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identifiziert werden, um so weniger als semitische Namen sich mehrfach auch
bei den Aegyptern finden. Jampel unternimmt bereits in seinem Buch ,,Die
Hagada aus Aegypten“, Frankfurt 1911, S. 34 f. den schwierigen Versuch,
die Folgerung, die aus der inschriftlichen Notiz der Israel-Stele zu ziehen ist,
nämlich, daß Israel im 5. Jahr des Menephta bereits in Palästina gewesen
sein müsse, mit der biblischen Ueberlieferung in Einklang zu bringen. —
Die Arbeit Mallons bietet eine Fülle von Material, Abbildungen und interessanten
Erklärungen. Leider dient aber der wissenschaftliche Apparat in der Haupt-
sache dazu, den wundersamen Charakter der biblischen Geschehnisse zu be-
weisen (vergl. bes. S. 138 f.). So verständlich dies alles von einem religiösen
Standpunkt aus sein muß, — und M. macht aus seinem Standpunkt kein
Hehl —, so sehr wird dadurch der wissenschaftliche Charakter dieser so
fleißigen und gewissenhaften Arbeit verwischt.
In objektiverer Weise behandelt Alfons Schulz, Pro-
fessor an der Akademie zu Braunsberg in ,,Die
Heilige Schriftdes A. T." herausg. von F e 1 d m a n n
u. Herkenne, Professoren d. Theol. in Bonn, das
,,Buch J osue“, Bonn 1924. Schulz berichtet einleitend über
Inhalt und Stellung des Buches Josua im Kanon der Bibel, sucht
einen Ueberblick über den Text bestand zu• geben, stellt die Frage
. nach der Abfassungszeit und bemüht sich den historischen Hinter-
grund aufzuheilen. Die Uebersetzung ist von einem leichtverständ-
liehen Kommentar begleitet, der jeweils die Zusammenhänge der
einzelnen, Berichte, aus denen sich das Buch Josua zusamrnensetzt,
erklärt. Im Gegensatz zu früheren Kommentatoren, die geneigt sind
in dem Fünfbuch und den darauffolgenden geschichtlichen Büchern
die Bearbeitung eines einheitlichen Geschichtswerkes zu
sehen, spricht Schulz dem Buche Josua einen selbständigen Charakter
zu. Auch soll gerade aus Josua zu entnehmen sein, daß der
Wortlaut des A. T. in vorchristlicher Zeit noch recht flüssig gewesen
ist. Die seit dem 3. Jahrhundeil v. Chr. in Alexandria entstandene
griechische Uebersetzung scheint vielfach einen besseren Text voraus-
zusetzen. Aber auch früher schon ist der Text des Josua-Buches
überarbeitet und um eine ganze Reihe von Zusätzen vermehrt worden.
Schulz glaubt, daß das Buch vor dem Ereignis I Kön 9 16 geschrieben
ist. Es ist älter als David, vgl. Jos 15 63 mit II Sam 5 6 . Jos 18 16 , 28 muß zu
einer Zeit niedergeschrieben sein, als Jerusalem noch nicht Hauptstadt
war. Doch kann man nach der Meinung des Kommentators vielleicht
noch weiter zurückgehen: Der Zusatz 19 47 berichtet von der Ueber-
Siedlung des Stammes Dan aus dem Gebiet von Juda nach dem
Norden: Vergl. Ri 1823 - 27 . Demnach scheint also der in Josua
niedergelegte Verteilungsplan schon vor jenem Ereignis verfaßt
zu sein. In Josua sind, wie Schulz nachweist, die Philister noch
nicht die Erzfeinde Israels, so könnte also die Urschrift schon aus
der .Zeit des Nationalhelden Simson stammen. Aus Schreib-
Wendungen wie ,,auf der anderen Seite" oder ,,jenseits des Jordan"
(5!, 9 X , 12 7 ) verrät sich vielleicht der Standpunkt dessen, der erst vor
kurzer Zeit vom Ostufer nach dem Westufer gekommen ist. Schulz
bespricht ausführlich die Zeit der Eroberung Kanaans durch die
Juden. Die Verhältnisse lagen ähnlich wie zur Zeit der El-Amarna-
briefe. Die kleinste Stadt besaß ihren eigenen ,,König", und Klein-
kriege und Eifersüchteleien waren an der Tagesordnung. Als wich-
tigster Unterschied ist die Tatsache Hervorzuheben,, daß z. Zt. der