Geschichte der Juden in der Schweiz.
Von Dr. M. Kay Gerling.
2. Pie Emancipation im Aargau.
(Schluss.)
Das Gesetz vom 5. Mai 1800, viele Jahre die Basis
der Rechtsverhältnisse der aargauischen Juden, wurde in
den midisten vier Deee innen mehrere Male einer , /eitge-
müssen Abänderung unterworfen, so 1821 ־ bei der Orga-
nisation der Corporatioiisgemeinden Endingen und Leng-
mtu, lern er 1820 und 1810 ־ .
Eine Beschränkung dieses Gesetzes, welche am nach-
tlieiligsten auf den Brodenverb der Juden wirkte und die
sich am längsten erhielt, weil ihre Beseitigung auf die
grössten Schwierigkeiten stiess, war die Niederlassung
ausser ihren Ileimatsorten. So lange die Erlaubniss zur
Niederlassung eines Juden von den OrLsbehürden abhing,
war in den seltensten Füllen ein günstiges Resultat zu
erwarten, indem Vorurtheile und Egoismus den Ilebrüer,
wie der Schweizer den Juden nennt, gern so fern als
möglich halten. Durch äussere Calamitüten gezwungen,
wandten sieh die aargauischen Juden zu Anfang des Jah-
res 1840 an den Grossen Rath mit dem Gesuche um Auf-
hebung dieser Beschränkung oder vielmehr der §§ 37, 56
und 60 des Niederlassungsgesetzes. Am 7. Mai kam diese
Angelegenheit in dem Grossen Ruthe zur Sprache; die
bedeutendsten aargauischen Staatsmänner, der damalige
Seminardirector Keller, Regierungsrath Waller, National-
rafch Jäger u. A. bemüheten sich, die Lage der Israeliten
zu verbessern. Besonders der eindringlichen Rede des
Letztgenannten wird es zugeschrieben, dass der die Nie-
rrankol. Moaatfluchrift. XII. 12. 35