dahin, daß Gorr dm Israelrren das heilige Land
nur urner der Bedingung gegeben, daß sie Seine
Gebote hatten, wie es heißt: ^ std yn
^ rer* „Er gab ihnen detzhalb das heilige
Land, damit sie Seine Gebote beobachten." Als
nun das Land verloren war, da bedurfte cs der
freiwilligen Bestätigung, und diese Deftätigung er¬
folgte, als Gott sie. rem sicheren Tode errettete,
eine Rettung, die.sie höher anschlugen als die von
der Knechtschaft zur Freiheit (b-se tfnjo).
■'0 geistvoll und schön diese Erklärung ist, so
scheint sie uns doch nicht erschöpfend und ausreichend.
Es will uns nicht cr::!e::ch:e:r. daß nur ein äußer-
lichcr Eonttact unsre Lärer verpflichtet habe. Es
ist ferner die Frage nicht gelost, warum die Is¬
raeliten in der Zeit von der Zerstörung des hei¬
ligen Tempels dis \\i den Tage:: Ahaswcrs für
den Abfall vom Gottesgesey zur. Verantwortung
gezogen werden konnten. Waren doch die Israe¬
liten nicht einen Augenblick frei von der Verpflich¬
tung, Gottes Gebote zu beobachten. — Auch der,
angeführte Bibelvcrs scheint uns etwas Anderes zu
sagen, nämlich, daß Gott den Israeliten das hei¬
lige Land gegeben, bamit sie alle Seine Gebote
halten konnten, was ohne den Besitz des heiligen
Landes gar nicht möglich gewesen wäre.
Was aber der ganzen hier citirten Talmnd-
stclle eine ganz andere Bedeutung, -und zwar eine
außerordentlich tiefe Bedeutung verleiht, das ist
eine andere Talmudstelfe, aus der hervvrgeht, daß
wir es als eine große, unermeßliche Wohlthat .zu
betrachten haben, daß Gott uns zur Annahme der
Thora gezwungen hat. Im Anfänge des Traeiats
Abodah Sarah luitb uns nämlich erzählt, daß die
Völker sich einst beklagen werden , daß Gott nicht
ihnen die Thora gegeben. Gott aber entgegnet
ihnen, daß Er ihnen die Thora angeboren, sie aber
deren Annahme verweigert hätten, wie cs heißt
(li L. M. E. nu. V. 2.) -,.T 2 ' jrsin yy&c mn
r*s den Söhnen Eiaws har Gott die Thora ange-
boten; sie aber wellten die Lust am Morden nicht
aufgcben, wie die Söhne Iischmaels nicht von Raub
und Diebstahl. lassen wollten. — Damit ist aber
die Klage der Völler noch nicht beseitigt. Israel,
sagen sie, hast Du _ zur Annahme der Thora ge¬
zwungen, warum hast Du nicht auch uns gezwungen ?
w» *n 'yb',' rrz? crö. Das hohe Glück, das
dern Volke Israel geworden, es hat cs nicht frei¬
willig erworben, sondern Du, 0 Gott, hast cs dazu
gezwungen. Warum hast Tn nicht auch uns ge¬
zwungen. Deine Erwählten Zit werdend — Und
Elött gestattet den Heide», noch nachträglich, ein
einziges, leicht zu beobachtendes Gebot zn erfüllen;
aber sie bestehen die Prob: schlecht, rm.d da rs ge¬
ringe Ilnarmetzmlichkeiren im Gefolge Hst, grbm sie
es aus und murren und lästern noch dazu.
Im Lichte dieser Talmudstelle müssen wir auch
die, welche uns hier beschäftigt, betrachten: aber
dazu bedarf es einer längeren Auseinandersetzung,
die wir s. G. w. im Schlußcapirel ^dieser Mhand-
lmrg geben werden. (Schluß folgt.)
Jer Wrszeß Mtter.
Wien, 6. März.
„Zu allen Zeyc» ;:ud ür alle» Landern wird
sich das Ledürfnrß nach einer wohlgeordnete» Re¬
visions-Anstalt geltend machen; nirgends aberZvird
cs so norhweudig sein, für eine solche Anstalt Sorge
zu tragen, als in unterm Vaterlande, in welchem
überall Gegensätze der mannichfalngsten Art —
naturgemäße und künstlich herausbcschworene — sich
nur allzu sehr geltend machen; nirgends kann ein
so dringendes Bedürfnitz dafür bestehen, daß dem
unschuldig Berurtheilten eine letzte, der localen Er¬
regung ebensosehr wie jedem mchrrichterlichen Em-
flune entrückte Zufluchtsstätte oMngehaltcn werde."
Es sind dies goldene Worte aus den Motiven zu
einer österreichischen Strafprozeß-Ordnung (erster
Entwurf von 1863), welche durch den Prozeß
Ritter ihre traurige Bestätigung gefunden habe».
Ein Insrizuwrd der schrecklichsten Art, betrieben
durch drei immer von neuem erhobene Anklagen,
sanctionirt durch drei Geschwornengerichte, würde
die österreichische Justiz schänden, wäre nicht zu guter
Stunde in unsere geltende Strafprozeß-Ordnung noch
eine Bestimmung im Geiste des citirten Motivenbe-
richtes eingefügt worden.
Und wie wenig fehlte, daß unsere Strafprozeß-
Ordnung dieses „Sicherheitsventils" der außerordent¬
lichen Revision durch den Obersten Gerichtshof ent¬
behrte! Daß unschuldig gehetzte, durch vierjährige
Untersuchungshaft gequälte, durch drei Todesurtheikc
gemarterte.Menschen endlich der Freiheit wiederge-
gcben wurden, daß sie dem Parforcetreiben der
„Berbrecherjägcr" nicht unter fürchterlichem Hallali
erlagen, das verdanken wir nächst dem Eassations-
hose und der General-Procuratur — diesen uner¬
schütterlichen Suälcn der Gerechtigkeit — der In-
sriz-Eommission unseres Herrenhauses.
Das Abgcordnctchans batte das Rechtsmittel
der außerordentlichen Revision abgelehnt in der Er¬
wägung, daß dieselbe „in das System des Straf¬
prozesses nicht passe" - gewiß ein recht doctrinärer
Grund.