in Centralorgan für das orthodoxe Judentum
Begründet non Dr. Lehmann in lüainr
S4. Jahrgang.
IranMurf a. IE, Sen
4. Januar 1928
T6. Tebet 5688
zu&rn
«vounement pro Bierteljahr a- I. Januar 1923 ; Deutsch¬
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tnteiOiatt für den 3ofiraans 1922.
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fehen wir mif Rücfefichf auf Oie hohen Nullen diesmal
ah. Denjenigen Lefern, Oie den „Israelit" binden
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Jenitits
». Im Iuüenrtaai der
0 ba*aren
6 -
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brosch. geb.
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1.50, 2.50
1.50, 2 50
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IuaSur, ver »aairchem von Micheirtasi l.80.
2-50
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Rumänien iOO°/o Valutazuschlag.
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Verlag der Israelit G.m b. H.
JnhattsÜberfitzt.
1, Leitartikel: „Kenessiogedaulo". — S.Homi-
letir: Dr. Felix Kanter, Zwittau: Zu 'Ni. — 3.
Kleines Feuilleton: Die Bereinigten Staaten der
Menschheit. 4 Wochenrundschau:.Zum Tode des
Affyriologen Friedrich Delitzsch. — „Der Arier jüdischer
Abstammung-. - 5. Aufsätze: Dr. B.'Cohen,
Berlin: Staatliche, kirchliche und jüdische Gemeinschaft.
Z* Korrespondenzen und Nachrichten:Karls»
ruhe (Die Tagung der verfassungsgebenden israelitischen»
Synode). — Wien (Die Siudentenkrawalle). — Wien
(WohnungSttr t und Flüchtlinge). — Lemberg (Die Not¬
lage der jüdischen Waisenhäuser in Ostgalizien). —
Prag (Die antisemitische Stadt Karlsbad). — Warschau
(Die Lage in Polen). — Kowno (Entgüitige Entrech
tung der Minoritäten in Litauen). — Riga (Anti
semitische Siudentenkrawalle) — Bukarest (Anis
semitische Ausschreitungen in Rumänien). — London
(Eine Reform des jüdischen Eherechts). — Amsterdam
(Die Sommerzeit und der Sabbar). — New-NoTk (Die
Jahrestagung des orthodoxen RabbinerverdandeS in
Amerika). — New-Uork (BrandeiS-Gruppe und zio¬
nistische Organisation). — 7. Personalien. — 8.
Briefkasten. — 9. Vermischtes. —10. Familien
Nachrichten. — 11. Frankfurter Berichte. —
15. BereinSkalender. — Gebetzetten. — 13.
Feuilleton-Beilage: Dr. Nathan Birnbaum:
Auf dem Meere. — 14. Kinderecke: Heinr.Einstädter:
Stimmung. — 15. Rätfellösung. — am rtau.
16. Blälierbeilage. Breslau. — Die Sitzung des
ZentralrateS in Breslau. — Die wichtigsten Beschlüsse
des ZentralrateS. — Die engere Leitung der Agudas
Jisroel. — Dr. med. Mendel Löb Scherhey. — Spen
denlisten.
«.Kenessio gedaulo."
Zehn Jahre sind verflossen, seitdem in Katto-
Witz, an der Grenzschetde des Ost- und West,
judentums, der Grundstein zu dem großen Bau
einer die Erde umfassenden Organisation der
Judenheit «als Trägerin des Thorage-
dankens gelegt wurde. Es war eine geschicht¬
liche Tat, ein bewußtes Eingreifen in die ge¬
schichtliche Entwicklung des jüdischen Volkes,
keine simple Veretnsgründung, was damals in
dem kleinen oberschlesischen Städtchen sich voll,
zog- man wollte beginnen, aus loSgertffenen
Gliedern und Organen, in denen mehr oder
minder noch eigenes Leben pulsierte, einen ein-
heitltchen Organismus wieder zusammenzufügen,
der schon im Werden von Überallher alle lebens¬
kräftigen Wischen Zellen auS ihrer Versprengt-
heit in der Diaspora an sich ziehen und sie alle¬
samt aus dem seelischen Mittelpunkte des Ganzen
— aus der Thora — mit nationalem
Leben im höchsten Sinne durchdrtngen
sollte.
Das konnte kein Werk des Augenblicks, das
mußte, wollte man die Vollendung ins Auge
fassen, eine Aufgabe für Generationen
fein.
Im Ellul 5674, zwei Jahre nach Kattowitz,
hoffte man die vorbereitenden Organisations-
arbeiten in allen Ländern der Erde soweit ge¬
fördert zu haben, daß die Kenessio gedaulo
— das Wort ist in seinen historischen Anklängen
unübersetzbar —, das Thora-Parlament deS
Gottesvolkes, einberufen werden konnte.
Da grollten die Donner und Blitze deS
Weltgerichts in die zur Kenessio gedaukb rufen¬
den Schofarklänge hinein, und in Blut und
Tränen versanken die Hoffnungen der thora¬
treuen Massen, die von der Kenessio gedaulo
den Beginn einer neuen Etappe auf dem Wege
zur-wahrhaften geistigen Gönla ersehnt hatten.
Die Zeit war noch nicht reif. Ein großes
Gewitter der Reinigung und Läuterung ist seit¬
dem über die Erde hinweg gebraust) in mancherlei
trügerischen Erlösungshoffnungen mußte das
jüdische Herz sich wetten, in banger Enttäuschung
und bitterem Golus-Wehe zusammenzucken und
— Geduld lernen.
Wenn der in BreSlau zusammengetretene
Zentralrat der „AgudaS JiSroel" nunmehr,
wie gemeldet wird, den Beschluß gefaßt hat,
die Kenessio gedaulo auf den Monat
Elul einzuberufen, so wird dieser Be¬
schluß von manchem Außenstehenden als Ueber-
rafchung empfunden werden. Man hatte
vielfach geglaubt, daß schon das Valuta-Elend,
unter dem „Agudas Jisroel" naturgemäß am
meisten leidet, die Leitung verhindere, dem
großen Wagniß näherzutreten, und weite Kreise
der Aguda hatten sich schon mit dem Gedanken
abgefunden, btS auf bessere Zeiten den von den
Landesorganisationen gewählten Zentralrat als
höchstes und letztes Organ der Aguda anzusehen.
Allein gerade die östlichen Länder, insbesondere
Polen, waren es die seit Monsun mit Ent¬
schiedenheit auf die Kenessio gedaulo hindrängten
und die jetzt den Entschluß zur Einberufung auch
durchgesetzt haben. Ihnen liegt daher, neben
dem Geschäftssührenden AuSschuß, der
durch den Hinzutritt östlicher Mitglieder er¬
weitert, aber wohl auch etwas schwerfälliger ge¬
macht worden tst, die Große Verantwortung für
die gründliche Vorbereitung dieser ersten inter¬
territorialen Heerschau der orthodoxen Judenheit
und für ihr Gelingen ob.
An diesem Gelingen, an der Schaffung einer
endgültig gefestigten Etnheitsorganisatton der
gefetzestrenen Judenheit der Welt ist die jü¬
disch e G e s am t h e it im hßchsten Maße inte-