2- Jahrgang
Der
Organ zur Wahrung -er Interessen
vr. Enoch,
Unter Verantwortlichkeit der
Herold'sche Buchhandlung
des
orthodoxen Indenthums
Von diesem Blatte erscheint
wöchentlich einmal, Dienstags,
auf miIahr ist?^ Ct^(2 Thlr!
pr., 3Fl. 30Xr.) Man abonnirt
bet allen löbl. Postämtern, soliden
Hamburg, den 10. 'März 1816.
Lntzalt.
Das Schisma. Von vr. I.
Stimme eines Orthodoxen. Von S—r, Rabbiner. (Beschluß )
Toleranz modenier Nabbinen.
Das Schisma.
Von vr. Z.
Seit langer Zeit ist dem Schreiber dieses wohl
kaum eine gelungenere Arbeit zu Gesichte gekommen,
als die kürzlich in diesen Blättern mitgetheilte des
Herrn I-l B—k unter dem Titel: „Die Aufgabe
des orthodoxen Judenthnms in der Gegenwart".
Und zwar nicht sowohl deshalb gelungen, weil sie
sich etwa im äußern Glanze vollendeter Formen
dem Leser darstellt, oder weil sie geistreich und
treffend ihren Gegenstand im blendendsten Lichte
ohne Schattenseite zu malen versucht, sondern vor¬
züglich deshalb, weil der Verfasser bei einer glü¬
henden Wärme — nicht für sein Thema, vielmehr
für seine Ueberzeugung — mit Kraft und Energie
anftritt, weil er es wagt, ohne Rücksicht die Dinge
bei ihrem wahren Namen zu nennen; weil er ehr¬
lich ist, weil er den Muth der Meinung besitzt.
Wer von uns, der es wahrhaft treu mit dem
Glauben meint, der für dessen Untergrabung ein
Herz, für dessen Förderung und Belebung einen
Willen hat, hat es nicht mitempfunden, wie wahr
der Verfall geschildert, hat es in seinem Innern
sich nicht fest gelobt: Das muß anders werden,
und Du selbst darfst nicht müssiger Zuschauer blei¬
ben! Nein, Du mußt mitkämpfen, mußt mitstreben,
daß eine Veränderung bewirkt werde; das ist Deine
Pflicht, das fordert Deine Religion von Dip!
Ja, an der Zeit wäre es, dieses träge Hinstarren,
dieses müssige Zuschauen abzulegen; laßt uns in
dieser Beziehung von unfern Gegnern lernen.
Sehen wir sie nicht mit einer Beflissenheit, Emsig¬
keit zu Werke gehen, als handelte es sich wahrhaft
um was Anderes, als — um Zerstören und Auf¬
lösen ? Strengen sie nicht ihr ganzes Sinnen und
Trachten an, um diesen Phantasmen nachzujagen,
um, wenn auch nicht ihrer Ueberzeugung, doch we¬
nigstens ihrer Eitelkeit, ihrem Egoismus überall
Proselyten zu verschaffen? Und wir sollten dies
Alles ruhig hinnehmen, sollten allein bei der nach
allen Seiten hin herrschenden Beweglichkeit und
Rührigkeit schweigen und dulden? Wir sind aller¬
dings die Erhaltenden, die Hemmenden; allein
Widerstand besteht nicht in todter, unbeweglicher
Ruhe, nein! groß ist die Kraft des Angreifenden,
größer aber noch die des Vertheidigenden. Und
vertheidiLen wollen, vertheidigen müssen wir die so
hart bedrängte Religion, deshalb lassen wir es an
Ausdauer nicht fehlen, wählen mit Umsicht die ge¬
eigneten Mittel des Widerstandes. bedienen uns
derselben mit Ausdauer und Beharrlichkeit. Wie
wir aber im Leben des Einzelnen, und der Ge-
sammtheit, die allgemeine Möglichkeit von der spe-