560
559 Der Charakter Esau's von H. Hochheü.. er in München. Lit. Ankündigungen.
Rache? nein, fern sind ihm in diesem Augenblick? alle Rachege¬
danken, der Verlust des väterlich«» Segens geht ihm näher,
weinend spricht er: segne mich doch auch mein Vater: Als er
hört, daß ihm der Bruder zuvorgekommen, erwähnt er nur
des zweimaligen Betruges und bricht in die Worte aus: hast
du mir den keinen Segen zurückbehaltm? Da erzählt der
betrübte Barer, wie er fast alles wegegeben: gehe hm, mein
Sohn, was soll ich thun? Da sprach Esau zu seinem Vater:
hast du denn nur einen Seegen? segne mich doch auch mein
Mater! und er Hub seine Stimme und weinte (27, 36) Als
Esau nun die spärlichen Ueberreste des Vatersegens bekam,
der ihn noch überdieß seinem Bruder knechtisch unterordnet,
(-oyn - NdN) da bricht der Haß hervor aus seinem
Busen, da entstehen schwarze Mordgedanken in seiner Brust,
und Esau wäre vielleicht Brudermörder geworden, wenn nicht
Ehrfurcht vor dem alten Vater seiner Erbitterung Schranken
gesetzt hatte, er verschiebt daher alle Rachegedanken bis nach
Isaaks Tod und Jakob kömmt der Ausführung dieses Ent¬
schlusses durch Flucht zuvor. —
Ein langer Zeitraum i^iergangen, Jakob ist Vater einer
zahlreichen Famielie gewordW nach zwanzig Jahren mühevol¬
len Waltens hat er sich endlich dem Netze des ränkespinnenden
Labans entwunden, er hat sein, oder vielmehr seine Schäf¬
chen, die die Farben so oft gewechselt, ins Trockne gebracht
und wünscht nun die Früchte seiner Mühen in der Heimath,
am Heerde seiner Vater zu genießen, aber nicht mit Unrecht
befürchtet er, seine lange Abwesenheit möchte noch nicht alle
Spuren des Hasses im Bruderherzen getilget haben. Er schickt
Goten an Esau, ihn durch sauste Worte und Geschenke zu be¬
sänftigen, aber der kehrt sich wenig daran, er zieht dem fried¬
liebenden Jakob zum Kampfe gerüstet entgegen, denn was soll
die vierhundert Mann starke Leibgarde anders bedeuten? Da
erblickt er ihn, den Bruder, dem Jahre und Leiden ihre Fur¬
chen tief mögen eingeprägt haben, da sieht er ihn wehrlos her-
amvanken, den gebeugten Vater im Kreise seiner Famielie, —
er vermag ihn nicht länger auszuhalten, diesen Anblick; brüder¬
liche Liebe, die vielleicht nie ganz aus seinem Herzen gewichen,
und Mitleid überwältigen ihn, und wir sehen, des Forstes
wilden Sohn am Halse des Bruders Thränen vergießen,
Großmüthig schlägt er alle Geschenke des dankbaren Jakob aus
und entbietet sich sogar dem Bruder auf der Weiterreise Be¬
schützer und Begleiter zu sein. Einmal nur noch sehen wir
das Brüderpaar vereinigt, am Sarge des Vaters nämlich,
demselben die letzte Ehre zu erweisen (36, 24) und bald über¬
laßt Esau dem Bruder das väterliche Land, das allein die
Doppelheerde nicht zu ernähren vermag und ’-pyj# wird die
Stammburg eines neuen, mächtigen Geschlechtes. Doch wir
erzählen eine alte Geschichte die Jeden bekannt; indem wir
daher noch die Schlußbemerkung machen, daß wäre Esau ver¬
derbten Herzens gewesen, dieses gewiß nicht in einer solchen
Reihe von Jahren dem weniger bestechlichen Vaterauge entgan¬
gen wäre und Isaak sicherlich nicht in so hohem Grade seinem
Sohne seine Liebe hätte zufließen lassen,, können wir füglich
diese Scizze enden, als deren Ergebniß wir vielleicht nur die
Webauptuug betrachten können, daß die Fehler unseres Helden
mehr dem Leichtsinne entsprungen als aus schlechtem Gemüthr
hervorgegangen seien.
Literarische Ankündigungen.
In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und
Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen.
£ 81 ,] Bei M. I. Landau in Prag ist erschienen, und
durch alle Buchhandlungen von Unterzeichneten zu beziehen:
non di 3 Kerem CItemed VI. Bd.
(enthält vebväische Briefe jüdischer Gelehrten
wissenschaftlichen Inhalts.) 8. Preis 1|- Rthlr.
(1 Rthlr. l-l Ngr.)
neisn Hazofe lelbetli
Ifsrael (Tbü»n) von Isaak Erter. 8.
Preis 9 Ngr.
Zugleich den geehrten Subskribenten aus den
Talmud in gi% 8.
Die Nachricht: daß der 15. Bd. desselben in dirsen Tagen an
sie versendet, und der 16—18 Bd. schnell folgen wird.
Vom Schulelian Arucii* Megine Erez wur¬
den Heft 17 und 18 als Schluß dieses Werkes ausgegeben und
ist dasselbe nun vollständig, für Druckpapier Rthlr 5 — 74
Ngr. Schreibpapier Rthlr. 7 — 26 Ngr. zu haben.
Leipzig im August.
C. L. Fritzsche.
[82.] Bei Gcrhard Ste lling in Oldenburg ist erschienen
und durch alle Buchhandlungen Deutschlands zu beziehen:
Jüdische Bemerkungen
zu den
Bemerkungen eines Protestanten
über die
Confession der SZ Bremischen Pastoren.
Von
einem Juden.
Der gelehrte Verfasser, der Oberrabbiner Dr. Hirsch
in Oldenburg, ist auf dem Gebiete der jüdischen Theologie ge¬
nugsam als Verfechter des reinen jüdischen Glaubens bekannt,
als daß wir diese seine Broschüre zu empfehlen nöthig hatten;
wir bemerken daher blos, daß diese gelehrte Vertheidigung ge¬
gen Angriffe auf das Judenthum von Seiten des Protestan¬
tismus jeder Partei innerhalb des Judenthums willkommen
sein dürfte, da sie ihre Waffen und Beweise nur aus der von
allen anerkannten Rüstkammer, aus dem alten Testament-
herholt.
Verlag von C. L. Fritz sche.
Druck von 3« H. Nagel.