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MENORAH
Bänken, die längs den Wänden herumlaufen, ein erhöhter Sitz für den
Synagogenvorsteher steht. Der südlich angrenzende Raum — Überreste
einer Trennungswand sind deutlich erkennbar, sie soll nachträglich, erst
100 Jahre später, aufgerichtet worden sein — wird vielleicht einer
Frauenabteilung gedient haben. Was uns in dieser Synagogenanlage
besonders auffällt, ist die Behandlung der Westwand. Wir haben jetzt
gewöhnlich den Eingang in der Westwand. Der Sitz des Vorstehers
aber befindet sich bei uns im östlichen Teil des Raumes, in dem be¬
sonderen Bezirk, der durch den Standort des Hl. Schreines (in der
Mitte der Ostwand) geheiligt erscheint. Indessen sind in der Synagoge
in Delos keine Spuren eines Aron ha-Kodesch gefunden worden. Er
konnte aus Holz, einem vergänglichen Material, gewesen sein, die Ver¬
mutung liegt nahe, daß er überhaupt noch keinen festen Standort ge¬
habt hat. Man brachte den kleinen Kasten mit den synagogalen Rollen
zum Gottesdienst aus einem Aufbewahrungsraum herein, wie das in
der antiken Synagoge in Naro (jetzt Hamam-Lif), in Ägypten, der Fall
gewesen zu sein scheint, wo ein besonderer kleiner Raum entdeckt
worden ist, der, nach der Inschrift auf dem Mosaikfußboden zu ur¬
teilen, dieser Bestimmung gedient hat.
Der Archisynagoge saß in der delinischen Synagoge also an der
Westwand, mit dem Gesicht nach Osten, nach Jerusalem gewendet. In
Naro hat der Archisynagoge sogar in einer in der Mitte der Westwand
eigens gemauerten Nische gesessen. Diese Synagoge wird schon dem
dritten bis vierten Jahrhundert zugesprochen. Allerdings gibt in Naro zu
denken, daß der Aufbewahrungsraum für die Rollen in den östlichen
Teil des Gebäudes, angrenzend an die Ostwand, gelegt ist. Aber die
Darstellungen auf dem Mosaikfußboden im Hauptraum sind nur vom
Sitz des Archisynagogen aus zu betrachten, so wie die Inschrift auch
nur von der Westwand aus zu lesen ist. Der Sitz des Archisynagogen
beherrscht auch hier den Raum.
VV enn wir uns nun von den Synagogen der Diaspora zu den auf
palästinensischem Boden entstandenen Synagogen wenden, zunächst
zu den antiken Synagogen in Galiläa, die uns durch die Publikation
von H. Kohl und C. Watzinger, 1916, erschlossen worden sind, so sehen
wir da eine vom modernen synagogalen Standpunkt ganz überraschende
Grundrißanlage. Wir finden hier den Eingang in der Jerusalem zuge¬
wendeten Wand — in Galiläa ist es die Südrichtung — vor. Aber für den
mit den Grundrissen der Synagogen in Delos und Naro Vertrauten,
hat die Anlage nichts Ungewöhnliches. Auch in Naro hat es Ausgänge