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Dr. J. Thon: Bezalel.
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wonnen hatte, die ihm bei seiner schweren Auf¬
gabe behilflich waren.
So bildete sich denn im Januar 1905. ein
Komitee, welches die Verwirklichung des Planes
ernsthaft in Angriff nahm. Man wandte sich
auch an weitere Kreise, und überall erweckte der
Plan des „Bezalel" lebhaftes Interesse, das sich
speziell in reichlicher Einsendung von Geld¬
beiträgen kundgab. Jetzt ist die Vorbereitung
so weit gediehen, dass man an die Verwirklichung
des Projektes herangetreten ist.
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Die Begründung einer Kunstgewerbeschule
in Jerusalem wird den ersten Schritt auf diesem
Wege bilden. Die Leitung der Schule über¬
nimmt Prof. Boris Schatz für drei Jahre voll-
BORIS SCHATZ.
Grossmutter und Enkel.
ständig unentgeltlich. (Eine erschöpfende Wür¬
digung des Schaffens und Wirkens dieses ver¬
dienstvollen Künstlers, der sich jetzt bereits nach
Palästina begeben hat, sowie zahlreiche Ab¬
bildungen seiner früheren Kunstwerke enthält
das Mai-Heft des dritten Jahrganges von „Ost
und West". — Red.)
In der Schule wird vorläufig nur eine kleine
Zahl besonders begabter Schüler künstlerische
Ausbildung erhalten, damit diese sodann
Lehrer resp. selbständige Leiter von Ateliers
werden. Die Ausbildung der Schüler für spezielle
technische Zwecke wird die Aufgabe besonderer
Ateliers sein. Als erstes und vorläufig wichtigstes
Kunstgewerbe ist die Teppichknüpferei in Aus¬
sicht genommen worden, wozu sofort ein Lehrer
im Teppichknüpfen engagiert
werden soll.
Es ist aber keineswegs die
Absicht, die Schule vom Atelier
scharf zu trennen. Denn nicht
nur für die Ausbildung der Schüler
im Zeichnen und Entwerfen von
Mustern wird die Schule' sorgen,
vielmehr wird es ihre Aufgabe
sein, in jeder neueingeführten Ge¬
werbegattung fertige, künstlerisch
vollkommene Musterexemplare für
die Arbeiter zu liefern. Es werden
so Lehrer und Schüler zusammen¬
arbeiten an der Herstellung dieser
Musterexemplare. Die einzelnen
Gewerbe aber werden sich im
Laufe der Zeit, je nach den Be¬
dingungen des Landes, des Marktes
und der Befähigung der Schüler
oder Arbeiter, der Reihe nach
entwickeln.
Gleichfalls in Verbindung mit
der Kunstgewerbeschule wird auch
sofort eine Abendschule errichtet
werden, die für Handwerker jeder
Art bestimmt ist. Jeder Hand¬
werker, der sich meldet (also auch
ohne besondere Begabung), soll
hier durch einen seiner speziellen
Berufsart angepassten Unterricht
hauptsächlich im Zeichnen und
Modellieren an eine bessere und
vor allem schönere Herstellungs¬
weise seiner Arbeiten gewöhnt
werden.
.RELIEF.