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pest hat, der Wahrung der Budapester Interessen sehr
geneigt ist. Di« nächste internationale Donankonferenz
renz wird unter dem Vorsitz eines ungarischen Dele¬
gierten stattiinden und es scheint, daß die Wünsche der
österreichischen Regierung bisher ganz unbeachtet ge,
blieben sind, was für Wien von schwerwiegender Be¬
deutung ist. Deshalb ist es dringend notwendig, daß
die Anfrage des Bürgermeisters an daS Staatsamt
für Aeußeres die weitestgehend« 'Aufklärung erfährt.
Novellierung dev Bauordnung für Wien. '
In der gestrigen Geschäftssitzung des ni?deröster-
^eichischcn Landtages stellten die Abgeordneten Emmer¬
ling und Genossen einen Dringlichkeitsantrag, die
Novellierung der Bauordnung für Wien betreffend,
worin darauf hingewieen wird, daß sich die No.wenMg'eit
ergebe, die Bestimmungen der Bauordnung der Stadt
Wien mit den Verfassungsgesetzen in Urbereinstimmung
zu bringen. Demzufolge werde zunächst die Bestimmung
des § 106 der Bauordnung, hinsichtlich der Festsetzung
der Kompetenz und des Verfahrens. bei den Bauten,
die der Staat oder ein unter der Verwaltung des Staates
ober des Landes stehender öffentlicher Fonds führt,
zu regeln sein.
Weiter sei erforderlich, die Zuständigkeit im Rekurs-
verfahren mit dem erwähnten Gesetz in Einklang zu
bringen. Der § 110 der jetzigen Bauordnung sei über¬
flüssig. Demgemäß überreicht Antragsteller eine Reih«
von neuen Bestimmungen der Bauordnung zur Genehmi¬
gung.
Der Antrag wurde zum Beschluß erhoben.
EinDolksbegehr für de« Anschluß an Deutsch¬
land.
Wie eine Korrespondenz meldet, wird der ehe.
wattge De.li.'.er Ge,a:dte P o'essor Dr. Ludo Hart,
mann dem heute beginnenden sozialdemokratischen
Parteitag einen Antrag vorlegen, ein Volksbegehr für
den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu ver¬
langen. : _ .
Telegramme.
Dev englische BergarLeitevstvelk.
Leudon, 3. November. (Reuter.) Die Abstimmung
der Bergarbeiter hat ein? Mehrheit von 8459 Stimmen
gegen die Annahme hes getroffenen lleberein*
kommens « geben. Die Bestimmungen des Bcrgarbeiter-
verbandes schreiben vor, daß eine Zweidrittelmehrheit
vorhanden sein müsse, wenn während eines Streiks
dessen Fortsetzung durch ein« neue Abstimmung be-
schlossen werden soll. Infolge der Anwendung dieses
Reglements hat also die Konserenz der Bergarbeiter
den Streik für beendet erklärt und den Berg-
arbei.ern geraden, di« Arbeit unverzüglich.-wieder auf-
zunehmen.
London, 4. November. (Reuter.) Der durch den
Ausstand der Bergleute verursachte Ausfall in der
Kohlen örderung wird auf 14 Mi llio ne n To n nen
geschätzt. Die den Ausständigen vom Bergarbeiter¬
verband ausbezahlteu Beträge erreichen die Höhe von
zwei Mil.ioiwn Pfund S.e.l.ng.
Polen läßt die russischen Weißgardisten fallen.
Warschau, 4. November, (Funkspruch.) Die polnische
Negierung erklärt a m t l i ch, daß die polnische Heeres,
leitung seit.Abschluß des Waffenstillstandes in keiner
Verbindung mit den noch gegen Sowjetrußland
kämpfendenGegenrepolutlynären siehe. (Hat demnach
die polnische Negierung auch die Beziehungen zn
Petljura, der von per Sowjetukroine als Gegen»
revolutionär bezeichnet wird, aufgegeben?)
Friede zwischen Polen und Rußland.
Moskau, 4. November. (Funkspruch.) Der Aus¬
tausch der Naiisikatlonsurkunden des polnisch-russischnr
Präliminarfriedens hat in Riga am 2. November.um
5 Uht nachmittags sta.tgefunden.
BefreiungsämtlichervolnischenZwrlgefangenen
in Rußland,
Marschau, 4. November, („Poln. Stimmen".) Die
Sowietregierung hat in einer Verordnung die Frei¬
lassung ttlrr polnisch?« Zivilge'angenen aus den russi¬
schen Konzentratiouslazern prrfügt.
Wrangel geschlagen.
Moskau, 4. November. (Funkspruch.) FrontVericht
vom 3. November: An der ganzen Südfrontdrängen
wir den Feind in hartnäckigen Kümpfen gegen Süden.
Der Fe'.nd zieht sich fluchtartig auf die Krim¬
halbinsel zurück.
Die Kümpfe um Wilna.
Kolons, 4. November. (Litauische Tsi.-Agent.) Im
litauischen Generalstabsbcricht vom 3. d. M. heißt
es: Nach der Besetzung von Giedraicze durch di«
Litauer stellte sich heraus, daß am 31. Oktober und
1 November 500 verwundene Soldaten und mehrere
gefallene Offiziere, darunter «in polnischer Generäl,
durch die S'adt besördert worden sind. In der Rich¬
tung No'.ro Alexard.owik wurden die Polen aus Tur-
mon. ve tr e en.Ti B«»r1 te e Ziel! ow li ch n Stabes
Wer. eine Boteitiauna. sisiwisiMr Deuttchec uud Bol-
Wien er Morgenzeitung
Die Debatte über die Negierungs¬
erklärung im Prager Parlament.
Prag, 4. November. (Tschecho-flow. Preßbur.) In
der Debatte über die Regierungserklärung führte Finanz-'
minister Dr. Englisch aus, es fei vielleicht mit
Recht bemängelt worden, daß für soziale Ausgaben zu
Wenig, siir militäpifche aber zuviel veran-
fch l a g t wor d en s ei. Demgegenüber bleibe zu er¬
wägen, daß die TGecho-Slowakei von Völkern umgeben
sei, die den heutigen Zustand nicht anerkannt haben. ES
bleibe daher nichts übrig, als daß sich die Republik für
jede Möglichkeit vorbereite. Die Regierung werde außer
einer Erbschafts- und Wasserkraftsteuer vor allem Gesetz¬
entwürfe einbringm, die die Vereinheitlichung der bis¬
herigen Steuern bezwecken. Die Regierung, beabsichtige
ferner eipe Herabsetzung der Kohlensteuer
und wolle so viel als möglich aus den Exportgewinnen
erfassen. Auch die autonomen Steuern sollen reformiert
werden. Durch die Errichtung der Gaue werde eine
neue finanzielle Einteilung erforderlich sein.
Zur Währungsfrage erklärte der Minister,
es müsse eine große Reserve von ungefähr einer Milliarde
Kronen in fremden Valuten angelegt werden, die sodann,
dem Bankamte zwecks Befestigung der tschechoslowakischen
Krone im Ausland übergeben werden soll.
Abgeordneter Krepek (deutscher Agrarier) gibt
namens des Deutschen parlamentarischen VerbandeS eine
Erklärung ab, worin ausgeführt wird, der Deutsche
parlamentarische Verband erblicke in der Ernennung
eines Beamtenministeiums das klägliche Ende jener
Scheindemokratie, die am 23. Oktober 1918 zur Grund¬
lage dieses Gewaltstaates gemacht wurde. Er .lebne
grunsätzlich das durchaus undemokratische und unkonsti¬
tutionelle System einer Veamtenregierung ab, die sich
über die bestehenden Parteiverhältnisse, ja sogar über
parlamentarische Abstimmungen hinwegsetze.
Die Regierung habe nur den einen Weg, die von
tschechischer Seite, insbesondere vom Präsidenten der
Republik, so oft geforderte aktive Mitarbeit der Deut¬
schen, zu ermöglichen, indem sie offen und klar ihre Be-
reitwilligkeit ausdrücke und bestätigt, innerhalb des
Staates dem deutschen Volke dasjenige zu geben, wa?
es nicht entbehren könne, ohne den Charakter einer voll¬
berechtigten Nation zu verlieren. Die Durchführung der
im Memoire 3 niedergelegten Grundsätze habe dieser
Staat bisher unterlassen. Die tschecho-siowakische Re¬
gierung und das tschecho-siowakische Volk haben eS in
per Hand, die wertvollsten Kräfte dieses Staates zur
Mitarbeit zu gewinnen oder zur Notwehr gegen den
Staat zu treiben. (Beifall auf den deutschen Bänken.)
Sodann führte Abgeordneter Dx. Kramarsch ans.
es sei notwendig, die auswärtige Politik der Tschecho-
Slowakei so einzurichten, daß die Tschechen sich nicht
fürchten müsien, daß die Deutschen sie nicht lieben.
Deutsche Beschwerden bezüglich des Schulwesens erklärte
er für unbegründet. Das unglückliche Parteiwelen
hindere die Tschechen daran, ihre Verhältnisse zu den
Deutschen zu regeln.
n»! > ui i w
tchxwi^n an den Kämpfen des litauischen Heeres .sind
vollkommen erfunden. Die litauische Regierung hat
die Deutschen, die hie vstpreußisch-litauische Grenze
überschritten, sofort zurückgesandt.
Antijapanische Maßnahmen in Amerika.
Pa iS, 4. November. Wie aus San Franziska ge¬
meldet wird, ha"'« sich Ka'i ornien gestern mit großer
Mehrheit für Maßnahmen ausgesprochen, die die Er¬
werbung von Grundbesitz in den Pe.eimgten Staaten
durch Ja aner verhiude.m sollen. „Mw Pork" drückt
die Ansicht aus, daß diese Haltung zweifellos eine
Spannung in den Begehungen zwischen Washington
und Tokio herbeisühren werde.
Die Verhandlungen über die ägyptische' Ver¬
fassung.
London, 4, November. (Funkspruch.) Der Staats¬
sekretär für Kolonien wird in London mit ägyptischen
Vertretern die Verhandlungen über die ägyptische Ver¬
fassung wieder ansnehmen. Mohammed Mahmud-
Pascha. der die englischen Vorschläge den nationalisti-
fchen Führern vorgelegt hatte, kehrt nach London zurück.
Diese Vorschläge wurden bis auf kleine Aenderullgen
gutgebeißen. Falls die Regierung mit diesen Abänderun¬
gen einverstanden ist, werden ägyptische Bevollmächtigte
zur endgültigen Unterzeichnung der Verfassung nach.
London kommen.
Eine Palästina-Kolonie der deßarabischen
Juden.
Kischinew, 1. November. (Jewish Corr. Bur.) Hier
wurde eine Gesellschaft gegründet, die sich die Schaffung
einer großen Kolonie in Palästina zum Ziel-setzte. Die
Mitglieder dieser Gesellschaft sollen innerhalb
fünf Jahren nach, Palästina übersiedeln.
Kein Ersenbrhnerstre!? Ln der Tschecho-
Slowakei.
Prag, -*4. Ncpember. (Preß-Zentrale.) Me wir
erfahren, kommt es zu keinem Cisenbahnerstreik in
der tschecho slowakischen Republik. Die Regierung ge¬
währte den , Eisen badnorn eine Aushilfe in der Höhe
von 1000 K onen. außerdem ein"n Beitrag von 300
Kronen für Verheiratete und 300 Kronen für jedes
Kind. Die O ga ia i- nsn der Eisenbahner haben diesen
.Antrag der Steigerung ftiificiwinme».
§. November 1920 Geste 5~
Die Bodenreform in Ungarn. a
Budapest, 4. November. (Ung. Tel.-Korr.-VurI
Die Nationalversammlung zog in der heutigen Sitzung
die Bodenreformvorlage in Verhandlung. Der Bericht
erstatter Abgeordneter K e n e z bezeichnet« als ihreg
Grundgedanken die ^Vermehrung des K l e i n h e s ich e \
Dies fei in erster Reihe ein soziales Interesse. Durch s
teilweise Befriedigung des Vodenhungers und durch-
Ausgleichung der größten Gegensätze werde die Ord¬
nung der Wirtschaft gesichert. Durch den Entwurf soll
jeder Arbeiter in die Lage versetzt werden, einen Besitz'
von drei Joch zu erwerben. Die Zahl der besitzlose«
landwirtschaftlichen Arbeiter werde heute auf eine Mil¬
lion veranschlagt; diesen soll in erster Linie die Mö.g-
lichkeit des BodenerwerbeS geboten werden. j |,
Zur Beschaffung der nötigen Grundstücke wird daS.
Ablösungsrecht vorgeschlagen, jedoch mit gewisse«'
Beschränkungen. In erster Reihe kämen die während!
des Krieges erworbenen Grundstücke in Betracht. Zur
Entscheidung aller Streitfragen soll ein unabhängiges
Forum, der „Landesbesitzrat-, gebildet werden. Der Ent¬
wurf ermöglicht auch die Bildung von Heimstätten, der'
sogenannten Familienguter. Diese Familiengüter
dürfen ohne Erlaubnis des Landbesitzrates nicht ver¬
äußert, belastet, vergrößert oder verkleinert werden und'
sind von der Exekution ausgenommen. Die Vorlage
will auch die Frage des Agrarkredites regeln.
Um der Zerstückelung deS Besitzes durch Erbrecht vor¬
zubeugen. wird die Einführung des Stamm erb-'
rechtes vorgeschlagen. !
Ackerbanminister Stephan Szabo-Nagyatad
erklärt, falls zur Erreichung «dieses Zweckes Ent¬
eignungen notwendig würden, so würde dieses
Zwangsmittel nur gegen volle Entschädigung
angewandt werden. •--)
Die Erwachenden Angarn protestieren.
Budapest, 4. November. (Ung. Tel.-Korr.-Bür.^
Heute nachmittags sammelte sich vor dem Haupttortz
des Parlaments eine riesige' Menfchranmenge an, diai -
geren dis Ra'isizierung des Friedensvertrages pwt«2 .
stierte. Der Vizepräsident des Vereins der (Stuj ,
wachenden Ungarn Lukalzovits und Ludwig,
Ka'.ona hielten Ansprachen an die Demonstranten^ L
wo. in sie gegen die Verhandlung des Friedensvertragesj
protestieren und mit heftigen Worten die Haltung de«
Reg'erung in der Frage her Ratifizierung kritis ortend
Während her Reden kgm es zu lebhaften Ausbrsichenj
des Unwillens der Menge gegen die Regierung un$
die Nasiynalversamiwlung. Die starken Polizei- und' .
Mililärbereitschaf!en vor dem Parlament hatten jedoch
keinen Anlaß zum Eingreifen, da sich die Menge bald',
wie-er üuflöste.
Die Budapester Henker-
Budapest, 4. November. (Tel.-Komp.) Nach acht¬
tägiger Verhandlungsdauer in dem Prozeß gegen die
Richter des Revolutionstribunals wurde das Urteil
verkündet. Drei von den Angeklagten, und zwar Josef
Potgondy,Josef P o ksy und Julius Schön,wurde«
wegen Mordes zum Tode durch den Strang ver-l
urteilt. Die Verurteilten haben an den Reichsverweser«
ein Gnadengesuch gerichtet.
Ein antisemitischer Beschluß des Züricher!
großen Stadtrates. j
Zürich, 4, November. (Tel.-Komp.) Der Züricher«
große Stadtrat hat gegen die Stimmen der Sozial¬
demokraten beschlossen, für die Aufnahme der O ft*'
juden in das Staatsbürgerrecht eine Karenzzeit
von lö Jahren einzuführen. Dieses Gesetz wurde
von den Sozialdemokraten, die darin einen anti-/;
semitischen Vorgang sahen scharf bekämpft. Für .
die Bewerber um dos Bürgerrecht durch andere Auslän¬
der wurde ein Aufenthalt von mindestens 10 Jahrs«,
vorgesehen. .?
Die Dedrohttnq der Juden in der '
Siidbukowina.
Das „Czernowitzer Morgenblatt" befaßt' sich' iw
der letzten Zeit eingehend mit verschiedenen Vorfälle«
in D o r n a K a n d r e n i (Subbukowina)^ In ßiesetch'
Ort« 'waren seit jel-ex die Sicherheitszustände, insü«- ^
sondern soweit sie für Me Juden in Betracht kamen, -
keine guten. Äls dir rumänischen Truppen die Buk»-':
wina besetzten, wurde die Ruhe in deo Gegend von
Dorna Kandrcni he "gestellt. Seither haben sich wieder,
verfch'edene Vorfälle ereignet, welche die jüdische 'Be¬
völkerung der dortigen G"gmd bed"ohen. Im Sommer '
1919 wurde di« jüdisch« Familie Redlich durch ein«,
in ihr Haus geworfene Handgranate getütet. Am >
25. Dezember 1920, wurde das Anwesen des Jude«'
Klin ghoferin Dorna Kandreni an allen vier Ende«
an gezündet. A^anyme Drohbr'ese wurden seither d«s>
öfteren an Juden gesendet und die jüdische Bevölke«,
rung der Gegend lebt in Furcht und Schrecken,
Sie hat eine Deputation zum Staatssekretär füy
Inneres entsendet, welcher Verstärkung der Gendarm
merie versprach. Di?se unterblieb jedoch und die Dro¬
hungen und Gewalttätigkeiten in dev Gegend hör««!
nicht auf; vor kurzem ist laut einem Telegramm der.
Kul^r... .elende in Dorna Watra an das Präsidium
dec Zionistischen Lan^e'orranisa'ion dir Wirtschaft de-
Iuden Schleier in Dorna Kandreni zur Nachtzeit in
Brand gesteckt und zur. &ön& ein Raub. der. Llamms«