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Friedrich Adler .
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und Familienstücke den Beweis eines hoch ent *
wickelten Kunstgewerbesinns erbracht ; aber man
darf aussprechen , daß dieser Sinn später nicht fort *
entwickelt , nicht dem Fühlen neuer Generationen
angepaßt wurde . Der Inhalt wird ewiglich derselbe
bleiben — aber wir wollen darüber nicht die Schale
vergessen . Sie darf und soll erweisen , daß der
jüdische Künstler mit Liebe und Andacht nach
neuen , verherrlichenden Formen strebt . In den
Kultgeräten , von denen einige hier im Bilde fest *
gehalten sind , gibt Friedrich Adler Vollendetes .
Diese wundervoll geschwungene Sederschüssel , reich
an gedanklicher Ornamentik , Prunkstück aber nicht
Protzenstück , läßt sich gut auf einem patriarcha *
lischen Familientisch denken . Der silberne Leuchter
setzt die Linie glücklich fort . Man möchte den
Wunsch aussprechen , daß diese Geräte , nicht
weniger wie das Habdalah * Gerät , von bewunderten
Schaustücken zu Zweckstücken werden möchten .
Denn in ihnen allen ist ein Feierliches , Festliches ,
das edle Material , die edlen Formen sind Ausdruck
uralter , heiliger Feiertagsmelodien . Nur mitschwin ?
gendes , weil eingeborenes Gefühl , vermag die
Thorakrone zu schaffen , die sich in Adlers großem
Werk findet ; ihre Reproduktion verbietet sich aus
technischen Gründen . Schwarzweißmechanik ver *
mag nicht den Zauber dieser mit Amethysten be *
setzten Silberkrone anschaulich zu machen . Auch
das mit leuchtenden Amethysten gehobene Thora ?
Schild ist Zeugnis feinsten Vollbringens . Und
man müßte , um ein Gegenstück zu dieser Neu *
gestaltung von Kultgeräten zu finden , zu ihrer
sinnfälligen Hebung , auf das Werk der be *
rühmten Kirchenkünstler zurückgehen . In der
Hingabe zum » Handwerk « aber , in dieser
von keiner Stundenzähhmg gehemmten Liebe zum
Detail , vergleiche ich mir diesen Friedrich Adler
mit den alten Nürnberger Meistern . Sie lebten in
einer Zeit , die noch Zeit katte , Zeit für das Kunst ?
gewerbe zu haben . Das Amerika der Konfektion
wurde viel , viel später entdeckt . Und so konnte
es geschehen , daß Jahrhunderte und Königreiche
vergingen , eine kleine Nürnberger Uhr aber ge *
blieben ist . Allen Künstlern unserer Zeit , die , fern
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FRIEDRICH ADLER
Keramischer Vorhof der Synagoge auf der Deutschen Werkbund * Ausstellung , Cöln
Hamburg