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III Trisik Gouvernement Kowno). Am 3. Scp-
tembcr ist der hiesige Ort ein Raub der Flammen
geworden, fast zweihundert jüdische Familien sind
obdachlos geworden.
~ Podselwr (bet Wilkomir, Gouvernement
Kowno). Eine furchtbare Fenersbrnnst brach hier am
3l. August aus und verzehrte etwa 180 Wohnhäuser.
Der Ort ist znnt großen Thcil von Juden bewohnt.
Der Nothstand ist herzzerreißend.
Rumänien.
.2. Platra. Bon dem Präfekten ist kürzlich eine
Verfügung an alle Landgemeinden des Distrikts erlassen
worden, durch welche die OrLSbehörden angewiesen sind,
unverzüglich alle ,Fremden", d. h. Juden, welche trotz
früherer Ordre noch nicht ausgetricben sind, unverzüglich
zu e^mittircn. Demzufolge haben die Gemeinden, welche
gegen die eine oder andere jüdische Familie bislang
Schonung geübt haben, nunmehr rücksichtslos die noch
vereinzelten jüdischen Familien verjagt.
Italien.
*Rom, 1 1 . September. In der deutschen und
österreichischen antisemitischen Presse wurde kürzlich die
kühne Behauptung kolporlirt. der Papst gehe mit der
Absicht um, der ״antisemitischen Bewegung" in einer
besonderen Encyclica fördernd näher zu treten. Unter
Anderem fand sich diese Hnndstagsftiege in einem bc-
rüchtigtcu Berliner Lokalblatte. Wie nun der sicherlich
gut berichtete ״Osservatore Cattolieo" konstatirt, ist
im Vatikan von einer solchen abenteuerlichen Absicht
auch nicht das Mindeste bekannt. Der Papst habe
Besseres zu Ihn«, als sich in eine Streitfrage ein-
zumischcn, die die kirchtichcn Interessen in keiner Weise
berühre. Die Herren Judenfresser haben also wieder
einmal geflunkert. Der ״fromme Wunsch", im Papst
einen Alliirten für ihre schändlichen Projekte zu finden,
war augenscheinlich bei dieser Drohnote der Vater des
Gedankens. (Jüd. Pr.)
M a r o k k 0.
* Im vorigen Winter wurden in Bene-Hassan
zwei Israeliten ans Sale, NamcnS Jakob Newah und
Isaak den Isla nmgebracht. Ihre Leichen wurden von
Glaubensgenossen anfgefnndcn. Neuerdings wurden
Mcssod Lewy und sein Diener Joseph Alknabi, die
Sale am 26. Nissan (20. April) verlassen, um sich
nach dem Innern dcö Landes yi begeben, umgebracht;
ihr Geführte Joseph Lcvy ans Kasablanka konnte sich
retten, doch nicht ohne sehr ernste Verwundungen.
Diese'Mordthatcn blieben ungestraft und crmnthigen
folglich die Araber, die Inden noch ferner zu miß-
handeln und umzubrmgm. Sobald in gewissen Re-
givnen ein jüdischer Gläubiger von einem Araber die
Zahlung seiner Schuld verlangt, antwortet ihm jener
alsbald: ״Qnittire mir meine Schuld, oder du hast
das Schicksal dleses oder jenes Gemordeten zu ge-
wärtigcn!" (Allianz. Bericht.)
Aufruf.
! ב״ה בין המצרים ישוגגו פדות ורוהח
K 0 w!4 , 0 ן . Mcnachcm ״ Aw 5647.
Entsetzliche Unglückssülle haben im Lause dieses
Sommers Rußland heimgesucht. Ungeheure Feuers-
brünste, welche in solchem Umfange und in solcher
Häufigkeit unerhört sind, reihen sich an einander.
Die Hand GottcS hat uns schwer getroffen; das
Unglück nimmt zu; Gott erbarme sich unser!
Kaum ist die schreckliche Fenersbrnnst in der altem
Stadt Kidall, die zum größten Theil mit aller Habe
ein Naub der Flammen geworden, zu unserer Kunde
gelaugt, noch ist man mit der Samnituug von Spenden
zur Linderung des Elends der von diescnt Unglück
schwer Gctrofseucu beschäftigt, so ereilt uns die Nach-
richt, daß auch ein großer Theil der Stadt Scharcdnik
mit ihren Gotteshäusern nicdergcbrannt ist.
Wir haben uns noch nicht zu fassen vermocht ob
des Entsetzens, so trifft eine neue Schreckensbotschaft
ein.- Tie Stadt Zeikischak ist gänzlich durch Feuer
zerstört. Alle Habe, alles Gut, Synagoge und Lehr-
Häuser sind hier vernichtet, — nichts ist übrig ge-
blieben. Nur zwei Häuser stehen noch. Die gesammte
Stadtbcoölkcrnng lagert auf dem freien Felde unb er-
maugelt jeglichen Schirms und Schutzes gegen Regen und
Sturm. Und während das Mitleid geschäftig ist, diesen
Unglücklichen die nothwcndigsten Mitte! zur Fristung
des Lebens zuzuführen, so dringt der Nothschrci aus
der großen Stadt Schwcnzian tu uns Diese Stadt
ist ebenfalls total den Flammen zmn Opfer gefallen
mit jeglichem Gute, mit Synagogen und Schulen!
Aber auch hiermit ist das Furchtbare nicht er-
schöpft. — Eine Menge anderer Feuersbrünste und cnt-
setzlicher Unglücksfälle suchen uns heim, — das Herz
dcö Menschen ist zu schwach, um die Größe dcS Elen-
des und der Noth zu erfassen.
Das köstlichste Erbe, mit welchem Gott unfern
Stamm begnadigt hat, ist das warme Mitgefühl