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Danklied n) von Meldola, mit Ausnahme der etwas
harten 5. Strophe, sehr Lieblich, wurde mit Innigkeit
gesungen. Au Ende des Gottesdienstes begrüßten noch
sehr Viele persönlich den wie es schien freudig gerührten
Mann des Festes, und begleiteten ihn vor das Gottes¬
haus, wo ihn noch die oben geschilderte Überraschung
erwartete. — Freitag (12.) Abend wohnte Montesiore
den Dankgebeten in der Hambiough-School bei.
Der Vorbeter Hr. Barnard erwarb viel Lob. Hinge¬
gen sprach die Rede des jungen M. Mayers, Chasan
in Montefs. Synagoge zu Ramsgate, nicht sehr an.
Montes. schenkte 10 Guineas. — Sonnabend (13.)
wurden dem gefeierten Manne zu Ehren die Dankgebete
in der OuKes-xluoe- «chool abgehalten. Auch hier
erregte der Lhasan Mr. Asher mit seinem ausge¬
zeichneten Organ und guten Chore Bewunderung, wäh¬
rend Rev. M. Jsaacs in seiner Predigt nur mimi¬
sches Talent vereint. Zu NND fand eine gleiche Feier¬
lichkeit in der schönen New-school statt. Mit vieler
Würde trug M. Lindenthal die Gebete vor. Der
Lehrer M. Salomo ns zog in seiner Rede eine hinkende
Paralelle zwischen Moses, Mordchai und Sir Mo¬
ses. Ec begann mit den begeisternden Worten:
'W »Tpun rpn mm Wir müssen gestehen, den Red¬
ner wegen seines leisen Vortrags nicht durchaus verstanden
d.h. vernommen zu haben. Auch die letztgenannten Syna¬
gogen erhielten von Montes. jede 20 Guineas als ,Tru.
Die Ordnung der Gebete ersehen Sie aus einer mitfoU
genden Broschüre^). Unwillkührlich drängt sich uns
hierbei die Bemerkung auf, daß bei all diesen Feierlichkei¬
ten, die Reden, mit rühmlicher Ausnahme der des Rev.
de Sola, nur eine sehr untergeordnete Rolle spielten.
Ueberall waren es mehr die Chasanim, welche den Feier¬
lichkeiten Würde und Arnnuth verliehen. Wir sind aber
der Meinung, daß der Gedanke, und das ihn darstellende
Wort, bei jeder öffentlichen, vorzüglich kirchlichen
Feier die Hauptsache sei. Und finden wir es lächer¬
lich von einer geistlichen Rede zu verlangen, daß sie
„einen Genuß bereite", oder ein oratorischer Ohren-
ßizel für ästhetische Feinschmecker sei, so verlangen wir
um so mehr Geist und Gemüth, verlangen einen mäch¬
tigen Eindruck, der dem gebildeten Zuhörer es möglich
macht, ein Referat darüber zu schreiben, das einer Thea-
teccezension oft bis aus Bemtheilung des Costüm ähn¬
lich ist. (Unsre Zeitschriften sind leider nicht frei von
solchen, aber die Schuld mag nicht imm er auf Seiten
des Predigers sein.) Uns fehlt es an Predigern
11) 'El nurb DDK) Psalm of Thanksgiving etc./
t> vlerzeilige Strophen hebr. ti. engl.
12) 'Dl min Wl nfen Order of service delivered
at all the Synagogues broughoufc Great Britaiu, on
Sabbat the roth Ädär— 13 th. March >— 56 or etc.
London 1841; 8. 5 Seiten hebr. eben so viel engl. Uebers.
wie an Lehrern, wie an der Erziehung in religiösem
Sinne überhaupt. Es fehlt aber auch leider an Sinn
für diesen Mangel, und darum hatten wir gewünscht,
daß die Hrn. F. und H. das von Ihnen wohler¬
kannte Bedürfniß den englischen Juden so lange vorhatte/
bis der zur Abhilfe nöthige Schritt geschehn. — Was
wir bei dieser Gelegenheit für das passendste Denkmal
an Montesiores herrliche That gehalten, ist in unserm
letzten Bericht ausgesprochen und begründet worden. Ha¬
ben aber die Empfangenden es verabsäumt, solches
zu thun, so möge der mit so allgemeiner Anerkennung
Empfangene vielleicht selbst Len Grundstein zu einem
ewigen Denkmal seinesNationalsinnes legen. Ich
werde es bei mehr Muße,versuchen, diese nicht von
Wenigen gehegte Idee deutlicher zu machen.
Deutschland.
Berlin, 1. April. (Beschluß.) Daß aber
Hr. Dr. S. den Muth hatte, die von ihm un¬
ter schützten Leistungen dem Publikum vorzufühcen,
zeigt uns das wohl begründete Selbstvertrauen desselben,
.das Bewußtsein eines guten Strebens, eines beharrlichen
Kampfes mit den ungünstigen Verhältnissen von außen.
Unter diesen nennt uns derselbe einen Umstand, der
Beachtung verdient und hier noch erwähnt werden muß.
Es ist dies der häufige Wechsel der Schüler, welchen
eine zur Einsicht ausgelegte statistische Tabelle der
letzten zwei Jahre anschaulich machte, und die vorzüglich
veranlaßt durch die (Abhandl. S. 25) mit Recht ge¬
rügte Sucht der Ettern und Kinder, die Bürgerschule
mit dem Gymnasium zu vertauschen, den größten
Schaden der Schule zusügt (ft S. 26). Wir wissen
nicht, ob diese hier wirklich bis zum Unsinn getriebene
Eitelkeit sich auch anderwärts so empfindlich macht.
Krankheiten und andre Umstände übergehen wir um so
mehrmals nach dem Obigen die Entschuldigungen als
überflüssig erscheinen, oder mehr Anklagen zu nennen
sind. — Für den Nachmittag war in der Einladung
nur Hebräisch durch alle Klaffen angekündigt, und
dürste einem Sprachphilosophen kaum zu verzeihen sein,
daß unter diesem Ausdruck auch biblische Geschichte
und Religionslehre verstanden sein wollte, wenn
wir auch die jetzt ziemlich anerkannte Methode gar sehr
toben müssen, jene Gegenstände im Unterrichte als sine
sich durchdringende Einheit zu betrachten. Auch fürch¬
teten wir, ungeachtet der^ bereits gesteigerten Schatzung-
der Anstalt im Ganzen, und des höchsten Ranges dieses
Gegenstandes in einer jüdischen Schule, dennoch hier
endlich die schwache Seite jener anzutreffen; da wir
sonst nicht zu erklären wußten, warum derselbe ganz
allein, nach allen Gegenständen, Anrede und Prämien-
vertheilung aus die weniger besuchten Stunden des Nach¬
mittags verlegt worden. Jetzt aber möchten wir beinahe
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