Monatschronik.
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Augenblicke unserer armen Brüder vergessen — und sei be-
stimmte er 50,000 fres. iur mildthätige Zwecke. Nach den üb-
liclien Weihegebeten wurde vom Herrn Baron selber Mincha
vorgebetet. — Das Bet/immer, ist einfach und geschmackvoll
eingerichtet und drückt die fromme Gesinnung, aus der das
Werk entstanden ist, auch durch seinen äusseren Schmuck aus.
Marocco. In Safli starb vor einigen Wochen einer der spa-
nischen Beamten, die in Folge des letzten Friedens dort und.
auch anderwärts so lange residiren und die Gerichtsbarkeit üben,
bis die Schuld abgetragen sein wird, die Jlarocco an Spanien
zu zahlen sich verpflichtet hat. Ein Mjähriger israelit, Knabe,
der im Hause dieses Beamten verschiedene Dienstleistungen he-
sorgte, wurde auf Grund eines böswilligen Gerüchtes beschul-
digt, Gift in die Speisen gemischt zu haben, and mit noch drei
anderen Israeliten in's Gefängniss geworfen. Statt über den
Thatbestand eine gerichtliche Untersuchung einzulciten, zog man
es vor, auf leichtere Weise sich über das Crimen durch die In-
culpatcn selber zu instrmren mul ein peinliches Verhör vor zu-
nehmen. Man verfuhr dabei ganz nach der Instruction der im
Mittelalter üblichen Inquisition. Der arme Knabe wurde nach
den verschiedenen Graden gefoltert, so dass er in Folge* der
schrecklichen Schmerzen, bevor er über das angebliche Sach-
verhältniss genügende Auskunft ertlieilte, seinen Geist aufgab.
Deshalb verfuhr mau mit den drei anderen Incriminirten vor-
sichtiger. Einer derselben war ein junger Mann von 2i Jahren
von kräftiger Gestalt, den man sich zu diesem grausamen Pro-
cess besonders ersah. Mau marterte ihn so lange, bis er, um
der unsäglichen Schmerzen los zu werden, das Geständnis8 ab-
legte: Ja, ich habe mit meinen Händen den Herrn getödtet. Der
Gesandte in Tanger, der das ganze Verfahren durch seine Be-
fehle leitete, verurtheiltc ihn in Folge dessen zum Tode. Am
IG. September Vormittag wurde der junge Mann, nachdem noch
einige ruchlose Soldaten Flinten auf seine Füssc abfeuerten, auf
offenem Markte enthauptet. Am Tage der Hinrichtung wurde
er wiederholt von mehreren Israeliten um die Wahrheit des
Sach Verhältnisses befragt, und er betheuerte, dass er ganz ua-
schuldig sei, und er sich nur, um von den Folterqualen befreiet
zu werden, zu dem Bekenntniss entschlossen habe. Die anderen
beiden Verdächtigen sind noch izn Gefängniss, werden gleichem