61
warben den Schülern und Schülerinnen reichen Beifall
und ihrem Dirigenten hohe Anerkennung. Besonders
entzückten in einem kleineren Alpcnliebe zwei prächtige
frische Knabenstimmen, die denn auch ein Dacapo des
Vortrags vcranlaßten. Auch hier bot die Schule eine
vortreffliche Gabe, für die wir ihr zu großem Danke
verpflichtet sind. So können wir unfern'Bericht damit
schließen, die Anstalt, welche schon so viele schöne Früchte
zn zeitigen Gelegenheit gehabt hat, zu diesen: neuen
Erfolge herzlich zn beglückwünschen.
Oesterreich-Ungarn.
G. äöicii, Januar. Auf dem für die Beerdigung
von Israeliten bestimmten Terrain des hiesigen Zentral-
Friedhofes wurden im Monat Dezember v. I. 47 Er-
wachscnc und 55 Kinder bestattet.
SW. Prag, 23. Januar. Dem vorgestrigen
״Prager Abeudblatte" entnehme ich folgende Notiz: Ein
sonderbarer Ehrenbelcidigungsprozeß wurde heute'beim
k. k. Kreisgerichtc in Lcitmcritz entschieden. Am
Bersöhnnngstagc saß im hiesigen Tempel der hiesige
Komtorist Alois Frisch und las während des heiligsten
Gebetes (der Keddnscha) ostentativ eine Zeitung. wor-
über alle Anwesenden, besonders aber der Klciderhändlcr
Moritz Popper, empört waren. Popper crlheilte schließ-
!ich dem Frisch eine derbe Zurechtweisung und brauchte
dem Frisch gegenüber, da dieser weiter las, ein Schimpf-
wort. Frisch verklagte Popper wegen Ehrcnbclcidignng
und Popper wurde beim hiesigen Vczirksge'rich'e am
8. Novcnibcr v. I. zn einer Geldstrafe von 30 fl. vcr-
nrtheilr. Dagegen erhob Popper die Berufung. Heute
fand nun in Leitmeritz hierüber die Verhandlung statt,
bei welcher Moritz Popper freigesprochcn, Frisch dagegen
in die Kosten vcrnrtheilt wurde. Der Gerichtshof stützte
sich namentlich auf eine Zuschrift des Oberrabbinatcs
in Prag, welche das Lesen prosauer Schriften im Tempel,
noch dazu in der Art, lvie der Kläger Frisch cs gethan,
als unstatthaft und ärgeruißcrregcnd hin stellt, und
wurde in den Urtheilsgründen betont, daß das Vc-
nehmen ein anstandverlctzendcö und deshalb Popper zn
der Zurechtweisung berechtigt war. Es ist wahrhaft
zn beklagen, daß solche Vorkommnisse möglich sind,
den jüdischen Namen in den Augen Andersgläubiger
hcrabznwnrdigeu. Wohl giebt eS gewiß wenige unter
unseren Glaubensgenossen, die so frivol sind und die
Heiligkeit des Gotieshanscs und des Jom Kippur zu
profaniren. Aber cS schmerzt auch der Ansnahmcsall.
Rußland.
E: Kiew, Januar. Die Ausweisungen von hier
mehren sich in furchtbarem Maße. Es wird versichert.
daß an 15 000 Juden dem Schicksal der Ausweisung
verfallen sein sollen.
Hl Kiew. Die Jagden auf die ohne besondere
Erlaubniß hier seßhaften Inden nehmen hier ihren
regelmäßigen Fortgang. In den ersten Tagen dcS
Januar sind etwa 330 aufgegrisfen worden.
~ Wiborg (Finnland). Auf Ansuchen mehrcr
israelitischer Kanflentc hat die Stadtbchörde ihnen ge-
stattet, von: 1/13. Januar ab offene Kaufladen zu
halten, was ihnen bis jetzt nicht gestattet war. Auf
Betreiben der christlichen Kauf cute annullirte der Senat'
aber diese Erlaubniß und cS bleibt dein: Alten.
* AnS Westrnßland laufen die traurigsten Be-
richte über die ökonomische Lage unserer Glaubens-
genossen ein. Handel und Wandel liegen ganz dar-
nieder. So wird z. B. ans Bialystok, einer sehr,
gcwerbreichcn Stadt iin.Gouvernement Grodno, in
welcher eine große Anzahl von Fabriken, namentlich
von Juden mit jüdischen Arbeitern betrieben, sich be-
finden, daß die starke jüdische Arbcitcrbevölkernng fast
am Hungertuche nagt. Die Leute werden zur Vcr-
zweislnng getrieben. Sollte in der, That solchen Zn-
ständen gegenüber einer Praxis das Wort geredet
werden können, welche Arbeit und Nahrung suchende
Auswanderer wieder in dieses trostlose Elend znrücktrcibt'??
? Kritisch. Allen ausländischen Inden, welche
sich im hiesigen Gonverncmentsbezirke anfhalten, ohne
eine ganz spezielle Erlaubniß dafür anfwcisen zu können,
wird der Befehl zngchcn, unverzüglich abznrciscn.
Holland.
- 0 - Amsterdam, im Januar. Den Bericht
über den Stand der hiesigen israelitischen Gemeinde
im Rechnungsjahre 1884/85 entnehmen wir, daß die
Einnahmen und Ausgaben balancirten mit ff. 242500
(-}- gegen das Vorjahr st. 66000). Unter den Ein-
nahmen befinden sich 11 . A. Mi et he der Sitzplätze in
den diversen Synagogen st. 10000 (4 ־ fl. 100, Er-
trag der Fleijchhallen fl. 50800 ( r st. 800), Ertrag
für Hochzeiten fl. 6500 (— sl. 1300), Erlös der
Mitzwotl^ fl. 2500 (— fl. 100), Gemeindesteuer
fl. 64600 (— ff. 1500). Unter den Ausgaben
fignrircn Gehalt der Beamten sl. 43,600 Reparatur
der Gebäude fl. 2-1800 (-s- fl. 9800) Snbsidien für
Religionsunterricht fl. 30050 (4- 2550). Es wurden
in diesem Jahre 306 (447 ־ ) Trauungen und 2 (42 ־ ),
Ehescheidungen vorgenommcn und fanden 964 (+ 15)
Beerdigungen statt. Obenerwähnte Ausgabe für
Neligionsnuterricht vcrtheilt sich a. Beitrag für die
Bürger- und Mittelschulen sl.4450 ׳ , b. Armenschule
1 fl. 16500, c. Beitrag zur Klein Kindcr-Bewahr-An-