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Die Israeliten Rumäniens .
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Sympathische Stimmen in Saehen der Israeliten
sind in diesem Land nicht sehr zahlreich , denn der
Judenhass ist ein Dogma , bei dem die entgegen¬
gesetztesten Parteien sicii verständigen . Am 23 . Fe¬
bruar — 8 . März 1913 schreibt der „ Adeverul " :
„ Der Brief Luzzattis schildert in trauriger Wahr¬
heit einen Zustand , der , wie wir uns auch bemühen
mögen , ihn zu verbergen , dennoch besteht und den wir
nicht hinter hohlen Redensarten verstecken können .
Die Judenfrage existiert in Rumänien und wir haben
nichts zu ihrer gerechten Lösung getan . Es ist eine
unbestreitbare Wahrheit : wir haben zweihundert -
tausend Personen im Lande , die infolge einer selt¬
samen Anomalie keinem fremden Staat unterstehen
und trotzdem keine rumänischen Bürger sind ; die inner¬
halb des Landes den Fremden zugezählt und ausserhalb
- als rumänische Untertanen betrachtet werden , denn
wir sind verpflichtet , ihnen Pässe auszustellen und
sie anderen Staaten gegenüber unter unseren Schutz
zu nehmen .
Das ist ein ganz abnormer Zustand ..... Diese
Sachlage wird immer auf uns lasten . Sie wird uns in
den Augen des Auslands niederdrücken , das uns der
Ungerechtigkeit und Unbilligkeit zeiht , sie hat auch
Einfluss auf das Innere des Landes , denn bei jedem
Schritt stossen wir auf die seltsame Tatsache , dass
über zweihunderttausend Einwohner eine unbe¬
stimmte und eine Ausnahmestellung einnehmen . Was
man auch tun möge , die Wahrheit wird sich immer
geltend machen und wird ein Hindernis für die normale
Entwicklung unseres Landes bilden .
Diese Wahrheit ist um so betrüblicher , als ein
Teil unserer politischen Parteien und Persönlich¬
keiten — auch die Liberalen — offene Antisemiten
sind , während den anderen der erforderliche Mut fehlt ,
die jüdische Frage aufzunehmen und ilir eine gerechte
und endgültige Lösung zu verschaffen . Darum ist man
auf der einen wie auf der anderen Seite bemüht , das
Vorwärtsschreiten der Wahrheit zu verhindern ; darum
diese Heuchelei und Niedrigkeit , diese ungerechten
und gehässigen Angriffe , diese Rechtsbeugungen und
all das Gefolge von Tatsachen und Parodien , die die
jüdische Frage begleiten , deren Existenz von der einen
Seite bestritten wird , und für deren Regelung die andere
Seite nichts unternimmt . Dabei würde die Lösung
dieses Problems uns die Achtung der zivilisierten Welt
eintragen und uns von einer Wunde heilen , die uns ewige
Schmerzen verursacht . "
Die , ,Romania muncitoare " vom 28 . Februar —
13 . März schreibt :
Die Zeitung ■ , , La Roumanie " hat erklärt , dass
die Juden von Silistria , wenn sie unter rumänische
Herrschaft kämen , dieselben Rechte geniessen würden
wie die anderen Bürger . Zum Beweis dafür führt sie
den Fall der Juden in der Dobrudscha an , die dieselben
Rechte erhalten haben wie die übrigen Dobmdschioten .
Das fockistische Organ hat zu bemerken vergessen ,
dass die Dobrudscha droissig Jahre lang unter einer
Ausnähmeregierung gestanden hat , die in gewisser
Beziehung noch heute existiert . Andererseits gibt
man bei der Zubilligung der Gleichberechtigung für
die Juden der Dobrudscha einen deutlichen Beweis
für die Unvernunft und die Ungerechtigkeit des Aus¬
nahmeregimes , das auf den Juden Rumäniens lastet .
In der Tat : wenn Sie den Juden , die heute unter
Ihre Herrschaft kommen , die Gleichberechtigung
gewähren , warum versagen Sie sie jenen , die , ,seit
Jahrhunderten ' ' in Rumänien leben ? "
Der „ Parerile unui spektator " vom 20 . Februar —
5 . März sagt :
Die „ bulgarischen Juden zeigen sich als be¬
geisterte Patrioten . Sie protestieren energisch gegen
eine eventuelle Annexion der von ihnen bewohnten
Gebiete , denn sie befürchten , das Los ihrer Glaubens¬
brüder in Rumänien teilen zu . müssen . Man hat ihnen
geantwortet , dass sie ebenso wie die Juden , die zur
Zeit der Annexion in der Dobrudscha gewohnt haben
und bei der Annexion zu rumänischen Bürgern ge¬
macht worden sind , auch ihrerseits als Rumänen und
nicht als Fremde angesehen werden sollen .
Wir glauben , dass dies in der Tat so geschehen
wird . Wie viel grösser und auffallender erscheint
dann aber die Ungerechtigkeit , unter der der rumänische
Jude leidet ! Wie ? wird er fragen . Jen , der hier ge¬
boren ist , dessen Eltern hier geboren sind , der ich
meinen Militärdienst geleistet habe und jeden Augen¬
blick , als Reservist , mein Leben für dieses Land zu
opfern bereit bin , ich werde als Fremder angesehen ,
bloss weil ich Jude bin , und der Glaubensbruder , der
gestern Bulgare gewesen ist und infolge der Annexion
die Fähigkeit hat , Rumäne zu werden , er soll Bürger
sein , soll alle Rechte geniessen , während ich immer
nur — Jude bleibe und allen Härten der Ausweisungs¬
gesetze ausgesetzt bin !
An solche ungeheuerlichen Folgen geraten wir ,
wenn wir die ungerechten Schranken für unsere ein¬
geborenen Juden aufrecht erhalten , Schranken , die ,
wie man sagt , dem Geist und dem Wortlaut unserer
Gesetze und selbst der Jurisprudenz des Kassations¬
hofes widersprechen und die jedenfalls den wahren
Interessen der Nation entgegenstehen und in keinem
anderen Lande ihres gleichen haben . "
Jetzt kommen die absolut judenfeindlichen Aus¬
lassungen :
, ,La Seara " vom 26 . Februar — 11 . März :
, ,Wir haben die Intervention der Juden Rumä¬
niens nicht für angemessen und es jedenfalls für unser
Land nicht sehr günstig gehalten , dass sie gerade
in diesem Moment die Aufmerksamkeit der Welt auf
ihre Beschwerden über ihre Stellung in unserem Lande
lenken . Glauben die Juden vielleicht , dass wir sofort
eine Konstituante berufen sollen , um eine Aenderung
der Verfassungsparagraphen vorzunehmen , die eine
Massennaturalisation verwerfen und nur die Einzel¬
naturalisation zulassen ? Bei dem praktischen Sinn ,
der eine der guten Eigenschaften der jüdischen Rasse
sind , solten sie einsehen , dass augenblicklich nicht der
rechte Zeitpunkt gekommen ist , um diese Frage mit
einiger Aussicht auf Erfolg anzuschneiden . "
Der „ Viitorul " vom 6 . /19 . März :
, ,Bei Gelegenheit der rumänisch - bulgarischen Diffe¬
renzen hat man eine alte Angelegenheit wieder hervor¬
gesucht und zwischen die rumänischen Interessen
geworfen und dabei behauptet , sie bilde den Haupt¬
grund dafür , dass die Haltung bestimmter Mächte
unserem Lande nicht günstig sei .
Es handelt sich wieder um die unaufhörliche
jüdische Frage , die zugleich mit Herrn Luzzatti , dessen
semitische Herkunft seine Gefühle erklärt , die eng¬
lischen Juden heraufbeschworen haben , die Rumänien
feindlich gesinnt sind und die Folgen dieser Haltung
nicht richtig berechnet haben . Obgleich wir nicht
geneigt sind , die Juden Rumäniens mit der so wenig
angebrachten Bewegung der ausländischen Juden in
Verbindung zu bringen und obgleich wir durchaus nicht
rachsüchtiger Natur sind , werden doch wenige ; von
uns sich genügend in der Gewalt haben , um sich nicht ,
sobald die Judenfrage bei uns in anderer Gestalt auf -