,14
Im deutschen Reich
AMschitm.
Die im Wassenring zusammeNgeschlosfenen Studenten¬
verbindungen haben beschlossen, jüdischen SLudentsnver-
binduugen mit der Waffe keine Genugtuung mehr zu
geben, da diese Korporationen eine Nachäffung des deutschen
Verbindungswesens darstellten (kurz vorher hatten sich dis
Burschenschaften — wohlgemerkt die Burfchenschaftsn, dis einst¬
mals die Farben Schwarz-Rot-Gold erkoren hatten — wie auch
Teile der farbentragenden katholischen Verbindungen auf das
deutschvölkische Prinzip festgelegt). — Die „Deutsche Zeitung"
stellt fest, daß ein von einem Bildhauer jüdischen Glaubens
entworfenes Denkmal, das in Frankfurt et. M. in Erinnerung
an die Kriegsopfer ausgestellt werden soll, nnmöglich sei, da
überhaupt ein Jude dem Gedenken an die Toten nicht im
deutschen Sinne Ausdruck geben könne. — In der rechtsstehen¬
den Presse gibt Herr Kunze, bekannt unter dem Namen
„Knüppel-Kunze", seine Absicht kund, ein „Deutsches Witz¬
blatt" herauszugeben, das gleich seinem „Deutschen Wochen¬
blatt" — manche hatten schon gemeint, dieses sei ein
Witzblatt — den Kampf gegen Juden und Judenknechte führen soll.
Drei Tatsachen, scheinbar zusammenhanglos und doch nur
Glieder einer großen Kette, die sich um die deutschen Juden zu
schließen droht. Seit Monaten weisen wir an dieser Stelle
imrner und immer wieder darauf hin — aus persönlichen
Gründen habe ich heute das besondere Bedürfnis, vor dieser
Gefahr noch einmal zu warnen —, daß die antisemitische Be¬
wegung nicht als Haß- und Neidakt des einzelnen gegen den
einzelnen angesehen werden darf, sondern daß die Einzel¬
erscheinungen sich verdichten Zu einer großen Campagne einer
Gesamtheit gegen die Gesamtheit.
Die Studenten wollen den Verbindungen der jüdif^en
Kommilitonen keine Genugtuung mehr mit der Waffe g,.mr.
Was das heißt, weiß nur der, der studentisches Leben kennt.
Bedeutung und Wirkung dieses Beschlusses interessiert uns in
diesem Augenblick jedoch weniger als die Begründung, die
allein symptomatisch ist. Jüdische Mudentenverbindungen sollen
eine Nachäffung deutschen Verbindungswesens fein! In die
Sprache des politischen Kampfes übertragen heißt es: wir
Deutschen oder wir Arier stehen in allem, was wir tun, so
himmelhoch über Euch Semiten, daß Ihr nichts von unserem
Tun wiederholen, sondern uns höchstenfalls nachäffen könnt;
die tiefe Kluft zwischen uns und Euch besteht; sie soll und darf
durch nichts' hinweggewischt werden. Jegliche Gemeinschaft,
mag sie auch noch so äußerlicher Art sein, mag sie auch nur darin
bestehen, daß Ihr glaubt, uns gleich zu sein,muß abgelehnt werden!