:: PALÄSTINA ::
MONATSSCHRIFT FÜR DIE ERSCHLIESSUNG PALÄSTINAS.
VHL JAHRGANG 1911 HEFT 5
Die finanzielle Krisis in den Jerusalemer
Wohltätigke itsanstal te n •
Von Jehoschuah Feldmann, Jaffa.
Der katastrophale Zusammenbruch einiger Wohltätigkeits¬
institute in Jerusalem hat wieder das Interesse weiter Kreise der
Judenheit an den Jerusalemitischen Zuständen wachgerufen.
Von jeher wurde von Kennern das Fehlen einer gründlichen
Statistik der buntscheckigen hiesigen Bevölkerung beklagt.
In Ermangelung einer planmäßig durchgeführten Zählung muß
man sich eben mit Notbehelfen abfinden. Auf Grund verschie¬
dener Unterlagen kommt J. Eisenstadt im Märzhefte des „Ha-
schiloach" zu folgenden Zahlen: Die Gesammtzahl der Jeru¬
salemitischen Bevölkerung beträgt, in runden Zahlen, 72.000 See¬
len, davon sind ca. 17.000 Christen, ca. 10.000 Mohamedaner
und ca. 45.000 Juden. Ca. 4.200 leben ausschließlich von
der Chalukah, während weitere 5.000' von der Chalukah
ungefähr die Hälfte ihres Existenzminimums erhalten. Bei wei¬
teren 17.000 Juden schwankt der Anteil an der Chalukuh
von 40% (galizischer Kolel) bis 8% (Pinsker und Karliner
Kolelim) des Existenzminimums, das bei diesen Berechnungen
mit Frcs. 8.50 per Kopf monatlich angenommen ist. Etwa
19.000 Juden leben fast ausschließlich von ihrem eigenen Er¬
werb als Taglöhner, Handwerker, Krämer, Rentenbesitzer und
Angehörige freier Berufe.
Außer der direkten Chalukah gibt es noch eine Menge
Wohltätigkeitsanstalten, die die Jerusalemitische Judenheit in¬
direkt unterstützen. Zu diesen gehören Kranken- und Waisen¬
häuser, Schulen, Chedarim und Jeschiwahs, Altersversorgungs¬
heime usw. Bei diesen Wohlfahrtsinstitutionen ist von jeher die
Zerrissenheit der Jerusalemitischen Judenheit, die ein getreues
Abbild des Goluth-Judentums überhaupt darstellt, zum
Ausdruck gekommen. 19 Kolelim (Verwaltungsstellen für die
Verteilung der Chalukahgelder) bestehen für die Verteilung
der in barem Gelde gewährten .Unterstützung, und diese Un¬
terstützung wird nicht nach Maßgabe der Bedürftigkeit des
Empfängers, sondern nach seinem Herkunftslande verteilt, so
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