„PALÄSTINA."
Monatsschrift
für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas.
Herausgegeben vom „Palästina-Verlag".
V. Jahrgang 1908 Heft 3.
Prof. Dr. C. Steuernagel, Halle a. S :
Dreissig Jahre deutscher Palästinaforschung.
Palästina hat als das Land der Bibel von jeher das Interesse
der weitesten Kreise in Anspruch genommen. Zahllose Pilger
haben es seit alter Zeit aufgesucht, um an den durch religiöse
Erinnerungen geweihten Stätten ihre Andacht zu verrichten und
ihr religiöses Fühlen anregen zu lassen. Trotzdem war Palästina
bis vor kurzem ein nur ganz ungenügend bekanntes Land. Jene
Pilger gingen fast nur den historischen Erinnerungen nach;
für die Natur des Landes und das Leben seiner Bewohner hatten
sie nur wenig Sinn, und selbst ihr historisches Interesse war ein
ßehr beschränktes und meist völlig unkritisches. Wenn man
von vereinzelten Vorläufern absieht, so beginnt die Reihe derer,
die Palästina zum Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung
machten, erst mit Ulrich Seetzen (1803—1810) und Johann Lud¬
wig Burckhardt (1805—1816), denen sich bald zahlreiche aridere
Forscher anschlössen. Von diesen seien als besonders verdienst¬
voll hervorgehoben der Schweizer Titus Tobler und der Ameri¬
kaner Robinson, die die Ergebnisse ihrer um die Mitte des
19. Jahrhunderts ausgeführten Forschungsreisen seit 1841 in
zahlreichen, noch heute eine unschätzbare Fundgrube bildenden
Werken niederlegten.
Aber die modernen Anforderungen entsprechende Erfor¬
schung eines, wenn auch nur kleinen, so doch auf eine reiche,
wechselvolle Geschichte zurückblickenden Landes überstieg die
Kräfte einzelner, isolierter Forscher. Diese Erkenntnis führte
zur Gründung mehrerer Vereine, die die Kräfte und Mittel der
einzelnen zusammenfassen und für Unternehmungen grösseren
Stiles ausnutzen wollten. Unter diesen Vereinen stehen zwei
den übrigen bei weitem voran, der 1865 in England begründete
„Palestine Exploration Fund" und der 1877 begründete
„Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas". Dem ersteren