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Organ der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion in DeuttchSsterreich.
REDAKTION und VERWALTUNG: Wien, !!., Glockengasse Nr. 6, Tür 17.
Bezugspreis samt Zastottwig: Ganzjährig K 20.— .... Halbjährig K 10.- .... Vierteljährig K 5. — .... BinzelDümmer 40 Heller
Erscheint jeden Samstag.
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Wien, 3. Jänner 1920 ..Nr. 1
IL Jahrgang
Den Märtyrern,
Mit heiligstem! Proletarierblut durchtränkt senkt
steh' ein Jahr über die Gräber der ihingemordeten un¬
garischen Revolutionäre.
Nichts konnte dem rasenden Henkerrade der
rachesichnaubenden ungarischen Gentry in die Spei¬
chen fallen. Die l-o&ge lasse ne Bestie hat
B1 u t g e sc Ii m eckt! Edelstes, reinstes Blut opfer¬
freudiger Kämpfer, selbstloser Diener des; Prole¬
tariates', der Revolution, der neue; n, a u f s t e i g e. n-
de n Mensic'hheit . . . Blutdürstig wütet die Be-
tyarenbestie weiter, ohne rjemmtuig, bedenkenlos . .
Mitt'kalter Ueberlegung und verbr^dberisioher Folge¬
richtigkeit vernichtet der Haß der untergehenden
die Vorkämpfer einer neuen, aufbauenden Welt¬
ordnung. Alle Mittet, und Arten des! Mordcns 1 ., die
den Verbrecherinaitinkten der ganzen Welt, aller
Zeiten und Orte entstammen, werden "hier angewen¬
det,um dasi gesamte revolutionäre Proletariat, die
Träger, der Zukunft, auszurotten.
Diie WeItreajk'tion feiert ihren be-
z e i eibn e.n dst e ri„ J r iumplhf. JI>i'e vbhitbesudelten
Horthy -und >tä$rh^&&^ .
steh' als die erfolgreichsten Henker an 'Tnl^SpiTze'"
gebellt.
Die Zahl der Helden und Märtyrer der Weitre-
revolution steigt ins 1 Unenueßliche. Noch sind die
Gräber Karl 1 Liebknechts, Rosa Luxem¬
burgs!, Gustav Landauers, Eugen Levines,
Leo Jogiclies;, und all der vielen Namenlosen, der
Bannerträger der Menschheit, die mit ihrem 'heili¬
gen Blute die Saat der leuchtenden. Zukunft düng¬
ten,- nkM mit Gras, bewachsen und schon schließen
frische Gräber die irdischen Reste Korvin-Klei vis und
Laälzlos, der Märtyrer von Kecskemef, und der
vielen, all'zuvielen Gefängnisse des zum Mord ,,er¬
wachenden" Ungarn ein. Mit dem; Blute der Edel¬
stein wird die Geschichte und der Sieg der Welt-
revol'ution vorgezeichnet.
Der mordlustige Rachefeldzug gegen das v un-
garislche Proletariat wird sein Ziel nicht erreichen.
Tiefe Wunden wird er der niedergetretenen Arbei-
tersiehäft schlagen. Aber in der Gluthitze des ver¬
schärften Klassenkampfes^ werden sie rasch heilen.
Und stärker denn je, unbesiegbar wird das ungari¬
sche Proletariat auferstehen und S o w j e t - Un¬
garn neuatifbauen auf den durch die Gräber der
Helden und Märtyrer gefestigten Fundamenten. Be¬
freit von den Verrätern, die ruhig der Ausrottung
Arbeiterklasse zusehen und an den blutbespritzten
Ministersesseln kleben; von den Peidcf und Mia-
kitä befreit wird dasi mit Skorpionen gepeinigte^ mit
blutigen Geißeln gepeitschte Proletariat, geläutert
und gestählt, das große, geschichtliche Werk der
Befreiung vollbringen.
'Die Stimme des; revolutionären Weliprolctaria-
tesi war noch zu schwach), um die rastlos mordende
Henk'erfaust zu lähmen. Aber das Schicksal der un¬
garischen Brüder wird auch zum Weckruf für das
internationale, kämpfende Proleiariat. Um die sieg¬
reiche russische Revolution geschärt, wird es sich
immer mehr von den soziarverräterisehen Verfüh¬
rern loslösen und zielbewußt die revolutionäre Ent¬
wicklung der Welt vorwärtstreiben. Es muß wohl
dem internationalen Proletariat der Gesichtskreis
durch' die grellen Ereignisse in Berlin, München und
Ungarn mit Blitzesischärfe erhellt werden. In scharf¬
umrisse nen Konturen treten die in Konservatismus
erstarrten Führer der sozialdemokratischen Bewe¬
gung hervor, neben den Henkern 'der Revolution, die
Henker des Proletariats: neben den Reinhard und
Marlon, Horthy und Hejja, die Koske und Peidel.
Da?< internationale Weltproletariat wird sie erken¬
nen und den Weg der zielbewußten Massenaktion,
beschreiten.
s* Mit Schaudern und Grauen wird esi den weiteren
Weg der triumphierenden reaktionären Bestie ver¬
folgen und sich fragen, wohin ,er mündet. Diese
Ströme von Blut, diesle endlosen Gafgenreiheu, die
lückenlose Kette verruchtester Morde und Verbre¬
chen : „Wohin führen sie ?"
Die Horthy und Friedrich fahren nach; Neu-
illy, um mit der siegreichen Entente« Frieden zu
«diHeßcn. Die blutigen Morde sind die tönende
Fanfare zu dem' Werke desi Friedens. Und die
Horty und Friedrich 1 wollen wohl! auch' mit dem
Blute' der Arbeitcrsch'aft sich den Weg in den demo¬
kratischen Völkerbund bahnen. So schließt sich die
Reihe der Weltreaktion gegen das. internationale
Proretarja't. Stacheldraht und Schützengraben,
Blockade und Hunger wird gegen S o w j e t r u ß -
fand aufgeboten. Galgen und Mord dezimieren das
ungarische Proletariat. Und unter die ^drängende
Gaffermenge der sadistischem Nervenkitzel) nach¬
jagenden verfaulten HerrsiClieVklasse de* „christ¬
lichen" Ungarn mengen sich „besonders zahlreich 4 '
die Vertreter der Ententemissionen.
Der Völkerbund ist das Ziel, dem 1 mit, Mord und
Verbrechern an der. Arbeiterklasse zugestrebt wird.
Das. muß, cla« wird das revolutionäre Proleta-,
riat. der ganzen -Welt erkennen! Und die Korvin,
und J-aszj'o der ungarischen Revolution, die nietyt
gerettet w^rdeu.kfc"— J ~" °~~ U| - J ~-
den, siegreicilen
Nicht P r o t e s< t e soll das Proletariat erhe¬
ben! T»aube Ohren würden sie finden. Mit uner¬
bittlicher Entschlossenheit und geballter Hand möge
sich! das Proletariat der Welt versammeln und
Fleerschau halten, ob denn noch 1 nicht die Stunde
des entscheidenden Kampfes geschlagen hat.
Gegen die Weitreaktion für die Weit-
revofution!
Für die geläuterte Menschheit und
ihr Werk der Freiheit und der Zukunft!
m
Ein Jahr
„FREIE TRIBÜNE".
Aus: der Erkenntnis seiner Notwendigkeit ist
unser Organ entstanden.
Die revolutionäre Welle, die, aus' dem Osten
kommend, über Mitteleuropa nach dem Westen flu¬
tete, hat auch die deuts'dhöst-erreiöhische Toteninsel'-,
wenn auch 1 nicht erschüttert, so doch 1 nicht ver¬
schont. Die indifferenten Massen wurden aufge¬
rührt. Soziale Ideen fanden Eingang in Kreise, die
fernab von den Wegen des»' Klassenkampfes dem
aufsiteigenden Kapitalismus gedient hätten. Was der
Weltkrieg, der Seblußakkord der kapitalistischen
Weltordnung, insi Leben gerufen hat, ist in der
Gluthitze der revolutionären Erhebungen ausgereift.
Dasi Proletariat der über 300.000 Seelen wählen¬
den jüdischen Siedlung Deutschösterrei'cihs' stand
entweder ganz abseits vom Kampfe der Arbeiter¬
klasse um ihre Selbstbestimmung oder direkt in den
Reihen ihrer nationalistischen Gegner. Nur eine
schmale Schichte Assimilierter spielte eine große
Rolle in der deutschen sozialdemokratischen Partei:
eine zweite, die den Zusammenhang mit dem 1 jü¬
dischen Proletariate der ganzen Welt nicht ver¬
loren hätte, bildete eine lange Zeit hindurch den
geistigen Mittelpunkt unserer Weltbewegung.
Aus diesen Traditionen, und den Voraussetzun¬
gen der revolutionären Bewegung gemäß ergab sich
die Notwendigkeit der Zusammenfassung und Bil¬
dung „einer selbständigen jüdischen Sozialdemokra¬
tie, vom Schicksäle der Arbeiterklasse des eigenen
Volkes erfüllt und an dem sozialistischen Umbau
der Gesellschaft mitschaffend", wie es im Geleit-
artikel der ersten Nummer der. „Freien Tribüne"
„Unsere Losung", hieß.
So trat unser Blatt gewissermaßen unvorbe-
i dJc /vii _
hinein. iv^Uder Aufgabe, ungenügend durchgebifl-
dete PrloöB-iers/chichJten rasch' z u m Bewußtsein
der revolutionären Aufgaben erziehen, zu
nutzen, beiästet, trägt das Blatt auch die unver«
kennbaren Spuren dienest Entwicklungsganges. Ler
diglich! zum „sozialistischen Umb f au der Gesell¬
schaft" die Leser vorzubereiten gewillt, mußte
die „Freie Tribüne",, sitets' im lebendigen Kqnta'kU
mit den Notwendigkeiten der revolutionären Epoidhfe
und des; jüdischen Proletariates in ihr, immer kon¬
sequenter den Weg der Erziehung zur sozialis-ti-
sic h'ehi T at beschreiten.
So stellte. sich 1 unser Organ, als! £prachrohr
unscrer Bewegung, mutig und aktiv während der
Wahlkampagne zur deutschösterreiöhischeh Nation-
naive rsiimmiung in den Dienst der Sozialdemokratie.
Nicht unangefochten von den eigenen Ge n os!sen
tat siie dies. Ein großer, wachsender Teil der Or¬
ganisation war der Meinung-, daß die EntWicklung
der Ereignisse in Deutschland und innerhalb der
Gebiete aesi früheren Rußland!, daß vor allem] die
Entwicklung in Deutsichösterreich und die/Stelhing;
der proletarisfchen Bewegung hierzulande deta
Blätte eine andere Haftung vorschreiben.
Uns'er Blatt suchte allen Tatsachen und \Argu-
menten entgegen jdasl HeiP der Arbeiterklasse - in
riM4hi^<^m^^
mit dem Bürgertum verh'andehr^'dÄne^.'^E^läwlSS^
noch immer an die Möglichkeit 1 einesr friedlichen
„Umbaues^ der Gesellschaft, und war zu „weich¬
herzig", um' die täglich im klarerem 1 'Lichte [er¬
scheinende Notwendigkeit des Kampfes für de n
Umsturz mit all seinen furchtbaren Begleiter¬
scheinungen ins Auge fassen l zu -können.
Zwar kämen auch 1 diese Anschauungen in sei*
nen Spalten zunr Ausdruck, und diese «Stimmen
mehrten sich mit dem Wachstum' unserer Orgfa-
niisatiori, mit der wachsenden Reife, den sich meh¬
renden Erfahrungen unserer Bewegung. Aber erst
nachdem' sie in der Bewegung — bei der Partei¬
beratung im April' ..... die Mehrheit erlangt hatten,
könnten sie denn Blätte ihren Stempel aufdrücken.
Gleich die ers*te Nummer, die Festniimmer für
den 1. Mai, proklamierte den neuen Standpunkt,,
das; Bekenntnis zur Diktatur, die Bereitschafit zuimi
Anschluß an die III. Internationale, rief zumi Kampf
an der Seite desi revolutionären Proletariats in allen
Ländern und besonders! Deutschöslterreichs'.
Hatte unser Blatt, früher sein H'&uptäugenmerkt
darauf gelenkt, der jüdiafchen Arbeiterschaft speziell!
das .Verständnis der „jüdischen" Fragen nahezubrin¬
gen, während die Ereignisse der Außenwelt bloß
wie forner Nachhall widerklangen, stellte esi sich
jetzt bewußt die Aufgabe, die Leser die EntKvick 1 -
lung der sozialistischen Probleme, dasi geistige) und
soziale Ringen des Weltproletariats miterleben zu
lassen. Die jüdischen Proletarier sollten verstehen
lernen, daß ihre Nöte nur aus: dem Zusammen¬
hange mit dem Fortsfchrtite der Weltrevolutton er¬
faßt und gelost werden können. Das jüdische Pro¬
letariat sollte über denn Gefühle ihrer Volkszuge¬
hörigkeit das; Bewußtsein erlangen, ein wenn autiW
kleiner, sd doch wichtiger Teil des, kämpfenden
.Weltproletariata zu sein.
Daß uns/ dies gelungen ist, beweist das An¬
sehen, ^las unser Blatt gewonnen hat.
Wie weit war doch" der Weg von der „selbst¬
losen" Losung zur Wahl von sozialdemokratischen
Kandidaten in die Nationalversämiml'ung z\ir selbst¬
bewußten .VerU-etmig der revolutionären Interessen
des) jüdischen Proletariats in den Arbeiterräten,' be¬
sonders auf der Reichs/konferenz der Arbeiterräte.
An diesem Unterschiede läßt sich di« Entwicklung;
unserer Bewegung von innen nach außen, von einer
kleinen, in enge Grenzen gebauten nationalen Ar¬
beitergruppe zu einer mit entjstoh'lbsSenem Willen
zur Selbstbehauptung begabten, kämpf freudigen
Partei am besien erkennen.
Genossen und Genossinnen! Leset und verbreitet die „Freie Tribüne».