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hat, außer einer wohlgeordneten Brüderschaft für gute
Werke ferner einem Verein, welcher zum Zweck hat,
arme Kinder umerzublüngen und zu versorgen, und einer
gegenseitigen Unterstühungsgesellschast, genannt
Vt hx r bestimmt die Gemeinde noch jährlich 7/000 st.
für Wohlthätigkeit, und wählt eine Commission, die den
Wittwen und Dürftigen Beistand zu leisten, Armen
zur Miethe beizusteuem und die jungen Leute,
welche sich dem. Handwerk und der Kunst
widmen, ordentlich und außerordentlich zu belohnen,
auch zu beaufsichtigen hat. Diese Ermunterung zum
Handwerk ist hier besonders wichtig in einer Stadt, wo
der leichtere Gewinn, den der Handel gewahrt, die Ju¬
gend gar zu gern verführt und von Studien und Hand¬
arbeit ablenkt. Die Gemeinde ist, wie man sieht, in
ihrer Verwaltung nicht sparsam, und wenn man die
Gehalte der Beamten und das sehr gut besoldete Rab-
binat mit cinrechnet, darf man ihre jährlichen Ausgaben
auf etwa 30,000 st. veranschlagen. Der Rabbiner,
Herr Sabbato Graziado Treues aus Asti, wel¬
cher für einen guten Prediger gilt, unterrichtet fünf
arme Zöglinge in hebräischer Literatur. Diese werden
bis zu vollendeten Studien von der Gemeinde unterhal¬
ten, und können dann als Lehrer und Vice-Rabbiner
angestellt werden; die eigentlichen Rabbinen dürfen künf¬
tig nur, und zwar nach der Wahl der Gemeinde, und
unter Bestätigung von Seiten des Guberniums, aus dem
-Collegio llabbinLco zu Padua genommen werden.
Aus dem Gesagten erhellt, wie sich diese Gemeinde fast
nur aus Fremden, Deutschen und Italienern, gebildet
habe, welche durch die Milde der Regierung, durch die
zum Handel. günstige Lage der Stadt und endlich auch
durch die Freundlichkeit der übrigen Bevölkerung hierher
gezogen. worden. Man hat hier nicht eigentlich Gelehrte
und Künstler zu suchen, wohl aber Kaufleute» Sie ver¬
dient aber als solche besondere Auszeichnung, und steht
auch in Ansehen. Unter 74 geschworenen Sensalen sind
18 Israeliten; von den 40 Mitgliedern des Börsen-
rathes sind ihrer 6; von 20 Assecuranzgesell schäften,>die
sie großentheils errichtet haben, werden die meisten von
ihnen dirigirt; in der großen Dampfschifffahrts-Gesell¬
schaft ist Marco P a r e n t e Vice - Präsident; in dem
Central-Magistrat für Sanität sitzt mit beruhender
Stimme dessen Bruder Aron Parente, welcher auch
der erste Israelit war, welcher 1815 zu dem ehrenvollen
Amte, eines Börsendeputirten ernannt und von der Hof-
Kammer bestätigt worden; in einem neuen, vom k. k.
Gnbernium eingerichteten Municipalrath haben drei Is¬
raeliten Sitz; in einer Gesellschaft für National-In¬
dustrie, welche eben jetzt von dem Erzherzog Johann
errichtet ist, ward als einer der beiden Directoreu von
S. K. 5?. selbst der Großhändler Mattio Coen er¬
nannt. Mau sieht demnach, wie die Triester Israeli¬
ten mit achter Treue und wahrem Patriotismus bemüht
sind, das Vertrauen der höchsten Behörden und die
Liebe ihrer Mitbürger zu verdienen."
Deutschland.
Berlin, 23. Dec. Die Ausgsb. Allg. Jtg.
theilt bei Gelegenheit des Berichtes über die Bürger--
rechtsertheilung an Dr. Geiger einen langem Artikel,
datirt 16. Dec., von hier aus mit, in welchem sich eine
so absichtliche und judmfeindliche Verdrehung und Ver¬
kennung der israelitischen Zustande und Rechtsstellung
in Preußen und in den Nacharstaaten ausspricht, daß
ich es für nochwendig erachtenden Lesern dieses Blattes
diesen Artikel in seiner Ausdehnung hier mitzutheilen,
mit einigen wenigen Erläuterungen und Bemerkungen,
so weit sie den Leser in dm Stand setzen, die Absicht
jenes Correspondenten zu errathen. Durch die strenge
abgeschlossene Büreaukratie von der Kenntniß dec Innern
Zustande abgehalten, zeigen sich namentlich die Berliner
Correspondenten so unwissend in dem Rechtsgange des
Staates, daß von vorne herein schon Keiner Zutrauen
hat, und wenn erst noch die gemeine märkische Juden¬
antipathie hinznkomwt, so weiß gewiß jeder Leser, wie
er daran ist, wenn auch die Dialektik und die Be¬
weisführung noch so. einschmeichelnd ausfällt. Hier der
Artikel und meine Bemerkungen.
„Einige Aenderungen in den rechtlichen Verhält¬
nissen der Juden in Preußen sotten bevorstehen, min¬
destens wird im Staatsministerium darüber verhandelt.
Die öffentliche Meinung scheint ihrer bürgerlichen Gleich¬
stellung mit den Christen im Allgemeinen geneigt zu seyn."
Schon seit Jahren haben preußische Jntelligenzverkünder
ausgesprengt, daß eine allgemeine Bürgerwerdung der
Juden bevorstehe, und doch wissen wir bis jetzt nichts
davon. Die gesetzlichen Hemmnisse gegen Kultusverbes¬
serung, die Ansi'nnungen so mancher Lastigkeiten, geben
hinlängliche Beweise des entgegengesetzten wirkenden Gei¬
stes. In Sachsen hat ein jüdischer Geistlicher, den eine
Gemeinde 'aus dem Auslande berufen, kein Bürgerrecht
gebraucht, noch weniger ein Jahr darauf warten müssen.
Freilich wurden in vielen Städten Juden als Stadt-
rathe und Stadtverordnete gewählt, aber das vorgeschrie¬
bene Staatsrecht drängte die gemeine bürgerliche Gerech¬
tigkeit aus Vorsorge sür die Juden zurück. Gewiß ist
der Umstand ein Beleg für die Verhandlung im Staats¬
ministerium, daß den jüdischen Handwerksgesellen der
Eintritt in die preußischen Staaten und das Arbeiten bei
Meistern gestattet wurde, oder daß den Juden die Er-
laubniß gegeben wurde, ihr Geld zu einer jüdischen Fa-
cultät geben zu dürfen, da doch Preußen als intelligen¬
ter 'christlicher Staat einmal jüdische Gelehrte ungetanst
nicht verwenden kann. Das humane Verhandeln im
Staatsministerium über unsere Verhältnisse bezeugt sicher¬
lich am lautesten das Bestreben Preußens, durch seine