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her gezählt , der zweite der fünf Hauptgipfel ist , aber
Ich glaube , es ist derselbe , zu dem ein Pfad hinanf -
führt von dem zerstörten Kloster des Wady Daghade ,
im Südwesten des Berges . Das Vorhandensein sina -
itifcher Schrift auf mehr als einen Gipfel scheint die
Ansicht von Dr . Lepsius zu bestätigen , daß sie das
Werk der Hirten sei , die über diese Berge hinwandern .
Der Serbal erhebt sich auf 6342 Fuß über das nicht
sehr entfernte röche Meer , und obwol er nach Robin¬
sons Angabe um 4 . 700 Fuß niedriger ist , als der St .
Katharinenberg , so ist er doch ohne Vergleich impo¬
santer , da er sich von einem weit niedriger » » Boden
erhebt und vollkommen isolirt ist . "
„ Von dem Gipfel und eine Strecke weit abwärts
wächst in den Spalten eine bedeutende Menge Stau¬
den vom stechendem Geruch , die in dem langsam an¬
gehäuften Schutt hinreichend ftste Wurzel finden , und
der Gazelle und Beden oder Felsenzicge , von welch
letzterem Thier ich ein paar Hörner fand , Nahrung
bieren ; auch holt man sie für die Kameele . Außerdem
findet sich auch hier schönes kalkeö Wasser in genügender
Menge . DaS Hinabsieigen zeigte sich , wie » vir er¬
wartet , äußerst schwierig , und erforderte die größte
Aufmerksamkeit , meistens mußten wir uns vermittelst
herzlich froh , als » v « r endlich die Lbene und die kleine
Oase an der Quelle wieder erreichten . "
ZertungsnnchrichteN .
Äaden .
Ein Gerücht verbreitet sich , unsere Staatsre¬
gierung beabsichtige in nächster Zeit eine Synode
zu berufe » , , welche daS jüdische Neligionswesen
zeitgemäß umgestalte , und beabsichtige ferner diese
Synode nicht blvs aus Rabbinen , auch nicht blos
aus Sachverständigen ( Theologen ) zusammen zu
setzen , sondern aus einer vom Volke frei gewählten
Versammlung , in welcher die Zahl der Laien jene
der Rabbmer weit übersteigen soll .
Wir können zwar diesem Gerüchte keinen
Glauben beimessen ; » veil wir das gerechtfertigte
Vertrauen zu unsrer volksthümlichen Negierung
haben , daß sie das holde Geschöpf der Zeit — Re¬
ligion und Gewissensfreiheit nicht schon bei seiner
Geburt ersticken werde ; denn würden die Beschlüsse
einer Synode bindend sein — und anders » väre sie
ja zwecklos — so müßten dieselben bei denen , deren
Ueberzeugung dagegen streitet , exekutiv , inquisitorisch
durchgeführt werden , was nicht nur dem Wesen der
Religion , welche doch Liebe predigt und Ueberzeu¬
gung fordert , stracks widerspräche , sondern auch
den Scheintod des Gewissenszwanges auf ' s Neue
konstatirte .
Wir können ferner nicht glauben , daß unsere
weise Regierung den Mißgriff thun werde , theolo¬
gische Streitfragen von Richttheolvgen entscheiden
zu lassen . Im Iuventhllme läßt sich jaNeligions -
und Kirchengcsetz nicht so scharf , wie im Lhristen -
thume von einander trennen , als daß auch hier der
Grundsatz „ Alles durch das Volk " anwendbar wäre .
Eine der Mehrzahl nach aus Laien bestehende Sy¬
node müßte daher schon von vorn herein alles Ver¬
trauen entbehre » und ihre Wirksamkeit unter den
Gefrierpunkt hinab sinken .
Sollte dennoch nufere Regierung aus allzu¬
großer Nachgiebigkeit und aus Unbekanntschaft mir
den jüdischen Religionsverhältnissen gegen unsere
Vermuth ' ung eine Synode auf die angegebene Weife
anordnen und einberufcn , so wollen wir die wir es
redlich mit unserem Indenthume meinen , Alkes auf¬
bieten . um die Staatsbehörde in ' s Klare zü setzen .
Wir » vollen uns von keiner falschen Schaan » be -
rkören lassen , vielmehr offen aussprechen , daß im
Falle , die Umsturzvartei die Majorität der Synode
bilden sollte — was ( obgleich die Mehrkeit der
badischen Israeliten ein solches Wahlergebnis tief
bedauern rvürden ) bei der Unkenntniß der Masse und
bei der Verstellung Einzelner doch leicht möglich ist
— die konservative Minorität und ihre Gesinnungs¬
genossen sich keineswegs von jenen meistern und die
eigene Ueberzeugung fahren lassen werden ; in Ge -
wissenssacheo kann keine Autorität der Mehrkeit
geltend gemacht werden ( 2 . B . M . 23 , 2 . ) Ja ,
selbst für den äußersten , zwar undenkbaren Fall ,
daß die uns nun aufgegangene Morgenröthe der
bürgerlichen Gleichstellung durch unsere religiöse
Standhaftigkeit wieder im Nebel verschwinden
könnte sind wir ja schon längst daran gewöhnt ,
keine Zurücksetzung um des Glaubens willen zu
scheuen .