Besprechungen.
Körner, Edmund, Die neue Synagoge zu Essen. Berlin, E. Wasmuth,
104 S. 1915,4.
Der Synagogenbau, der bald nach dem Eintritte geordneter politi-
scher Verhältnisse bei den Juden einsetzte — es gilt dies ausnahmlos
für alle Lander der Erde —, hat in künstlerischer Hinsicht wenig Er-
freuliches aufzuweisen. Die Erbauer — meist bewährte Kirchen-
architekten — standen dem Bauprogramm umso hilfloser gegenüber,
als sie an keine Überlieferung anknüpfen konnten. Denn die letzte
Phase des jüdischen Sakralbaues lag Jahrhunderte weit zurück, und
was vorhanden war, entsprach den neuen Raumforderungen nicht mehr.
Jüngere deutsche Bauten (des 17. u. 18. Jahrh.), die formal gute Vor-
bilder geliefert hätten und deren Entdeckung dem Unterzeichneten
durch reine Zufälligkeiten erst in den allerletzten Jahren gelang 1 ), waren
gänzlich verschollen. Es ist ja bezeichnend, daß alle neuere Literatur
über den Synagogenbau, nach Besprechung der Beispiele von Worms
und Prag, sogleich mit dem 19. Jahrhundert fortsetzt. Wenn man nun
weiter berücksichtigt, daß das verflossene Jahrhundert in baulicher
Hinsicht keine nennenswerten Fortschritte in baukünstlerischer Ent-
Wickelung gezeitigt hat, vielmehr in seinem glänzendsten Stadium rein
ekklektisch war, so ist es nicht weiter auffallend, daß unsere neueren
Synagogen, so groß, stattlich und glänzend sie auch sein mögen, in
rein künstlerischer Hinsicht keinen Fortschritt bedeuten. Sie sind mehr
eine dem jüdischen Kult angepaßte Form der protestantischen
Predigtkirche als eine selbständige Schöpfung des jüdischen Sakral-
baugedankens. Und gerade das Typische, Bezeichnende, das Charakter-
istischste Baumotiv fehlt in den meisten Neubauten. Ich bezeichne
als solches den Almemor, dessen Beseitigung man als reformatorische
Tat zu feiern schien, ohne zu wissen, daß man sich dadurch eines
künstlerisch gar nicht hoch genug einzu schätzenden Baumotivs ent-
ב ) Vgl. d. Unterz. Dissertat.: »Deutsche, böhm. u. poln. Synagogen-
typen v. XL bis Anfang des XIX. Jahrh.«, Berlin, 1925.