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Scholz..Deutsches Bilderbuch- und »Deut¬
sches Malbuch-.
Man wird nicht leicht so schöne und billige
Bilderbücher und Malhefte finden, wie die vor Kurzem
von dem Mainzer Verlag Jos. Scholz veröffent¬
lichten es sind. Unsere heutige Erziehung ist vor¬
wiegend Verstandeskultur. Das naturwissenschaftliche
und technische Zeitalter macht sich in der ganzen
Schulung unserer Jugend geltend. Dieser moderne
Rationalismus, der so stark nur auf das Nützliche aus¬
geht, bedarf eines Gegengewichtes. Das Gemüthslcben
und die Phantasie müssen befruchtet und bereichert
werden, wer.n wir nicht trockene Pedanten des Warum
und Wozu erziehen wollen. Phantasie ist Helferin und
Retterin aus mancher Noth. Leute mit Phantasie sind
selten ganz rathlos. — Wenn man »Das deutsche
Bilderbuch" — bis jetzt fünf Bücher. Märchen mit je
acht farbigen Tafeln und dem Märchentext (Preis
'1 Mk.) — durchblättert, welche Kunst, welcher Reich-
thnm. welche Weite und Tiefe des Schauens. Möchte
man da nicht am liebsten auf den durch Alter und Tief¬
sinn ehrwürdigen Text verzichten, um an der Hand der
herrlichen Blätter eine Paraphrase über den stofflichen
Inhalt der Zeichnungen zu dichten? So anregend und
schöpferisch wirkt diese Kunst. Wie abenteuerlich unv
aufregend kühn ragt die Felsenburg im „Dornröschen"
?.um Himmel. Wie märchenhaft phantastisch ist der
Dornenwald. wie entzückend der Rosenregen um
Dornröschens Gemach! Wie leuchtend und geheim¬
nisvoll sind die Blätter vom „Aschenputtel". -
Wahrlich, in diesen Blättern ist Liebe und Strenge.
Phantasie und Ernst. Hier fühlt man die weiche, aber
feste Hand, die zum Guten leitet. Künstler von bestem
Namen: Diez, Münzer, Lefler, Urban und Schmid-
hammer u. a. sind dabei thätig gewesen, ihr bestes
Können und ihre Liebe zum Kind durch ihre Kunst zum
Ausdruck zu bringen. — Das »Deutsche Malbuch"
(10 Hefte mit je 4 farbigen und schwarzen Tafeln,
jedes Heft zu nur 40 Pfg.) will die Kinder mit Kunst
selber beschäftigen. Sie sollen, indem sie in die
schwarzen Tafeln die Farben nach dem gegenübersteben-
den vom Künstler gemalten Vorlageblatt eintragen,
die fernenden und modellirenden Wirkungen, die Be¬
ziehungen der Farben untereinander und ihre Har¬
monie kennen und verstehen lernen. Humor und Ernst.
Genauigkeit und freies Schauen werden angeregt und
jedenfalls wird ein nicht zu unterschätzendes Verständ-
niß für die belebenden Wirkungen der Farben erreicht.
Diese Malübungen sind durchweg flächig und meist nur
in drei Grundfarben gehalten. So wird alle Bunt¬
heit vermieden. H. Thomas großartige und doch intim
geschaute Landschaften, .Scholz Märchen, wie werden
sie alle erziehend und anregend wirken. Alles Derbe
und Groteske, auf die rohen Triebe Spekulirende ist
ferngehatten. Diese Hefte können und werden Kultur¬
arbeiten verrichten, weil Knltursinn in ihnen steckt.
Der fast banal gewordene Satz „O selig, ein Kind
noch zu sein" wird angesichts der Scholz'schen Pub¬
likation wieder sinnvoll. Nicht mit Neid, aber mit be¬
glückter Resignation blickt heute das Alter auf die
wundervollen, schon heitsreichrn Kunstmittel, die der
Jugend so bequem und billig zur Verfügunq stehen.
~ Dr. B.
Sonntagskinder. Lieder und Gedichte aus Schlesien
von P h i l o vom Walde. Mit dem Bilde des
des Verfassers. I V.. 230 S.. brochirt nur 1.80 Mk,
gebunden 2.50 Mk. ord. Großenhain. Baumert
und Rouge. 1904.
Als ausschließlicher Poet der schlesischen Mund¬
art steht seit vielen Jahren Philo vom Walde auf dem
Plan. Seine Liedersammlung: »A Singvagele" hat
die höchste Anerkennung der ersten Fachkreise ge¬
funden. Sein großzügiges Dialekt-EpoS: .,Leutenot¬
ist von der gesammten Kritik als Werk der deutschen
Litteratur hingestellt und mit Fritz Reuter's »Kein
Hüsung" verglichen worden.
Nun bietet uns Philo vom Walde eine Gedicht¬
sammlung. in der alles, was nach Schnake und
Schnurre aussieht, bewußt fortgelassen worden ist.
Das Buch will in erster Linie zeigen, wie viel Poesie im
schlesischen Lande und Volke steckt, und. wie wundersam
auch die schlesische Mundart klingt, wenn man sie nur
zu meistern versteht, in der Form überragt dies Buch
noch Holteis vielgepriesenen »Schlesischen Gedichte".
Ein Wörter-Verzeichniß am Schluffe macht auch
dem Nicht-Schlesier den Genuß dieses hübschen Buches
leicht möglich.
Wunder auS -er vierten Dimension oder »Jedermann
Medium". Enthüllung der verschiedenartigsten
spiritistischen und verwandten Phanome, sowie ge¬
naue Anleitung zur Darstellung derselben in pri¬
vaten Kreisen durch Ditteianten. Mit 38 Illustrati¬
onen. Von H. F. E. S u h r. Prestidigitateur.
Preis Mt. 2.—. Schwabacher Belag in
Stuttgart.
Dieses Buch ist keine langwierige Abhandlung
über den Spiritismus, sondern eine praktische An¬
leitung für Jedermann, sich selbst zu einem sogenannten
»Medium" auszubilden und die fesselnden spiritistischen
Demonstrationen ..ohne Hilfe der Geister" zur Be¬
lustigung seiner Mitmenschen vorzuführen. Somit
wird es von Allen, die durch Aufstellung eines abwechs¬
lungsreichen Vergnügungsprogrammes in Pri.vat-
treiscn wie in Gesellschaften oder Vereinen dem Pub¬
likum etwas ganz Neues und Eigenartiges bieten
wollen, mit Freuden begrüßt werden. Es verbindet
das Nützliche mit dem Angenehmen, indem es einerseits