Personalia
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Tod des ZeNtturttssührers Gröber . Durch , den Tod des Führers
der Zentrumspartei hat nicht nur ' diese, . Partei einen schweren Ber -
luft erlitten , sondern darüber hinaus empfinden weite Kreise des
Volkes schmerzlich den Heimgang dieses bedeutenden Parlamentariers .
Auch - wir deutschen Juden haben allen Grund . , dankbar der Tätigkeit
des Verstorbenen zu gedenken . Er ist , getreu den Anschauungen
eines Windthorst und eines Lieber , selbst in der sturmbewegiesten
Zeit stets für den Gedanken der Toleranz und der Parität einge -
treten . Wir erinnern daran , daß sich Gröber wiederholt im Reichs¬
rag gegen die Zurücksetzung der Juden bei der Beförderung zu Offi¬
zieren aufs schärfste ausgesprochen hat . Ebenso hat er stets Gelegen¬
heit gerwmmen , bei der Schächtsrage die antisemitischen Vorstöße zu¬
rückzuweisen . Den Kämpfern um das Recht ist ein treuer und ' wahr¬
hafter Mitstreiter entrissen worden . Der Centralverein hat an die
Zentrmnspartei ein offizielles Beileidsschreiben gerichtet . Ebenso
haben einige Ortsgruppen den örtlichen Zentrumsorganisationen chr ^
Beileid ausgesprochen .
Adolf Weißler . Rechtsstehende Blätter brachten vor kurzem die Nach¬
richt , daß Adolf Weißler , der Begründer und Leiter der „ Zeitschrift des
deutschen Nomriatsvereins , der Ruhegehalts - , Witwen - und Waisenkassen
für deutsche Rechtsanwälte " , dessen großangelegte Werke , über das Preußi¬
sche Notariat und über die Geschichte der Rechtsanwaltschaft berühmt sind ,
freiwillig aus dem Leben geschieden ist . Die Beweggründe gib : er in
seinem Abschiedsbries an :
„ Ich habe mit diesem Entschluß seit dem Oktober 1918 gerungen ; aber
was zu viel ist , ist zu viel . Ich kann - das Leben nicht länger ertragen .
Seid überzeugt , mich hat kein anderer Grund getrieben , als die Trauer
über d i e 1 1 e f e S ch nt a ci ) u n s e r e s Volkes , d urchaus kein an¬
derer . Es ist besser , gestorben zu sein , als zu - leben . Ihr Kinder könnt
noch bessere Tage erleben , wir Alten nicht . Ich kann nicht anders . ' Gott
helfe mir ! "
Als letzte Bitte hatte er den Wunsch ausgesprochen , aus seinen Grab¬
stein die Inschrift zu setzen : „ Er wollte die Schmach seines Volkes nicht
überleben ! " — Weißler war bis zu seinem Tode Mitglied der jüdischen
Gemeinde in Halle .
Adolf Weißler . war Jude . Als Jude schieden sich seine Wege weit
von denen , die wir gehen . Seine Auffassungen über die Aufgaben des
Judentums mußten wiederholt unsere schärfste Mißbilligung erfahren . Aber
es darf doch von uns festgestellt werden , daß der Mann , der so geschrieben
iinb den die Not des Vaterlandes zu einem freiwilligen Ende bestimmt
hat , als einer der Unsrigew gelebt hat und als einer der Unsrigen ae -
storöen ist .
Schluß der Redaktion 29 . November 1919 .
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Berlin SW . 68 .
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