45. Jahrgang.
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EenLrat-Hrgan für das ortyodoXe Iudentyum.
Begründet von
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Montag, den
6. Adar 5664.
2 2. K ebrnar 1904.
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Der Herausgeber der neuen Talmud-Ausgabe und j
Uebersetzung ist den Lesern dieser Blätter bereits von
seiner Veröffentlichung der fingirten •
nwia bekannt, einer Arbeit, die e r als einen den j
wissenschaftlichen.Kreisen aufgebundenen Scherz be-
zeichnete, die aber andere, z. B. der damaliae Referent
des „Israelit" (1894 Nr. 24/25, S. 447), etwas
ernster nahm und auf Grund verdächtiger Einzelheiten
für eine verkappte „M i s s i o n s s ch r i f t" halten zu
müssen glaubte.
Das jetzt im Erscheinen begriffene Werk des Ver¬
fassers wird von Gelehrten, deren Name jedes Wort der
Anerkennung und Würdigung überflüssig macht, z. B.
von dem Rektor des Berliner Rabbinerseminars, Herrn
Dr. Hoff mann, weit weniger ernst genommen,
als von Herrn Goldschmidt selbst. Dieser will mit
seiner Talmudausgabe eine „zensurfceie, vollständige,
mit kritischem Apparat versehene und für die Wissen¬
schaft brauchbare Ausgabe" und mit seiner Uebersetzung
in Erfüllung einer „Forderung der ganzen zivilisirten
Welt" eine „wirklich vollständige und zuverlässige
Uebersetzung dieses hervorragendsten Kulturdenkmals
des Judenthums" geben. Nach dem Erscheinen der ersten
Lieferungen hat Herr Dr. H o f f m a n n in der
„Zeitschrift für hebräische Bibliographie" (1896 Nr. 2)
eine eingehende, nahezu vernichtende Kritik geschrieben,
gegen welche sich der Herausgeber mit seiner Schrift:
„Die Recension des Herrn Dr. D. Hoffmann über
meine Talmud-Ausgabe im Lichte der Wahrheit**) in
*1 '^23 Der babylonische Talmud. bcrauSgegeben
noch der cditio i>rinc< p* (Venedig 1520—23) nebst Varianten der
späteren von S. Lorja und I. Berlin revidirten Ausgaben und der
Münchener Handschrift (nach Robb. B. L.>. möglichst wortgetreu
übersetzt und mit kurzen Erklärungen versehen von UazaruS
Goldschmidt. Berlin. S. Calvary u. Cie.
**) Charlottcnburg. 1896.
einer Form wandte, die am besten durch das Prophe¬
tenwort pn t;j la ,tp charakterisirt werden kann.
Die Vorwürfe, die Herr Dr. Hoffmann dem Text und
dem kritischen Apparat Goldschmidts machte, wies die¬
ser dadurch zurück, das; er behauptete, nicht einen
„kritischen", sondern einen „vollständigen, brauchbaren"
Text versprochen zu haben; über diesen Begriff „brauch¬
bar" können aber nieines Erachtens je nach den indivi¬
duellen Ansprüchen und Wünschen die Urtheile soweit
auseinandergehen, daß eine Diskussion mit dem
Herausgeber über die Brauchbarkeit seines Textes
nicht mehr möglich ist. 'Wenn ich daher im Folgenden
an der Hand der zwei mir vorliegenden Lieferungen
O'H, 4: der Traktat niyW/ VII, 5: .t>i miDy) an
eine Prüfung des Wertstes der Goldschmidt'schen Ar¬
beit gehen loifX, scheide ich von vornherein die Kritik des
Textes aus und beschäftige mich nur'mit der Ueber¬
setzung. deren Werth oder Unwerth ja ohne Zweifel
für die Leser dieses Blattes von größerem Interesse ist.
Leider wird durch Herrn Goldschmidt die „For¬
derung der ganzen zivilisirten Welt" nicht erfüllt und
bleibt eine „vollständige und zuverlässige" Ueber¬
setzung nach ivie vor ein mehr oder weniger frommer
Wunsch derjenigen, die eine solche wünschen. Herrn <
Goldschmidts Uebersetzung ist durchaus nicht zu¬
verlässig. sie enthält sachliche Jrrthümer sowohl in
Bezug auf den Inhalt der im Talmud zitirten und be¬
handelten b:bl. Vorschriften, als in Bezug auf das Ver-
ständniß der talmud. Abhandlungen selbst. Sie hat
ferner den Fehler, auch da wörtlich zu sein, wo das
nicht möglich ist (G. verspricht eine „möglichst wortge¬
treue" Uebersetzung). ohne das Verständniß oder den
guten Geschmack zu beeinträchtigen; sie verstößt gegen
die Gesetze der deutschen Stilistik und sogar gegen ein¬
fache Gesetze der deutschen Grammatik; auch die he¬
bräische stezw. aramäische Grammatik müssen sich Ver¬
stoße gefallen lassen. Ganz besonders unangenehm und
störend ist die gesuchte und das Verständniß keines-