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Hascht und ]tfaimuni 1 ).
Von W. Bacher.
Die jüdische Geschichtschreibung hat drei Jahrhun-
derte des finstern Mittelalters als Glanzperiode bezeichnet,
ln dieser paradoxen Bezeichnung gelangt jener Grundzug
unserer Geschichte zum Ausdrucke, dass in ihr nicht
äussere Erfolge die Grösse und den Glanz der Perioden
bestimmen, sondern die von dauernden Wirkungen be-
gleiteten Kundgebungen des geistigen Lebens. Der Beginn
dieser Glanzperiode wurde im Jahre 1892 in den Kreisen der
jüdischen Wissenschaft gefeiert, als sie aus Anlass des seit
der Geburt des Gaon Saadja verflossenen Jahrtausends dem
Andenken dieses ausserordentlichen Mannes huldigten, der
als Bahnbrecher air der Bestrebungen gelten kann, die den
nach ihm folgenden Jahrhunderten den Namen der Glanz-
Periode verschafften. Des Schlusses dieser Periode ist man in
diesen Tagen in weiteren Kreisen eingedenk, überall, wo jü-
dischgesinnte Vereinigungen mit warmem Interesse sich des-
sen bewusst werden, dass vor 700 Jahren am 20. Tebeth —-
damals war es der 13. Dezember, in diesem Jahre wird es der
28. Dezember sein — in Alt-Kahira Moses Maimuni ge-
storben ist. Denn die hochragende Gestalt Maimunis kön-
nen wir als den würdigen Abschluss dieser an ausgezeich-
neten Persönlichkeiten und hervorragenden Litteraturerzeug-
nissen so ungemein reichen Periode betrachten. Aber noch
auf eine andere hochragende Gestalt wird unsere Auf-
merksamkeit durch eine Kalenderangabe des laufenden
Synagogenjahres hingeleitet. Am 29. Tammus (d. i. am 1.
August 1905) werden 800 Jahr verflossen sein, seit in
0 Vortrag, gehalten am 20. Dezember 1904 in der Israel.-ung*.
Litteraturgeselischaft zu Budapest.
Monatsschrift, 49. Jahrgang.
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