geschehen ist — indeß nach betitelten Bulletins haben die unverwüstlichen Schurken
sich längst erholt und lachen mich aus und sich ins Fäustchen — so hält' ich ihn
besucht. Einer meiner Philister hat gesagt: Liszt spielt nicht zum Herzen! Dem
Hab' ich mit der Bemerkung gebient: baß hier die Leute mir wie jener Bauer Vor¬
kommen, der durch die Brille lesen lernen wollte. Für ihre 2 fl. soll ihnen der
Künstler ein Herz in den Leib hineinspielen! Das Wort ist, wie ich höre, herum-
gewandert und hat in den vornehmen Zirkeln unter den Bewunderern Liszts Bei¬
fall und Zustimmung gefunden. Sed de hoc hactenus. — In Serlin starb am
21. Oktober der Bankier Herr Paul Kuczynski. Innige Freundschaft verband ihn
schon in jungen Jahren mit Schriftstellern, mit Künstlern, die später zu Namen und
Ansehen gelangten. In jenen Tagen, da erst eine sehr kleine Gemeinde von Kunst¬
freunden treu zu Richard Wagner stand, da trat Kuczynski eifrig für die neue
Richtung in der Musik ein. Auf dem Gebiete der Musik war Kuczinski mit gro¬
ßem Erfolge schöpferisch thätig. Bon Hans Bülow zunächst ausgebildet, der mit
lebhafter Sympathie an seinem Schüler hing, von Friedrich Kiel in die Kompositions¬
lehre eingefürt, hat er eine Reihe von Tondichtungen geschaffen, die in den vor¬
nehmsten Konzertsälen sich lebhaften Beifall errangen. In der Singakademie hat
seine „Ariadne", seine „Bergpredigt" das Interesse gefesselt. Bor einem Jahre noch
als er selbst bereits schwer leidend aus der persönlichen Teilnahme am Geschäfts¬
leben sich zurückgezogen hatte, ließ er in der Philharmonie eine ernste Tondichtung
großen Stils: „Die Fahrt zum Lichte" aufführen, die ihm lebhaften Erfolg brachte.
Künstlern, den jungen Musikern besonders, ist Kuczynski stets ein feinfühliger
Förderer gewesen. Sein Haus war ein Tempel, dem Kultus der Tonkunst geweiht.
In der Vollreife der Jahre ist Kuczynski abberufen worden; er war erst zweiund¬
fünfzig Jahre alt. — Herrn Intendant Glaar in Frankfurt a. W. wurde der
österreichisch-kaiserliche Orden der eisernen Krone dritter Klasse verliehen —
Zurück zur Bühne geht der erste Kantor der Reuen Synagoge in Hreslau
Herr S. Eerini-Steifmann. — Der seit einiger Zeit in Main; ansässige
Maler-Radirer Gregor Schweitzer, ein junger aufstrebender Künstler, hat den alten
baumbeschatteten israelitischen Friedhof in einer Radirung wiedergegeben. —
Inhalt: Der Talmud und seine Verdammung. — Israels Zuversicht. Rede, gehalten von
Rabbiner Dr. M. Grunwald in Hamburg. — Ein Brief des Paters Hyacinthe Loyson
an den Großrabbiner von Rom. — Pfarrer und Rabbiner. — Monatsschau.
— Referate und Mitteilungen. — Theater, Musik und bildende Kunst.
Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den
Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's
Druckerei (F. W. Breidensteiu), sämtlich in Frankfurt am Main.