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Weltverkehrs und der Beziehungen der einzelnen Länder zueinander
sowie durch das Zusammenrücken der Kontinente die früher nur
wenigen Juden zum Bewußtsein gelangten Zusammenhänge zwischen
allen Teilen der Weltjudenheit einem großen Teil des jüdischen Volkes
klar geworden sind. In immer stärkerem Maße setzte sich die Erkennt¬
nis durch, daß zwischen den verstreuten Gliedern des jüdischen Volkes
geistige, politische, humanitäre und auch wirtschaftliche Bindungen
und Abhängigkeiten bestehen. Die Schicksalsgleichheit oder zumindest
die Schicksalsähnlichkeit der jüdischen Gemeinschaften in den ver¬
schiedenen Staaten der Welt machte die Organisation eines Infor¬
mationsdienstes notwendig, durch den die Juden in einem Lande von
den Vorkommnissen im Leben der Juden in anderen Ländern erfahren,
um ihr Verhalten in politischer, humanitärer und geistiger Beziehung
einzurichten.
So stellt sich denn die Gründung und die Existenz einer Jüdischen
Telegraphenagentur als eine Folge der allgemeinen Entwicklung und
der Steigerung jüdischer Erkenntnisse dar. Zunehmende Einsicht in
die vielfältigen Probleme des jüdischen Lebens schufen als Ursache die
Folge eines besonderen jüdischen Informationsdienstes. Nun stehen
Informationsdienst und öffentliches jüdisches Leben nicht nur in einem
Kausalnexus zueinander. Es herrscht zwischen beiden vielmehr ein
Verhältnis des Funktionalismus: Wirkung beeinflußt auch die Ursache.
Und tatsächlich hat die J.T.A. in den neun Jahren ihrer bisherigen
Existenz auf die Bedürfnisse und Erkenntnisse des jüdischen Lebens,
dessen legitimes Kind sie ist, weitgehenden Einfluß genommen.
Der Charakter der J.T.A. wird durch ihr Arbeitsgebiet bestimmt.
Da ihr Feld die Welt ist, sieht sie selbstverständlich jüdische Dinge
unter weiten Aspekten. Sie ist demgemäß weder den Interessen eines
Landes, noch denen einer Partei verhaftet; wachsam, überparteilich,
allweltlich, das sind die Leitmotive ihres Wirkens. Selbstverständlich
hat sie wegen ihrer Jugend Kinderkrankheiten, die jedoch nur ein
Zeichen von Wachstum sind. Dieses Wachsen kommt in der Aus¬
dehnung des Nachrichtennetzes der J.T.A. zum Ausdruck. 1919 unter¬
hielt sie zwei Büros, in New York und in London. 1920 hatte sie
bereits drei Bureaus und 7 Korrespondenten, 1923 vier Bureaus und
29 Korrespondenten, heute unterhält sie Bureaus in Paris, Warschau,
Berlin, Jerusalem, London und New York und hat 146 Korrespondenten
in allen Teilen der Welt. Die J.T.A. bedient alle bedeutenderen jüdi¬
schen Zeitungen der Alten und Neuen Welt, und außerdem steht sie
mit den größten nicht jüdischen Nachrichtenkonzernen in Verbindung,
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