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MENORA 11
Judentum in Frankreich und unseren mo¬
dernen Bücherbetrieb überhaupt Interesse
hat. Es ist nirgends klarer zu sehen, wie
eine tiefe Tendenz, wie sie der heutige Philo-
scmilismus hierzulande ist, ausgenützt wird,
um literarisch belanglosen Werken Eingang
und Gehör zu verschallen. Jüdische Namen,
viel, meistens unangebrachte Zitate, endlose
Gebete und Zeremonien — Lokal färbe nennt
man diesen Kitsch — eine ganz unwahr¬
scheinliche Dosis Tüchtigkeit, rechts und
links verteilt, und die Neugierde, die das
Groüstadtpublikum einem Negerdorf in
seinem Zoologischen Garten entgegenbringt,
ist geweckt und befriedigt. Das einzig Bemer¬
kenswerte an all diesen Romanen, die gar
keine sind, ist das Thema. Man könnte es
Väter und Söhne nennen oder der Weg vom
Ghetto nach Europa, jenen Saltomorlale, der
ja vielen nicht aufhört, ein Rätsel zu sein.
Ein Musler jener Art, die dem Thema
natürlich nicht gerecht wird, ist, wie gesagt,
die Erzählung von Jehouda. Es verdient, da l.i
man darin blättert, denn es ist und bleibt
ein Kullurdokument und wird einst sehr auf¬
schlußreich werden. A. G.
T. E. LAWRENCE: AUFSTAND IN DER
WÜSTE. Verlag Paul List, Leipzig.
Der Verfasser ist ein junger Altertums¬
forscher, der wegen seiner Sprach kenn tnisse
während des Krieges als Verständigungs-
offizicr dem britischen Stabe in Kairo zuge¬
teilt wurde. Er verfolgte die anwachsende
Aufstandsbewegung der Araber gegen die
Türkei und sah in ihr einen mächtigen
Bundesgenossen für England. Er bietet dem
Führer, dem Sohne König Husseins, Faisal,
der Seele dieser Bewegung, seine Dienste als
Ratgeber und Vermittler mit England an.
Unter Mithilfe Lawrence, der Geld, Wallen und
Unterstützung durch Spcznillruppen aus Kairo
zu beschaffen vermag, gelingt es Faisal, meh¬
rere Beduinenstämme zu gewinnen und mit
ihnen einen Guerillakrieg gegen die Türken
zu beginnen. Ernste militärische Handlungen
auszuführen, sind aber seine Truppen trotz
dieser Hilfe nicht imstande. Sie müssen sich
auf gelegentliche Unterbrechung der Mekka¬
bahn beschränken. Erst nachdem Allenby die
türkische Front in Palästina durchbrochen
hat, überfallen Faisals barbarische Horden
die Nachhut der türkischen Truppen, um,
was sie an Türken erjagen können, erbar¬
mungslos niederzumachen. Nur die in voller
Ordnung sich zurückziehenden Abteilungen der
deutschen und österreichischen Truppen wagen
sie nicht anzugreifen. Das Buch schließt mit
dem Einzüge der vereinigten englischen und
arabischen Truppen in Damaskus und der
Übernahme der Regierung durch Faisal. Es
ist werlvoll durch die intime Kenntnis, die
Lawrence als feingebildeter Europäer von den
rohen Sitten der Wüstenaraber gewonnen hat,
durch die Darstellung der Zerrissenheit ara¬
bischer Politik und der von dem Verfasser
zwar nicht zugegebenen, aber aus jeder Zeile
seines Buches aufscheinenden Aussichtslosig¬
keit, auf der Grundlage eines arabischen Na¬
tionalismus diese sich bis aufs Messer be¬
fehdenden Stämme und Klans zu einigen.
N. H.
Von Büchern, Dichtern und Verlegern
Mit einem Geleitwort von Max B ro d er¬
scheint ein großangelegtes Werk der moder¬
nen deutschen Literatur über das gesamte
Problem des jüdischen Menschen der Gegen¬
wart aus der Feder eines Nichtjuden unter
dem Titel: ,.J u d a u n d die A n d e r n",
von Heinrich S i e in e r (Verlag Gebrüder
Paetel, Berlin).
Von Heinrich K u r t z i g, den die lebens¬
volle Schilderung der Tradition einer jüdi¬
schen Familie in seinem Buche ,,Ostdeutsches
Judentum" bekanntgemacht hat, erschien
eine Sammlung ernster und heiterer Erzäh¬
lungen und Skizzen aus dem Leben der osti¬
schen Menschen. (Verlag M. Poppelauer,
Berlin.)
Von Julie W T a ssermann-Spcye r
erschien unter dem Titel „Das lebendige
Herz" der Roman einer Ehe. (Verlag Bücher¬
lese-Leipzig.) Das Werk ist ein bemerkens¬
wertes Dokument der weiblichen Psyche.
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Herausgeber Dr. Norbert Hoff mann, Eigentümer und Verleger Habrith-Verlagsgesellschaft m. b. H.,
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