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auf irgend eine Weise auszumittelnde körperliche Zustände
des Beschneiders giebr. die dessen Speichel zum Gifte
für einige. ausnahmsweise d'lifiir besonders cmpfäng-
liwe H-rurwiinkc» N-ngeborner machen, z» welcher Ein¬
sicht man nikeß erst gelangt, nachdem mehrere unschul¬
dige Cprer auf die traurigste Weise bereits gefallen sind.
Muffen nicht nach dieser Darstellung, die vielen
Ntngcberncn die allein in Temschland jährlich durch
die Beschneidnng ihr Leben einbnßen, als eben so viele
in dircclem Widerspruch mit göttlichen u. menschlichen Ge¬
setzen, gefallene Menschen - Opfer betrachtet werden?
Verdient der einzelne Fall etwa weniger diese Benen¬
nung, wen» er sich auch nicht wie eins zu zwei Mil¬
lionen verbielte? Tie Verhältnisse die Gottes heiliger
uncrsorschlicher Nachschluß durch die Anlage der Neu-
gebernen zu tödlli-chen Folgen jeder blutigen Verletzung,
bei einzelner! Individuen herbeigesuhrt bar, machen of¬
fenbar aus jeder Beschneiduug einen Akt, der nicht nur
möglicher Weife, sondern mir einiger, wenn auch ver¬
bal miß mäßig sehr geringer Wahrscheinlichkeit, zum Opfer¬
rode snbrcn kann. SS bezeichnet die bobe Würde des
Menschen, daß er in der Liebe zur Wabrbeit, zur Frei-
beir und zum Vaterlande, höhere Güter anerkennet, die
ihm nur keinen-Preis, also auch nicht um den der Le¬
benserhaltung veräußerlich sind, und es zeugt von der
unendlichen Natur des menschlichen Geistes, daß er sein
Dasein nicht ganz von dem Leben bicnieden erfüllt fühlt,
letzteres vielmehr für nichts achter, wo cs das öffent¬
liche unumwundene Bckenntniß seiner beillgsten Ange¬
legenheit, seiner religiösen Ueberzeugung betrifft. Tie
bar barsche Tyrannei fast aller europäischen Staaten Ha¬
ben, bis noch vor Kurzem, dem Inden keine an¬
dere 'Alternativ.' gelassen, als sein Kind entweder be¬
sann .den zu lassen oder zu lausen. Tie Wahl des from¬
men Inden konnte also bier mir Recht nicht einen Au¬
genblick zweifelhaft fein, wenn auch die Wahrscheinlich¬
keit sein Kind durch die Beschuerdung zu opfern, noch
unendlich viel größer gewesen wäre, als sie eS wirklich
rst. In den erleuchtete» Staaten Hingegen, wo dieser
empörende Gewissenszwang ansgehört bat, tritt die, ans
physische» Gründen hervergehende religiöse Ueberzeugung
daß die Beschneidung unbedingt als mittelbare Ueber-
tretutiß eines der ersten mosaischen Gebote, und als
größtes Verbrechen gegen die gefammre menschliche Ge¬
sellschaft zu betrachten sei, in ihrer vollen Bedeutung
und Kraft hervor.
Das Tasein oder Rübtdasein eines allem Anscheine
nach so unbedeutenden hier in Rede siebenden Tbeiles
des menschlichen Körpers, wird Niemand in ursächliche
Beziehung zu irgend einem Glauben zu bringen vermö¬
gen, und kann der bloße Glaube an einen cineinigen
Gott ohne Vermittler, dem strengerlhodoren Juden nicht
genügen, um sich von den Bekenner» eines jeden andern
Herrschenden Glaubens hinlänglich zu unterscheiden, so
findet er in der großen Zahl der ihm noch, außer der
Beschneiduug, überbleibeudeu mosaischen- und talmudi-
schen Gebote hinlängliche Mittel zur Manifestation sei¬
nes Glaubens.
Wellte übrigens der fromme Jude, die Gefahren
der Beschneiduug deshalb keiner Rücksicht würdigen, weil,
wenn cs Gottes Wille ist, daß sein Kind am Leben
bleibe, cs entweder mit keiner tödtlichen 'Anlage gebo¬
ren sein, oder wenn cS auch damit geboren, dennoch
der Beschneiduttg ungeachtet, ihm erhalten werden würde,
so äußert er nicht nur dadurch den irreligiösen Wahn,
daß der Schöpfer Seine als unabänderlich von Ihm
geschaffenen Gesetze der Natur, zu seinen Gunsten ab-
ändern werde, sonder» beurkundet auch dadurch, daß
er ein wcscuttlckes Prinzip des- mubamedanischen Glau¬
bens, den Fatalismus anerkenne, der dem mosaisch-tal-
mudischen Aeligionssysteme durchaus fremd und zuwider
ist. Ter Fatalist mußte auch jedes noch so sehr uro-
tivirte Gesuch um Dispensation von der Erfüllung ei¬
nes Gebots und noch mehr, jede Bewilligung desselben
für die größte Sunde Halten, was dem oben angegebe¬
ne» Verfahren der Nabhincr aller Iabundene, offen¬
bar widerspricht.
Was die Meinung vieler betrifft, daß die Beschnei-
düng gegen einige örtliche Krankheiten, denen Nnbe»
schnittene ausgesetzt sind, ganzlrch schütze, und andere in
minder heftiger Form erscheinen kaffe, so läßt sich nicht
leugnen, daß ein jeder vom lebenden Körper getrenn¬
ter Thcik, jede Erkrankung der er in lebendiger Ver¬
bindung mir dem.Körper ansgesetzr sein wurde, unmög¬
lich mache, so wie auch daß seine Nichter-sten; nicht
mehr Ursache der Leiden seiner benachbart gewesenen
THeile werden könne. Wäre indeß kiese Meinung nicht
nur im ausgedehnteren Sinne, überhaupt wahr, sondern
an und für sich von viel größerer Bedeutung, so wird