Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes.
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Telephon Nr. 1478».
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Die Administration.
k iwnulÄäteu 'üieirieliiEt, noch che man weiß, auf
welcher Grundlage die Mandatare gewählt
werden sollen'. Die Jhee, welche diesem Vor¬
gänge zugrunde liegt, ist: O,Österreich wird von
nationalen, Fragen beherrscht, cs muß daher
ein- Haus geschaffen werden, in welchem die
einzelnen, Nationalitäten, eine ihrer numeri¬
schen, wirffchafflicheu und kulturellen, Macht
entsp'vechende Stellung einnehmen sollen'. In
bezug auf nationale Fragen, sind al'fü nationale
Einheiten geschaffen, die in sozialen', wirt¬
schaftlichen und kulturellen, Fragen ganz gut
sich' nach einzelnen homogenen. Teilen sondern
können'. Ans welchen Bestandteilen die ein,-
zc'lnen, nationalen Einheiten, zu bestehen, haben,
'daimujf nimmt die Regierrmg keinen Einfluß,
in dieser Beziehung, muß ba& Prinzip des all¬
gemeinen, und- gleichen Wahlrechtes seine von
ihm erwartete, ansgleichende Wirkmig a,us-
üben.
Bei Feststellung der Wahlkreise wurde auch
eine Anzahl jüdischer Wahlbezivke, geschaffen.
Weshalb? Gin bono? Man lache nicht über
diese Frage! Sie ist für uns Nationaljuden
von a'ußerordentlicher,, prinzipieller Wichtigkeit,
un!d daß sie bis nun von kompetenter Seite
nicht mit der wünschenswerten Osfenlheit' be-
antwortet wurde, ist dev Hauptgrund' dafür,
daß sich um biicfe Mandate muh' solche Grnpp,en
bclw,erben, denen sie überhaupt nicht zngedachk
werden konnten.
Diese absichtliche oder zufällige Unklarheit
bezüglich des Charakters dieser jüdischen Wahl- j
bezirke nützt auch! Professor Glombinsktz
in seinem auch von uns reproduzieriten Artikel
aus, um, zu der eigenartigen' Schlußfolgerung
zu. gelangen, daß in dein, jüdischen. Wahlkreisen
ganz, gut nichtjiidische Abgeordnete gewählt
werden! könnten,, 'genau so, wie in den, nichtjndi-
sch,en Bezirken Angehörige der masoischen Kon¬
fession ein Mandat erlangen' können. Wenn
di'ese Auffassung die richtige wäre, ist es' wahr¬
haftig nicht einznfehen, weshalb diese jüdischen
Wahlbezirke,, deren Bildung Professor Glom-
binsky als' eine Konzession an die Inden be¬
sonders hervorhebt, eigens geschaffen wurden'?'
Als „religiöse" Wahlbezirke kann man sie
sicherlich- nicht gelten, lassen', weil,das religiöse
Prinzip bei der Wahlreform überhaupt nicht
in Frage kam,, und' es kaum anznuHmen ist,
daß bezüglich, der Juden auch, in, der Wahl¬
reform und dazu noch zugunsten d>er Juden
Ausnahmsbestimmungen geschaffen' wurden.
Bei Verteilung der Mandate an die einzelnen
Nationalitäten war angeuscheinlich der Gruud-
satz maßgebend, daß überall dort, wo' auf
einem abgegrenzten Gebiet eine genügende Am
zahl von Konn>ationalen> beisammen wohnen,
ein Mandat, für die' betreffende Nationcklität
g,eschasfen werden, müsse. Diese Voraussetzung
trifft in 'einzelnen- Städten Galiziens auch sü'v
die Juden' zu, und man! sah sich gezwungen,
auch ihnen! gegenüber diesen, n a t i o, n a l e n
1 Grundsatz gelten zu, lassen'.
j A n d i es er W a, h r h e i t m u ß f e st-
! g e h a l t e n w e r d, e n! Ans ihr ergibt sich! ^
Die Mischen Msn-ate.
I. Kr. Es liegt in der Natur der poM-
schcu, Zustände Oesterreichs, daß der Wahl-
resormausschuß zuerst über die Wahlkreis¬
einteil uug Misch,eidem mochte, und erst
diese fest-gestellt ist, an die Skraiimig über das
P r i rv z i p der WahlvefoM schreiten' wird.
Dir Mandate sind bereits an. die einzelnen' M--
Feuilleton.
Die Mische Sstge.
Der Tag des Gerichtes.
Man denke über den Chassidismus, der
schon fast zwei Jahrhunderte besteht, wie man
will, so darf doch nicht übersehen werden,
daß seine Anhänger während dieser langen
Zeit viele, ja unzählige, sehr wertvolle
Sagen gesponnen. Sie sind wertvoll, weil sie
uns das Denken und Fühlen eines beträcht¬
lichen Teiles des jüdischen Volkes erklären
und weil sie uns einen Einblick in die
sozialen Verhältnisse unserer Stammesge-
nossen aus vergangenen Zeiten ermöglichen.
In diese Sagen haben einst unsere Brüder
ihr Herz gegossen. Ist doch die jüdische Sage
ein Gewebe von großen Leiden und seltenen
Freuden, von herzerhebendem Ernst und
erquickendem Humor, von zerschmetternder
Verzweiflung und süßer Hoffnung!
Ich müßte viel, sehr viel schreiben,
wollte ich die jüdische Sage allseitig be¬
leuchten. Nur eines sei noch erwähnt: Sie
erschließt uns das große Reich der jüdischen
Gebräuche, die in den feinsten ethischen
Gefühlen wurzeln, sie beweist uns die le¬
bendige Entwicklung der jüdischen Religion
und die rege Kulturverarbeitung durch den
Mund des' jüdischen Volkes. Stützen sich
denn nicht alle Gebräuche auf die bis in das
graueste Altertum zurückreichende Tradition
und die Religion, aus der das jüdische Volk
von jeher seine nationalen und ethischen
Ideale geschöpft hat?
Man muß die schönen Erzählungen und
Märchen, die gleichsam die lieblich duftenden
Blüten auf den uralten, tiefwurzelnden
Stämmen der Bibel und des Talmuds sind,
kennen, um ihren kulturellen Wert zu be¬
greifen. Ein Beispiel, das so recht geeignet
rst, die nationale ^und sittliche Bedeutung
unserer Neberlieferungen zu beleuchten, soll
hier als erste Blüte von dem uralten Baume
gebrochen werden:
In Rymanow, einem kleinen Städtchen
an der Peripherie des Karpathenbogens ge¬
legen, wohnte ein Rabbi, namens Mendel.
Viele tausend Juden waren seine Anhänger;
wie die lebendige Quelle von Durstigen war
das niedrige, kleine Häuschen des hochver¬
ehrten Rabbis, stets von ihnen umschwärmt.
Was Wunder, wenn sie ihn verehrten, ihn
vergötterten und wenn ihre ausschweifende
Phantasie ihn als ihren Schutzengel und
Fürsprecher in den Himmel versetzte, hatte
er sie doch stets in ihrem größten Elend
väterlich getröstet!
An einem Neujahrstage — so erzählen
seine Verehrer ihren Kindern und Kindes¬
kindern — stand der Rabbi beim Morgen¬
gebet, das Haupt auf die Brust gesenkt, wie
entseelt an die Lehne des Torahschrankes
hingelehnt. Sein Geist hatte sich in den
Himmel emporgeschwungen, um seine guten
Kinder, wie er alle Juden nannte, vor dem
höchsten Gerichte zu verteidigen.
Schon war Satan als Kläger, mit
sieben, unter der Last der aufgepackten
Sünden krachenden Wagen in die geräumige
Vorhalle emgefahren und harrte des ewigen
Gerichtes.
Wären die sieben Wagen in siebenmal
sieben verderbenbringende Dolche verwandelt,
und in des Rabbiners warmfühlendes Herz
gestoßen worden, sie würden ihn nicht mehr
als die Fehler seiner „guten Kinder" ge¬
schmerzt haben.
Traurig betrachtete der Rabbi die
Sünden: hier hatte einer den Branntwein
mit Wasser gemengt, dort einer seinen
Eltern widersprochen, ein anderer hatte schon
seit vier Jahren die Wage nicht eichen lassen
und wieder ein anderer hatte unbewußt mit
■** Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 21. Augnst. -•*