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JÜDISCHE PR ESSE
Nr. 12
str engungeii, zuweilen demütigende
V e r s u c h e z u m a c 11 e n, mit d e r Z i 0 n i s t i-
sehen Organisation nach aussenhin
eine jüdische E in he i t s f ro n t herzu•
stellen. Die Zionistische Organisation ׳ war aber
zu einer gemeinsamen Vertretung jüdischer Ansprüche
nach aussenhin nicht zu haben. Ihrer politischen Weis•
heit letzter Schluss vtor däs Sprüchlein: ״ Mi scheto-
rach b‘erew Schabbos usw.“, mit dem Herr Sokoiow
die bei ihm vorsprechende Delegation der Agudas
Jisroei abwies. Aber selbst nach diesem Refus, als
Agudas Jisroei gezwungen war, die Ansprüche der
thoratreuen Judenheit endlich selbständig zu vertreten,
hat sie nie und nimmer den Boden der Ba'lfour-De-
klaration und des !Palästinamandates verlassen. Als
die palästinensische Landesorganisation der Agudas
Jisroei nach dem Beispiel aller anderen jüd ־!׳
sehen Organisation- vor zwei Jahren in
Jerusalem vor Lord Northcliffe erschien,
hat sie diese Linie ebenfalls eingehalten und bloss
durch ■den Lord den Schutz der englischen Regie-
run-g auch für die religiösen Rechte der
thoratreuen Judenheit in Palästina,
worüber die Balfour-Deklaration nicht spricht, er-
beten. Dieser Schritt der palästinensischen *unafo-
hängigen- Orthodoxie hat nun erreicht, dass die
grosse Oeffentlichkeit von der Unzufriedenheit der
thoratreuen Juden in Palästina !Kenntnis gewonnen
hat. !Die Zionistische Organisation musste nun ein-
sehen, dass ihre Politik, besonders aber ihre Bestre-
bungen, in Palästina Zwangsgemeinden mit Steuer-
recht zu schaffen, zur Erbitterung der thoratreuen
Massen führt. Statt nun :kluge Einsicht zu üben, hat
sie eine Presskampagne gegen die Orthodoxie vom
Zaune gebrochen, in welcher d-ie Beschuldigung
der Orthodoxie, das jüdische Volk ״ verraten“ zu
haben, die glimpflichste Waffe war. -Man glaubte mit
Unterdrückung und Beschimpfungen mehr zu errei-
eben als mit Nachgiebigkeit und Verständigung.
Dessenungeachtet haben die Vertreter der Agudas
Jisroei vor dem Völkerbundrat in London vor den
entscheidenden Verhandlungen über das !Mandat alle
formellen Anträge zurückgezogen, um die
Ratifizierung des Mandates k e «i n e ת
Augenblick zu verzögern. Sie haben vor
dem Völkerbundrat bloss dem Wunsche Ausdruck
gegeben, dass bei der endgültigen Regelung der jii-
disoben Verhältnisse in Palästina auch die Stimme
der Orthodoxie gehört werde. Bin Wunsch, der selbst-
verständlich unerfüllt blieb. Bei allen Behandlungen
der Jewi&h-Agency-Frage und bei allen Deklarationen
!über diese jüdische Vertretung hat die Zionistische
Organisation bis zum heutigen Tage die Adresse der
Agudas Jisroei nicht entdeckt. In Erez Jisroei selbst
bat man die Versuche einer endgültigen Regelung
der innerjüdischen Fragen, ohne eine Verständigung
mit der selbständigen Orthodoxie herbeizufiihren,
fortgesetzt. Kurzum, die thoratreue Judenheit wird
immer wieder, -auch wenn es sich um ihre vitalsten
Interessen handelt, auf ganz unglaubliche Weise
brüskiert.
In Anbetracht dieses Umstandes, auch -in der
richtigen Erkenntnis -der Tendenz der englischen Poli-
ftik, mit den- Arabern ein Uebereinlkommen zu finden,
haben die Führer der palästinensischen
A g u d a es fair riohtig erachtet, ihre alten guten
Beziehungen zu den führenden a r a b i-
sehen Persönlichkeiten zugunsten der
jüdischen Sache auszuniitzen. Während
die zionistischen Kongresse platonische !Resolutionen
über die Araberfragen gefasst !haben, die duroh arabo-
phobe Aesserungen führender zionistischer Person-
lichkeiten gründlich aufgewogen wurden, hat die pa-
lästinensische Orthodoxie wertvolle V 0 r a r-
beit zu einer arabisch-jüdischen Ver-
s t ä n d i g u n g geleistet. Der Zionistischen Or-
ganisation ist diese Arbeit nicht geheim geblieben.
Ihre Presse und ihre Vertreter haben sich nicht -genug
tun können, um diese Schritte der Orthodoxie zu ver-
dächtigen. Doch nach der entscheidenden Wendung
der englischen Palästinapolitik zugunsten der Araber,
nach -dem Bekannt werden des Hedjas-Vertragsent-
würfe« würde man soviel politische Klugheit seitens
der zionistischen! Exekutive erwartet haben, dass sie
yor ihrem Erscheinen bei König Hussein, der durch
seine Kandidatur zum Kalif aller Mohammedaner
einen übermächtigen politischen Faktor darstellt, sich
mit den Führern -der Orthodoxie, die bisher günstige
Erfolge bei den Arabern aufzuweisen haben- verstän-
digt hätte. Das war aber nicht der Pall. Die Vertre-
tung der zionistischen Exekutive erschien vor dem
König Hussein und Herr Sokoiow hat grosse Zurück-
haltung an den Tag gelegt bei der Beurteilung der
Erfolge dieser Delegation. Acht Tage später empfing
König Hussein -die Delegation der selbständigen palä-
sti-nensischen Orthodoxie unter der Führung von
Rabbi Ohaim Sonnenfeld. Die Delegation wurde von
König !Hussein mit auszeichnender Freundlichkeit
aufgenommen, wie es noch selten eine jüdische Dele-
Z ur PHHilahrsülsoife empfiehlt die Firm»
Weldler & Fürst
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(Ecke Seine 8perlga*1e)
fllNiM He1ra1| ||rdiro hiM naefi Mast
au* ihrtto eigenen feinsten und au• mf?gebrachten Stoffen.
ga-tion bei einem irdischen Machthaber erfahteh hat.
Dia Delegation wurde 4er königlichen. Höftafel arge-
zogen und der Sohn des Königs, der Beherrscher
Transjordaniens, Emir Abdulla, hat eigenhändig den
höchsten arabischen Orden -an die !Brust von Rabbi
Ohaim Sonnenfeld geheftet. König !Hussein hat in
überaus freundlichen und politisch bedeutsamen
Worten auch das Memorandum der Delegation, -das
vom ersten Vesier verlesen wurde, in Empfang ge-
nommen. Dieses Memorandum, an dessen Ausarbei-
tung auch die !Grossrabbiner -aus Polen teilgenommen
haben, betont den Wunsch des jüdischen
V 0 'lkes, mit a'Hen'V 01 ksStämmen, die das
Heilige !Land bewohnen, in friedlicher
Z -u s a m m e n a r b e i t b e i m A u f b ׳a u d e s H e i 1 i-
gen Landes, das der !zentrale Mittel-
Punkt der jüdischen Sehnsucht ist, mit-
zuarbeiten. Agudas Jisroei als Welt-
Organisation der selbständigen tho!ra-
treuen Judenheit v e r t r i 11 d i e s e freund-
schaftliche Politik als heilige T r a d i-
tion und ־will daher , bei de r Rege 1 ung
der palästinensischen Verhältnisse
nebst den anderen jüdischen 0 r g a n i s a-
tio-nen gehört werden König Hussein gab
in seiner Antwort die Zusioherung, dass er mit Agudas
Jisroei rechne und ihre Wünsche nicht übersehen
werde. So ist es zu hoffen, -dass die Delegation der
palästinensischen Aguda gutmachen ־wird, was die
unvernünftige zionistische Araberpolitik bisher ver-
dorben hat. Aus dem Bericht des Herrn Sokoiow an-
lässlich der jüngsten Sitzung des zionistischen Aktions-
komitees ist zu entnehmen, dass er mit -der Delegation
unter der Führung von Rabbi Ohaim Sonnenfeld
höchst unzufrieden ist. Da seine Angriffe, nach frühe-
ren Beispielen !zu schliessen, nur den Auftakt ׳zu einer
allgemeinen Presshetze gegenüber der Orthodoxie
bilden, können wir erwarten, dass man wiederum
eine Flut von Beschimpfungen gegen !Agudas Jisroei
loslassen wird. Agudas Jisroei stand in den jüngsten
sechs Jahren nicht selten vor schweren politischen Ent-
Schlüssen. Die Entwicklung der Dinge hat
ihr ■bisher immer noch recht gegeben».
Die zionistische 1 Politik der letzten sechs Jahre ist
eine unterbrochene Kette von schweren Missgriffen
und Fehlern. Agudas Jisroei ist nach der Kenessio
gefestigt genug, um in aller Ruhe abzuwarten, bis
innerhalb der Zionistischen Organisation politische
Nüchternheit u!nd ehrlicher Verständigungswille die
Oberhand gewinnen.
© NACHRICHTEN. ©
Ottterrticb.
Diskussionsabend in der Wiener Jugeitdgruppe II.
Samstag -den 9. Adar -Sahenii, abends, referierte
Se. Eihr-w. )Herr !Rabbiner Dr. Joel Rall-ak über Einladung
des Vorstandes -der Zeire •Agudas Jisroei, Wien, -LI., •über
,Aufgaben -der Agu da-Ju g e nd“. Von dem Stand-
.punkte ausgehend, !dass diie Jugend ein Werkze-ug der
Aguda-il-dee •seii, stellte er fest, -wie !nur «intensive Arbeit diese
Voraussetzung bestätige. Es s-e ׳ i eine rein geistig-ethische
Richtung^ , in der sie sich zu entwickeln habe, während
die praktische Arbeit däs Mittel zum Zweok seii. Der Wert
einer Jugen-dtgruppe liege somit nicht in -der .numerischen
Stärke ihrer Mitglieder•, sondern im seelischen! Kontakt
jedes einzelnen als integrierender Bestandteil der Jugend-
gruippe , im besonderen und 1 der Agu-da im allgemeinen. Die
organisatorische Erfassung der Jugend für das Aguda-
ideal könne nur gelingen, -wenn ,die Jugend selbst die
!initiative ergreift. Alle Beschlüsse -der K. G. seien! ;hin-
fällig, wenn nich-t Jugend in -dleni ersten! Reihen zu finden
sei. Von einer kurzen kritischen) Beleuchtung der derzeitigen
Verhältnisse in !dien ׳ Wiener Jugendgru-ppen •übergehend,
rief er die Jugend zu erhöhtem Lerneifer auf -und forderte
aktive Tätigkeit für Keren ׳ Hatauroh, Erez Jlisroel und
soziale Arbeit als die wichtigsten Arbeitsgebiete der
Agudia.
•Nach Eröffnung der !Diskussion erweiterte Redakteur
S c 11 a b s e S c h ö n f e 1 d !den Aufgabenkreis der Aguda-
Jugend dahin, -dass sie -vor allem neue Jugend heranziehe.
(Die !Leitung ׳ der Wiener Zeirim möge !ihre bisherigen
Arbeiten dahin revidieren. !Das Lernen sei selbsttverstand-
liehe Aufgabe jedes Juden: Neu sei •die organisatorisch-
praktische Betätigung. M ׳ a-n möge von -den Gediaulim wie
Gern Rebbe und -Chofez Ghaijim ש י ל ט א lernen: die
nach reiflicher Ueberleigung viel Zeit dem Limud hatauroh
entzogen , haben, um der Organisation zu dienen.
Beza lei Stern widerlegte die -Kriifik ;der Vor¬
Jahre genügende Zufriedenheit auslösen körnten-. Mottl
Aschkenasy wollt* sUMcerö seeflteohe Heran-
zddtuftg -der iKodt FebflStehifchÄen! -ttfcd ;fikht zuletzt dieser,
welche !in der (Bfewegübg fes#en Fu&s gefasst !haben.
׳ Klein, Frankfurt, /Verlangt fortech-rittie,, •deren ab-
soteter Gegner Zufriedenheit sed. Mia« könne nie von
-genügenden Leistungen de* Agudia sprechen{, denn es gebe
immer noch ein Höher-birnauf. !Die Jugend soll fiiV afeudlsti-
sefres , Bekenntnis auch öffentlich betätigen ׳ .
Satt mul Stern, als (Vorstand, erklärt den ׳ beigon-
nenen !Weg ausschliesslich für Taurohil'ernen als dietti ein-
zigen, d-er für (Wien 1n Betracht komme. An der Debatte
beteiligten! sich -weiters Moses Poleoh, Joel Aschkenasy,
David Reismann und mehrere andere. Erst um 1111 Uhr
nachts -kam Obmann David! !Baumgartner zum Schlusswort.
Rabbinerwahl im Monteüore.
Wien. Um !Bethausverein Monteflor e, wo seit
jeher -die -hertvornagenidsten- !Schüler 1 aus der Pre-ssburger
Jeschiwoh die Rabbinerwürde !bekleidet ׳ haben ״ -hat ver-
gangenen Schabbos Heu Rabbiner C. Periz aus Brati-
slaiva vor -einer •erlesenen Gemeinde -der !Betenden einen
-Probeivortrag !gehalten ״ mit ■dem Erfolg, d-ass Herr Rabbiner
-P e r !i z einstimmig zum !Rabbiner des Vereines gewählt
wunde. Herr Rabbiner »Periz wind sein Amt noch -vor
Pessacli antreten.
Generalversammlung der ״ Einheit“.
Montag •den 24. März 1924, 7 Öhr abends, findet im
Saale des Elisabeth-Heim, Wien, I 1 I V iMalzgasse 7, die 12 ׳ .
ordentliche Generalversammlung der ,,E-in-
he ft“, Verein zur -Errichtung und Erhaltung von Volks-
speisehallen, statt.
Poltn.
Anfang Juni jüdische Gemeindewahlen in Kongress-
Polen und Galizien.
Warschau. Das offizielle !polnische Regie rungs-
orga ׳ n ,Monitor Polski“ -veröffentlicht eine Verordnung
des iBil-dungsmlinisters über die Wahlen für -die jüdischen ׳
, Gemeinden (Polen. Danach sollen die Wahlen! -in dem
früheren Kongresspolen am 1. Juni stattfinden. Die Wahlen
in -den Kreisen Krakau, !Lemberg, Stänüslau, Tarnopol
müssen! ebenfalls am 1. Juni beendet sein.
!In Galizien haben -seit K-rfregsbegünn keine -jüdischen
Wahlen! stattgefuniden, ■die Gemeinden wurden! durch Oe-
reuten der Regierung -verwaltet. Die !Ausschreibung der
!Wahlen !in ׳ Polen u!n!d Galizien! sowie !in den Randgebieten
bildete eine Hauptforderung der jüdischen -Oeffenitliobkait.
•U-eiber -die Wahlen in •den Randgebieten hat jedoch -die -Re-
g>i ׳ er ׳ urtg bisher keine Verordnung erlassen.
Boykott der Posener Messe durch die jüdische Kauf-
mannschaft.
Warschau. (J. -T. A.) Das Zentralkomitee der iüdi-
sdhen kaufmännischen- !Organisation Polens hat auf eine
Emladung, sich an der Posenier Messe zu beteiligen, die
folgende Antwort erteilt: Obwohl !die Posener Messe an
der Westgrenze der Republik, am Aufsfallstor zu den grossen
Handelsindustrien Europas äbgehal-ten ׳ wird, ist die jüdische
kaufmännische Klasse !nicht in der Lage, an derselben
teil zu nehmen, weil in !Posen keine persönliche Sicherheit
für zu-relisemdte jüdische Kaulfleute besteht. Eine -solche
Beteiligung •wird solange unmöglich sein, als !diie unerhörte
Duldung der verbrecherischen antiljüdiscben Aktionen! in
•Posen andauert.
Eitantn.
Rekrutierung der Schüler der Jeschiboth in Litauen.
Kowno. (J. P. Z) Bis jetzt haben •die Schüler der
Rabbiner-Seminare !(Jeschibotht) in !Litauen •dasselbe Recht
genossen, -wlie die übrigen Schüler !der Hochschulen und
wurden vom Militärdienst !bis zum •28• Lebensjahre befreit.
Letztens beschloss die ■Oberrekrutierungsikommissian, dieses
Recht -den! Jeohibotih als !Hochschulen; zu entziehen und -deren
Schüler zur Militärpflicht zu rufen, ln einem Gespräch mit
einem Pressevertreter äusserte sich der Kultusminister
Bistruss, !da-ss !dien Jeschiboth !das Recht !der Hochschulen
nicht erteilt werden könne, -weil sie kein !festgesetztes
Lehrprogramm und keine bestimmte Studienzeit haben und
weil d-ort keine profanen Gegenstände gelehrt werden ׳ . Mit
der Erledigung -dieser Frage -wurde der Kultusminister und
Minister für jüd. Angelegenheiten!, Dr. S. Rosembaum, vom
Gesamtimi-nisterium beauftragt. Da aber -die Leiter -der
Jechiboth ■sich weigerten, ein Minimum -von profanen Gegen-
ständen -einzuf-ühren, kam es zu keinem Resultat und
die Schüler der Jeschibotlh mussten dem Ruf zum Militär-
dienst Folge leisten. Diese Tatsache hat grosse Erbitterung
unter der jüdischem Bevölkerung -hervorgerufen.
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