6. Jahrgang.
32 .
Der Israelit.
E i n
Central-Orgar» für das orthodoxe Judenthum.
Herausge v'ben von
I»I7. Lehmann in Mainz.
Mainz, den 9. August 5625 (1 865).
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Leitender Artikel.
Der neue Geiger'sche Verein in
Frankfurt a. M.
Mainz, den 7. August.
Wir wurden in voriger Nummer in einem Artikel
aus Kurhessen um Ausklärung über den obengenann¬
ten Verein ersucht; seitdem liegt nun mannigfaches
Material darüber vor, aus dem wir Einiges mit-
Iheilen.
In Nr. 31 der „a. Z. d. I." bespricht Philipp-
son die Zwecke und Ziele des erwähnten Vereins, zu
dessen Gründern und Leitern er sich zählt. Der Ver¬
ein soll uuter Anderm erzielen. „Hebung und Fort¬
bildung des Gottesdienstes, Klärung und
Fortbildung der Lehre!
Wenn schon der erste Theil dieses Passus ver¬
dächtig erscheint, so stellt der zweite Theil
desselben alle Diejenigen, so sich dem Ver¬
eine anschließen außerhalb des Juden¬
thums.
Wer ist der eigentliche Gründer des Vereins, der
Berufer jener Frankfurter Versammlung, der Präsi¬
dent derselben? Es iH vr. Abraham Geiger,
Rabbiner zu Frankfurt a. M. Dieser hat sein Glau-
bensbekenntniß längst und wiederholt abgelegt.
Was ist im Sinne dieses Mannes Klärung und
Fortbildung der Lehre? Es ist die Leugnung des
göttlichen Ursprungs der Thora, es ist die Abschaffung
oder doch Umwandlung aller speciellen jüdischen Re¬
ligionsgesetze.
Unsere Leser werden sich noch der in diesen
Blättern ausführlich besprochenen Geiger'sche« Bro¬
schüre: „Nothwendigkeit und Maaß einer Reform des
jüdischen Gottesdienstes" erinnern; sie werden sich
noch der allgemeinen Entrüstung erinnern, die dieses
Geiger'sche Opus hervorgerufen Es waren ganz un¬
schuldige Sächelchen, wie Verkürzung des Jom
Hakkippurim auf einen halben Tag, Ein¬
richtung eines feierlichen Sonntagsgottes¬
dienstes von vier Wochen zu vier Wochen
(wegen der „Störungen" am Sabbat), Ersetzen
des Schofar am Rasch Haschanah durch
„ernste, würdige Musik," Abschaffung von
Ethrog und Lulab rc. oder doch Umwand¬
lung in einen ästhetischen Feststrauß. Und
doch sind diese radikalen Reformen noch gering anzu¬
schlagen gegen die Glaubenssätze, die Herr vr. G.