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Jedenfalls war die ägyptische „ Judenhetze " eine
sehr gründliche .
Womit motivirte man die Verfolgung und Un¬
terdrückung der Juden ? Waren es religiöse Motive ?
Hatten sie sich gegen die Ordnung des Staates auf¬
gelehnt ? Zeichneten sie sich durch Unredlichkeit im
Handel und Verkehr aus ? Standen sie nicht auf
der Höhe ägyptischer Cultur und Bildung ?
Nichts von dem Allem .
„ Das Judenvolk ist zu zahlreich und mächtig
für uns " — das ist die einzige Anklage , der einzige
Vorwurf , welcher gegen sie erhoben wurden .
Wenn das so fortgeht , so überwuchert das se¬
mitische Element in unserm schönen Aegypten ; wir
sind den Israeliten nicht gewachsen ; wie lange wird
es dauern , so ist Aegypten ein semitischer Staat !
' v ncannj nan . Dieser Gefahr gegenüber galt
es die ganze Kunst der Staatsweisheit aufzubieteu .
Die „ Jndenfrage " in Aegypten wurde als die
„ brennende des Tages " angesehen , als eine sehr
ernste Angelegenheit , welcher sich die Reichspolitiker
nicht entziehen durften .
Die ägyptische Staatskunst war berühmt ; sie
bewährte sich auch hierin .
Die Bene - Jisrael , in ihrer Freiheit und gleichen
Stellung mit den übrigen Staatsangehörigen eine
Gefahr für des Landes Wohlfahrt , würden sehr
wesentliche Dienste im allgemeinen Interesse leisten ,
wenn man sie in ihren Rechten beschränkt , wenn man
ihren Fleiß , ihre Nüchternheit , ihre Betriebsamkeit
— Tugenden , welche man ihnen nicht absprechen will
— sür das Land gehörig auszubeuten versteht . Der
Druck , welchem man sie unterwirft , wird auch die
Vermehrungsfähigkeit dieses fremden , aus dem Osten
eingewanderten und erst seit ein Paar Jahrhunderten
im Lande ansäßigen Stammes hemmen .
So fanden sich die Juden zu des ägyptischen
Reiches Knechten degradirt , über welche besondere
Beamte gesetzt wurden , und sie führten unter der .
Peitsche dieser Judenvögte die gewaltigen königlichen
Bauwerke auf , deren Ruinen noch heute die Bewun¬
derung der Nachwelt erregen .
myzij nsy njne ' Ban um n » ■ } * » . Aber
die Fürsten Zoans erwiesen sich als Thoren , und
der Beschluß der Pharaonischen Weisen und Staats -
räthe war unklug " ( Jejajah 19 , 11 ) , denn
ps ' pi na - v * p im ujp , wie sie die Juden auch
immer bedrückten , sie vermehrten sich doch und brei¬
teten sich aus .
Die statistischen Nachweisungen zeigten stets eine
erschreckende Progression des semitischen Stammes .
' ^ 2 » j $ o mp " . Die Aegypter empfanden einen
Ekel wegen der Israeliten O . i ' j ' pa j ’ on rnar
OM ' pa die Juden waren ihnen überall ein „ Dorn
m Auge " und vergällten ihnen das Leben ; isconJtp
ono nwop - ip » roi nw ' tro ' na , denn , von Staats¬
und Communalämtern und allen „ autoritativen "
Stellungen ausgeschlossen , besuchten die Semiten die
Theater und Circusse und trübten den Aegyptern den
Augenblick des Vergnügens — „ überall Juden ! "
„ Man kann auch nirgends hingehen ohne auf Juden
zu stoßen ! ! "
Die den Juden auferlegten Bedrückungen hatten
bis jetzt ihren Zweck verfehlt ; die Zügel mußten
noch straffer angezogen werden , und man muß es
den Aegyptern lassen : sie verstanden sich auf die
Unterjochung einer Nation und scheuten sich nicht ,
mit eiserner Consequenz das sich vorgesteckte Ziel
zu erreichen . In dieser Beziehung steht die ägyptische
Staatskunst als Muster da und hat zu allen Zeiten
große Verehrer und Bewunderer gefunden — bis
auf den heutigen Tag .
- psa btnv ' » ja n « Dnso nojn . Die Semiten
wurden nunmehr als Sclaven erklärt und man be¬
handelte diese Selavenkaste in weisem Vorbedacht
pra , d . h . npiro D ' jnoi tj ? naeo , mit einer Härte ,
welche die Kraft des Leibes zu brechen , den Lebens¬
nerv zu ertödten geeignet ist .
Die Israeliten standen von jetzt ab nicht mehr
in dem ausschließlichen Dienste des Staats , für
welchen sie zu frohnen hätten , sondern einem jeden
Aegypter waren sie unterthan . Zu der Furcht und
dem Hasse häufte man die Verachtung ; der Jude
ward zu einem macht - und rechtlosen Wesen .
Aber die unverwüstliche Lebenskraft der Hebräer
widerstand auch dem härtesten Sclavenloose : a - m
ind iQLp ' i Dyn , „ das Volk vermehrte sich dennoch
und wurde außerordentlich kraftvoll . "
Die ägyptischen Staatslenker ermüdeten jedoch
nicht in dem Verkümmerungsversuche des jüdischen
Stammes . Sie schreckten vor dem Aeußersten nicht
zurück . Ein königlicher Erlaß erging an das ganze
ägyptische Volk des berühmten Inhalts : jeden se¬
mitischen Knaben , wo man einen solchen träfe , in ' s
Wasser zu werfen !
Hiermit war allerdings wohl die Regierungs¬
weisheit auf dem höchsten Punkt angelangt . Wirk¬
samer und kräftiger kann man wohl der Vermehrung
einer Menschenfamilie nicht entgegentreten .
So zeigt die erste , die ägyptische Judenhetze sich
in der vollen Entfaltung ihrer Gewalt . — Hat sie
ihre Absicht erreicht ? ? —
Von der ehemaligen , gepriesenen , ägyptischen
Macht und Kultur zeugen nur noch Riesenschutthaufen
und Gräber , halbverwitterte Steininschriften , und
Papyrusrollen — Aegypten ist todt , seine Dynastie
erloschen , und nur als Mumien treten die alten
Aegypter in die Gegenwart . —
Die Bene - Jisrael , die Jbrer , aber leben noch
heute ihr unsterbliches Dasein und dokumentiren