Den leitenden Arzt Dr. Weigelin, der seine
Sprechstunden im jüdischen Gemeindehaus abhält —
die Gemeinde hat beim Bau dieses Hauses eigens ein Unter¬
suchungszimmer nach Königshösers Angaben Herstellen lassen —
hätte schon die schuldige Pietät gegen seinen früheren Chef ab¬
halten müssen, seinen Namen unter ein solches Ausschreiben
zu setzen."