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Karl Schwarz: Oscar Haberer.
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weitesten Kreisen bereits
finden.
Um nun anf die Bil¬
der selbst näher einzu¬
gehen, muss vor allem
betont werden, dass die
Farbe, die den Werken
ihre feine Abtönung und
ihr bildmässiges Aussehen
verleiht, hier Mder gar-
nichtzumAusdruckkommt.
Wir müssen uns auf die
Zeichnung und Linienfüh¬
rung beschränken, werden
aber auch hierin von
mancherlei Feinheiten ent¬
zückt. Man betrachte z.B.
das Bildnis des „Jungen
Mädchen", die in ihren
zarten Händen ein kleines
Figürchen hält. Wie fein
schmiegen sich die Aede-
rungen des Holzes der Struktur der Hand an, wie
zart hebt sich die leise Wellenbewegung des
Himmels von dem danklen Hintergrunde der Land¬
schaft ab, und wie lebensvoll ranken sich die
Blätter über dem Kopfe empor und begleiten die
feine Kopflinie, der sie einen ruhigen Abschluss
verleihen. Solche Blumenornamente scheinen dem
Künstler besonders geglückt zu sein, denn auch in
dem „Flöte blasenden Mädchen" findet gerade der
Blumenstrauss unsere Bewunderung. Mächtig hebt
sich in der „Wassermühle" die dunkle Tanne in
ihrer kräftigen Silhouette von dem Hintergrunde ab,
wie auch in der „ Schneelandschaft" die dürren
Aeste malerisch in den grauen Himmel hineinragen.
OSCAR HABERER.
Idylle.
AMSTERDAM.
Aut den beiden „Seestücken" ist besonders das
wellige Fluten des Wassers fein getroffen; das helle
Schäumen auf dem einen, wie das Wiederspiegeln
der Kähne auf dem andern.
Wir sind erstaunt über die Fülle der Aus¬
drucksmöglichkeiten, die der Künstler bei der
mühevollen und zeitraubenden Herstellung seiner
Werke in dem spröden Material, das ein feines
Auswählen der verschiedenen Holzsorten erfordert,
wiederzugeben weiss. Wir bewundern seine tech¬
nische Geschicklichkeit und begrüssen freudig das
Aufblühen einer fast vergessenen und unserm
modernen Zeitgeschmack doch sehr nahe ver¬
wandten Kunstart.