den Kongreß nicht mit Fragen zu befassen, die Interessen fremder Mächte be¬
rühren. Von den muselmanischen Mächten haben sich die Türkei und Albanien
gegen den Kongreß ausgesprochen, ebenso waren die anderen islamischen Länder
bis auf Jemen nicht offiziell vertreten. Da die Kalifatsfrage ausgeschaltet wurde,
war die Tagesordnung: 1. Schutz der heiligen Stätten des Islam in Palästina;
2. die moslemische Universität in Jerusalem; 3. Die Hedjazbahn; 4. Förderung
der islamischen Kultur; 5. Bekämpfung des Unglaubens im Islam.
Am 6. Dezember fand ein Gottesdienst in der Omar-Moschee statt. Der
am 7. Dezember eröffnete Kongreß zählte 150 Teilnehmer, davon 80 aus Pa¬
lästina und Trans Jordanien. Es wurde beschlossen, eine Moslem-Universität in
Jerusalem zu gründen, ferner Vereinigungen moßlemischer junger Mäniwer in)
allen Ländern. Die Rückgabe der Hedjazbahn an die Moslems wurde verlangt,
eventuell sojl an den Völkerbund appelliert und ein Boykott gegen euro¬
päische Waren verhängt werden. Zum Schlüsse wurde eine Resolution gegen
den Zionismus und für den Boykott der Waren der jüdischen Industrie in den
moslemischen Ländern angenommen.
Nach der Konferenz soll es zu verschiedenen Streitigkeiten gekommen sein,
auch wird von einer Spannung zwischen dem Mujti und Schaukat Ali berichtet.
Auf dem zweiten Kongreßtag wurden gefälschte Photographien über „die
Bewaffnung der Juden durch die Engländer" gezeigt. Die Regierung hat eine
Untersuchung über deren Herkunft veranstaltet.
Die von Nashashibi geführte moslemische Opposition gegen den Mufti in
Palästina nahm an dem Kongreß nicht teil, sondern veranstaltete eine Kon
ferenz, in der die Absetzung des Mufti, Schutz der Araber vor der zionistischen
Gefahr u. a. gefordert wurden.
Verschiedene Nachrichten. Bei einem Pressempfang kündigte der neue Ober¬
kommissär die Schaffung eines amtlichen Pressebüros an.
Der Balfour-Tag (2. November) verlief heuer ohne arabische Demonstra¬
tionen.
Vier jüdische Arbeitslqse, die am 4. November in Chedera demonstriert
hatten, wurden zu je sieben Tagen Arrest verurteilt.
Von der Amnestie wegen illegaler Einwanderung haben bisher zirka 1400
Juden Gebrauch gemacht. Die Anmeldefrist ist bis zum 15. Dezember verlän¬
gert worden.
Am 14. November revoltieirten die kommunistischen Gefangenen im Gefängnis
in Jerusalem. Hierbei wurden 12 Gefangene und 13 Wächter verletzt.
Wegen Verdachtes des Mordes an den Zionisten Stahl und Fräulein Sohar
wurden fünf Beduinen festgenommen, nachdem freiwillige jüdische Recherchen¬
ten die Umstände des Falles aufgeklärt hatten und von jüdischer Seite Prä¬
mien ausgesetzt worden waren.
Die Gerichte in Jaffa und Haifa verurteilten, eine Anizahl von Revisionisten
wegen Demonstrationen gegen die Volkszählung zu Geldstrafen.