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entgegen. (Wir führten bereits eiu Beispiel an, .daß man sie hin und
wieder ganz und gar aus einer Stadt wieder zu vertreiben wünscht.)
Eines her Zöllner Blätter ( ״ Oesterr. Volksfr." Nr. 87) hat vor Kur-
zern in einem polemischen.Artikel die Theorie ausgestellt, daß diejenigen
österreichischen Kronländer, ״ in welchen es seither gar keine akatholischen
Genossenschaften gab", das Recht haben, ״ sich die Participation der
Akatholischen an ihrem beimathlichm Boden zu verbitten."
— 4. Mai. Hiesige Blätter hatten aus Saaz die Nachricht ge-
bracht, daß der dortige Bürgermeister ein Edier erlassen habe: ״ Alle
in Saaz domicilirenden Juden haben binnen 14 ־ Tagen die Stadt zn
verlassen." Dasselbe lautet: ״ Herrn ***! Auf Grund der Stadt Saaz
von Weiland Sr. Maj. Ferdinand I.. ertheilten und in Rechtskraft be-
stehenden Privilegiums, durch welches den fremder Obrigkeit unterstehen-
den Juden der Aufenthalt in der Stadt nicht gestattet ist, wird ihnen
hiermit der Auftrag ertheilt, die Stadt Saaz binnen 14 Tagen bei Ver--
rneidung gesetzlicher Zwangsmaßregeln unter gleichzeitiger Erhebung Ihres
Hieramts erliegenden Heimathscheines zu verlassen. Bürgermeisteramt Saaz,
am 24. April 1857. Schönfeld." — Ein Auftrag des Bezirksam-
tes zu Saaz hat bereits die bürgermeisterliche Weisung bis zur bochorti-
gen Entscheidung in der Privilegiumssache aufgeschoben.
Hannover, 15. Mai. Das ״ Journ. de Liege" enthält einen ge-
harnischten Artikel gegen die beabsichtigte Ausschließung der Juden ans
den Freimaurerlogen in Hannover. Auch der Groß-Orient zu Belgien
will eine energische Protestation gegen diese Ausschließung veröffentlichen.
Leipzig, 23. Mai. Unsere israelitische Gemeinde wird seit
einigen Tagen von einem lebhaften Streit erregt, der in ihrem Schooße
sich entspannen. Es handelt sich nämlich darum, ob Dr. Jellinek, der
bisherige Prediger dieser Gemeinde, welcher vor einiger Zeit einen Ruf
nach Wien angenommen hatte, jetzt aber ihn ablehnen will, sein bishen-
ges Amt, wie es sein ausgesprochener Wunsch sei, behalten könne. Es
stehen sich bei dieser Frage zwei Parteien schroff entgegen, die jede für
sich im Recht zu sein behauptet. ־ (£). A. Z.)
L ondo n. Parlamentsverhandlungen vom 15. Mai.
Unterhaus-Sitzung. Nachdem sich die Versammlung als Gönnte
constituirt hat, bittet Lord Palmerston um Erlaubniß zur Einbringung
einer Bill, welche an Stelle der gegenwärtig von den Parlamentsmit-
gliedern zu leistenden drei Eide, des. Unterthanen-, Supremats- und W-
fchwörungseides eine einzige Eidesformel gesetzt wissen will. Er entschul-
digt sich zuvörderst, daß er einen Gegenstand aus den Händen Lord I.
Russell's nehme, welchem dieser edle Lord so große Aufmerksamkeit zugc-
wandt habe. Doch bemerkt er zu seiner Rechtfertigung, er habe Grund
zu der Annahme, daß die Bill, wenn sie zu einer Regierungsvorlage gc-
macht werde, größere Aussicht auf Erfolg habe, als sonst der Fall sein
würde. Er hebt sodann die Heiligkeit der durch eine Eidesleistung ein-
gegangenen Verpflichtung, sowie die Frivolität hervor, welche in einer