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ist. Es wird sich also vielleicht nicht um ein ,,Mitbringen“ des Mose
ben Kalonymos von Lucca, sondern vielmehr um eine Aufnahme
dieses Gelehrten in Mainz durch ״König Karlo“ in der alten Ueber-
lieferung gehandelt haben, welche spätere Volksdichtung als eine
״Mitbringen“ durch Karl den Großen ausgedeutet hat.
Es ist also auch von hier aus der Zusammenhang des Hrabanus
Maurus mit einem jüdischen Gelehrten in das Reich der Sage zu
verweisen.
Besprechungen
Kommentar zum ]Neuen Testament aus Talmud und Midraseli von Hermann
L. Strack und Paul Billerbeck. Erster (Doppei)band: Das
Evangelium -nach Matthäus. München (Beck), 1922, 1055 S. ^
Schon im Vorworte zur 5. Auflage seiner ״ Einleitung in Talmud und
Midrasch“ weist der inzwischen verstorbene und wegen seines wiederholten
Eintretens für Juden und Judentum von der dankbaren Judenheit aufrichtig
betrauerte Herrn. L. Strack darauf hin, daß dieses Werk den Vorläufer bilde
zu einem seit zwei Jahrzehnten in Vorbereitung befindlichen größeren Werke:
״ Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch von Herrn.
L. Strack und Paul Billerbeck“. Der erste Band (zu Matthäus) des vierbändigen
Werkes ist dann 1922 ebenso wie die ״ Einleitung“ bei der C. H. Beckschen
Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München erschienen. Nach dem Vorworte
war es der Wunsch des ersten der beiden Verfasser, den gesamten der Er-
läuterung des N. T. dienenden Stoff aus der altjüdischen Literatur zu sammeln,
zu sichten und in zuverlässiger Uebersetzung bequem zugänglich zu machen.
(Ein eigentlicher Kommentar war nicht beabsichtigt und liegt auch nicht
vor.) Da jedoch für ein. solches Werk Zeit und Kraft eines einzelnen nicht
ausreichen, verband er sich 1906 mit Pastor Paul Billerbeck. Auf Grund des
vorgelegten Planes und des schon vorhandenen Stoffes hat Billerbeck das
Ganze im Zusammenhänge bearbeitet; Strack hat es darnach einer genauen
Durchsicht für den Druck unterzogen.
An ein so angekündigtes Werk geht man naturgemäß mit großen Er-
Wartungen heran. Man wird auch wirklich nicht enttäuscht. Die Verfasser
halten, was sie sich vorgenommen haben. Sie geben uns ein Werk in die Hand,
aus dem sowohl Fachleute wie auch Laien großen Nutzen und wertvolle Be-
lelirung zu ziehen vermögen. Die Uebersetzung ist im großen und ganzen
zuverlässig; sie zeugt von wirklicher Sachkenntnis und Gründlichkeit, wenn
es sich auch empfiehlt, nicht immer blindlings zu folgen und namentlich die
halachischen Stellen nachzuprüfen. Der Stoff läßt in Bezug auf Vollständig ־
keit und bequeme Darbietung fast nichts zu wünschen übrig. Was man an
dem Stoff aüszusetzen hat, ist vielleicht ein Zuviel. Als zu viel und den Um-
fang über Gebühr, vergrößernd kann man es ansehen, wenn an zahlreichen
Stellen ausführliche, über mehrere Druckseiten sich erstreckende Exkurse
, sich finden, die für die Erläuterung des N. T. völlig oder fast zur Gänze be-
langlos sind, wie über die Rolle, welche die Träume bei den Juden gespielt
haben (S. 53—63), über Heuschrecken (S. 98), Honig (S. 100 f.), Salz (232—235),
Münz wesen (290—294), Ehescheidung (303320 —־ ), die verschiedenen ־ Arten
der Schwüre (321 ff.), über den Gebrauch von בן und 478 — 476 ) בר ), über
׳ Fieber (479 f,), über Samaritaner (538—560), über die verschiedenen Arten des
Pachtverhältnisses (869—875) u.' a. Für die Vergrößerung des" Umfanges
sorgen schon ohnedies die sehr zahlreichen, zuweilen halbe, und auch ganze
Selten ausfüllenden Wiederholungen, von denen eine ganze Anzahl bei auf-
merksamer Durchsicht leicht zu vermeiden waren. Vgl. S.;.188 mit 538, 261
und 1019, 266 ff. und 1019 ff., 326 und 329, 570 und 589, 589 und '592 (die
letzteren Wiederholungen innerhalb weniger Seiten). Nichtsdestoweniger
kann man auch die an und für sich wertvollen Exkurse willkommen
heißen.
Die Verfasser sagen ferner im Vorworte: ״ Den Glauben, die Anschauungen,
das Leben der Juden zur Zeit Jesu und der ältesten Christenheit wollten wir