-WZ
. , . ■: . /
flBZiinsansr L lluO
Wien: ?üntn Abholen in der
Expedition, Il.,Tabor8tr.l-3,
«der in einerVerttehleisstelle
(Trafik) menatl; K 30.000
Mit Postversand für Wien n.
Oesterr. raonatl. K 30.000
Ts ch e c h o-S 1 o wa k c i:
Mop. K20; Ungarn: Mon.
K 600. Jugoslawien: Mon.
Dinar 30. Po ienr Mon.
Mk. 2?Ö0. Deutschland:
Mop Mark 300. Frankr.,
stelgienr Monätl; Frcs. 8
QV* Naehtabluofeo 'MI
bei Preiserhöhungen , Vorbehalten
Nr. 1301 . Wie«, Mittwoch, 27; Srpteckder 1922
T schecho- Stewlkel
tschech. K 1.20
Italien; MonatL 10 Lire V
Rumänien, Bulgarien:
MonatL 60 Lei bezw. Lewa -
Schweiz und das übrige
Ausland monatlich Frcs. 3. ,
Redaktion u. Administration
Wien, II.,Taborstrassei—3
Telephone: 44-0-38,43-3-19,
ab o Uhr abends 16-301.
Tel.» Adr.:,Morgenzeitung“
Wien
Oesterreichisches Postspar¬
kassen-Konto Nr. 150.693
4. Jahrgang
Der Erbe der deutsche»
Erfüllungspolitik.
F. Wie n. 87. September.
. In Deutschland hat sich ein politisches. Ereignis
vollzogen, welches geeignet sein wird, die politische Ent¬
wicklung des Reiches in der nächsten Zukunft'fühlbar zu
Heinflussen. Nach langen Vorverhandlungen ist es zu
eMy völligen Zusammenschluß der rechten mit der un-
qhhKngigen Sozialdemokratie gekommen und die Ge-'
samtpartei; beginnt wieder zu bestehen. Der Riß der bei¬
den Gruppen, welcher bis zur heftigen Fehde geraten
war, geht schon auf die Zeit des Krieges zurück. Der
Großteil, der deutschen Sozialdemokraten hat während
des KriegeA jämmerlich versagt, er hat alle Programm-
Punkte von völkerverbindenden Einheit des Sozialis¬
mus entschlossen in der Tasche verschwinden lassen und
einen nationalistischen Annexiynismus anitgemacht, der
sich in nichts von seinem bürgerlichen Vetter unterschied.
t m Zeichen der Gewaltpolitik schloß sich Bürgertum und
ozralismus mr Einheitsfront zusammen, und Wilhelm
sowie seine Generalissimi konnten zufrieden sein: es gab
keine Parteien mehr, Liebknecht wanderte ins Gefängnis
und mit dem kleinen Häuflein Aufrechter konnte man
leicht fertig werden. Herr Scheidemann ist Nachher unter
die Memoirenschreiber gegangen, und aus seinen Er¬
innerungen spricht das gutbürgerliche Behagen, sich in
der Gunst der Großen gesonnt haben zu dürfen und auf.
deren roten Kanapees gesessen zu sein. Das schlimmste
Kapitel dieser Verfallseplsode einer Partei von so großen
Traditionen aber war- Noske, der sich als Ludendorff-
Kommis die Sporen verdiente und rastlos bemüht war,
den linken -Ultraradikalismus durch seine Gewaltpolitik
zu reHtftrtigew/Die schlappe Haltung der offiziell -ge-
..Wordenen Sozialdemokratie
-MMd^D^it^sK..ZaWalisiWL. die^' Unabhängigen/
welche tini Zeitlang ziemlich HM M MvskM ÄM
tiertcn, und die Lücke zwischen den Extremen' klaffte ball»
weit genug, daß sich als schmunzelnder Nutznießer die
Reaktion einschieben konnte. Der Kapp-Pütsch und die
ähnlichen Unternehmungen waren mit die .Folgen von -
Noskes Tätigkeit. Aber die immer kühneren'Attacken der
Reaktion waren es, welche den beiden gegnerischen
Gruppen die Augen öffneten. Die Mehrheitssozialisten
begannen sich allgemach auf ihren Sozialismus zu be¬
sinnen und erkcinnten, daß es ums Ganze gehe, und die
Unabhängigen wurden durch die Tatsache belehrt, daß
ein ungehemmter Radikalismus W ffser auf die Mühlen
der Reaktion fü. Der Mord an RatheNau und di^ Auf¬
deckung der über ganz Deuts hland verbreiteten Mörder¬
organisation hat ‘ s Werk der Einig': iq beschleunigt.
Die Sozialisten treten nunmehr als geschlossene Gruppe
ay| und die dadurch eintretende Kräfteverschiebung wird
das Hauptproblemder künftigen deutschen Politik bilden.
Noch ein aMrer Umstand mag es sein, der den
Zusammenschluß der beiden Gruppen-erleichtert hat:
das nationalistische Großunternehmertum hat in
Deutschland in letzter Zeit bedenklich Oberwasser be¬
kommen. Wie bereits gemeldet wurde, hat niemand an¬
derer als Herr Stinnes Mene gemacht, das Erbe Ra¬
thenaus anzutreten. Der Mann, auf dessen Diktat IV
ganze ihm hörige Rechtspresse gegen die „Iudenregie-
rnng" und 'deren ^Erfüllungspolitik wütend Sturm lief,
hat die Sache.selbst' in dft Hand genommen und macht
daraus eth gewaltiges Geschäft für seine Unternehmung
gen. Stinnes' weitverzweigte und wie die Zähne eines
kolossalen Räderwerks ineinandergreifende Riesen¬
betriebe erlangen durch das Abkommen mit den fran¬
zösischen Wiederaufbaugesellschaften ein jiber jeder Kon- /
kurvmz stehendes Wirtschaftsmonopol. Ein großer Teil
der deutschen Volkswirtschaft wird auf solche Weise Stin¬
nes tmtertan, und der Besitzer' der größten schwerindu¬
striellen Unternehmungen, von Gruben und Zechen,
einer.Reederei, deren Umfang bereits den Norddeutschen
Lloyd überflügelt,-und schließlich einer. Presse, die einem
weiten Kreis deutscher Bürger die Meinung ihres Herrn
einzutränken bemüht ist, streckt die Hand nach der Dik¬
tatur in Deutschland aus. Diese aber wird sich keines¬
wegs auf. das wirtschaftliche Gebiet -allein beschränken,
denn die von Stinnes geführte Schwerindustrie heißt ins
Politische übersetzt Deutsä)e Volkspartei, Deutschnatio¬
nale und sonst verwandte Gruppen; uttd sie fordert
innper deutlicher die Auslieferung der wichtigsten Mini¬
sterien^ in erster.Reihe, des Außenministeriums. Ist es
aber ernmaVso weit, so kann der Diktator, der über den
Ms der Regierung hinweg Verträge schließt und mit
den belgischen' Reparationsabgesändtvn jn camera cari-
Unterhandelt, auf dem Rücken-der ins '.vatwirt-
HWdbe' cvbaefchobenen ErfüllunMolitik -u. einer Voli-
*
ftental Pascha lehnt ad.
Paris, 26. September. (Wolff.) „Wstago Tribüne"
meldet ans Könstäntinopel, Dtustäfa Kemal Pascha habe
den Vorschlag. Thrazien biszur endgültigen Enffcheiöung
unter die . Verwaltung des Völkerbundes oder Frankvchchs
zu stellen/ abgelehnt. Er bestehe darauf, daß die Nationa¬
listen Thrazien srffort übcrnHmen.
Versuche z»r HerbeiführaUg eines
Waffenstillstaydes.;
Pakts, 26/ Septembicht'Mlff.)' Wie „N^v-Yotk
Herald" alts Konstantincpel, meldet, traten gestern nach¬
mittags die alliierten Oberkommissäre zwecks Herbeifüh¬
rung eines Mrfsenstillstandes zwischen der Türkei und' den
Griechen zu einer Konferenz zusammen, der-der amerika¬
nische Konteradmiral Brustol als Beobachter beiwohnte.
Matt glaubt, daß die Oberkormmsiave die sofortige Ein¬
stellung der Feindseligkeiten verlaschen weM-Die weiteren
Beratungen der £ bcrkmrmrissäre sollen in Marmara statt-
ffnden, wo auch Vertreter der Türken und Griechen zu Ge¬
hör' kommen würden. v . >
Rie A»usta«ti»opl«r Regirr»«z «ii
z«rSW»te«.
Londtzn,.26. SchwyMrEWasMutersche Bureau mel¬
det . aus Konstantinopel, es wch^e berichtet,- haß der. Groß-
-vezi-er der'keiinakfftifchen Regierung' rstrtgeteWhäbe, daß'die
!Äonstantinapler Regierung Wtzvsche, Mgorq -in
daher bereits seiest, HM Man Muht,
Mß Wstaf^WWWHM.Ä
gvNverneur nach KoiistanttstoP^l etttsen^n^Hechst * .
« aaaö» ' »»e s« »- .' j i wnr «i ^ i ia ai i ii ii [ia~ w ax t-- -g ii «wiwiwr Ma——
tkk der wirtschaftspolitischen Reaftion ausholen, tvelche
beim Versuch, sich die "gesamte deutsche Wirtschaft und;
Arbeit geffigig zu machen- die größten Widerstände und
Krisen aüslösen könnte Diese Hegemonie wird durch'die.
Gesamtsituation .Deutschlands gefördert, welche zu einer
Emanzipierung der Industrie vom Staat geführt hat,
die zu Mhen scheint und sich immer mächtiger ausdehnt,
während die Staatswirtschaft, verfällt, die Kredite findet, s
welche dem Staat versagt bleiben, und in Herrn Stinnes -
ihr ungekröntes Haupt gefunden hat.
Es ist fraglich, ob das Stinnes-Abkonunen die.
deutsche Wirtschaftssituätion verbessern wird. Vorläufig
weürn die PäPiermärk-Mi^-arden in SttNnes' Kassen
wandern, statt auf die Reparationen verwendet zu wer¬
den, damit allein ist aber noch ^keine Erleichterung für
Deutschland geschaffen. Sicher aber bleibt, daß Sttnnes
und seine Hintermänner die Hände nach der Macht in
Deutschland ausstrecken. Stinnes hat auf seine Weise
Frieden mit' Frankreich geschlossen. Die. deutschen Ar¬
beiter und .alle Friedensfteunde werden gut tun, auf.der
Hut zu sein. . ■ V' ,
Dom Zionismus In Amerika.
Der bekannte Führer der amerikanischen Zionisten, Abra¬
ham G o l d b e r g, weilte bekanntlich nach der Karlsbader
J.ahr-eskonferenz einige Zeit ''in Berlin. Die Resolution des
amerikanischen Kongresses (Lodge-Resolution) zugunsten ' der
jüdischen Heimstätte, die eine der größten politischen Erfolge
des Zionisistus überhaupt war, ist vor allem das Verdienst bet
gegenwärtigen zwei amerikanischen Führer Lipsky und Gold¬
berg. Der Berliner Korrespondent der I. P. Z. hat die Gelegen¬
heit benützt, Herrn Goldberg über die i n n e r e Entwicklung des
amerrkamschen Zionismus zu befragen. Aus der Darstellung
Goldbergs geben wir nachstehende Ausführungen wieder:'
,>Der Zionismus in Amerika hat schon eine lange Ge-.
schichte: Zionistische Gedankengänge sind'schon lange vor Hexzl
festzustellen,. bei den s e p h a r d i s ch e n I n den, die als - erste
nach Amerika gekommen sind. Ich erinnere nur an den merk¬
würdigen Plan Manuel Noachs, in NeW-Dvrk eine Art Juden-
staat zu grünM, der ein Äachtashl für die verfolgten Juden
bilden sollte, von wo sie den Auszug nach Erez Israel vollziehen
Könnten. Mehrere sephardische Familien, zum Beispiel Pereira
M ende s- sowie de Solo, waren schon vor Herzl zionistisch.
Das,, sephardische ^Judentum war niemals anational und .Hatto
stets Beziehurtben zu Erez Urael, aber . die wenigen Familien
sind' aümählich'-dyrb- stsstmiliert' worden. Nach den Sephärdim
kamew die' d e wt- s ch en' Juden, deren geistige Führer die. RK .
. sormraiböinev warvry Dock didies Reformjudentum war 'nickt'
Sowjetrutzland will ««terhaudeln.
London, 26. September. (Wolfs.) „Times" melde«
aus Konslantinöpel, daß die bolschewikische Regierung'dar¬
auf b-rstehr. aus der Kommenden Friedenskonferenz ver¬
treten zu sein. Die Kemalisten seien durch einen Vertrags
verpflichtet, dararrf zu beharren, und es bestehe Grund zur
Annahme, daß Moskau , fordern werde, daß die Sowjet-
ländvr Georgien, die Ukraine und Sowjettußland ver¬
treten seien. Der Berichterstatter fragt, wie die ftanzösische
Regierung einen solchen Vorschlag der Angora-Regierung
wohl aufnehmen würde. Dies sei ein schweres Problem
föwohl für die Alliierten als auch für die Kemalisten.
Panik in KsZrstantinopel.
Paris. 26. September (Wolfs.) Nach einer Meldung
des „Jntransigeant" aus Konstanttnopel ist-die Ruhe in der
türkischen Hauptstadt nur eine scheinibare. Die wMesterr
Gerüchte werden verbreitet. Die griechischen, armenischen
und englischen Familien haben aus Furcht vor einem An¬
griff der Kemalisten begonnen,-die Stadt zu'verlassen. Es
reiset: täglich ungefähr taufend Personen ab. Das Geschästs-
fteben stockt. Das britisch^-Hauptquartier hat erneu Erlaß
veröffentlicht, der die Bevölkerung ermahnt, ruhig ihrer
gewöhnlichen.Beschäftigung nachzugehen, .bis ein Beschluß
gefaßt sei. ;
, DeMelor redivivrrs.
• Paris, 26. Schtember. (Havas.) „Chicago Tribüne"
. nwldet aus Achen: Die griechische Regierung hat beschloffen,
B e n i s e l o s' zu apelliereu und ihn
^M^VerfügMtg zu'"
stellen Der flüH^Mnister'Hrlaos wurde beauftragt, mit
Venffelos, M-M geMM^ig in Frankreich befindet, zu
unterhaMln.
etwa- so extrem - assimilatorisch wie das Reformjudentum in
' Deutschland, vielmehr- sind, gerade die ersten zionistischen Ver¬
eine in Amerika von- Reformrabbinern gegründet worden. Erst
im Verlauf der weiteren Entwicklung ist das Reformjudentum ,
antinational geworden. Me entscheidende Veränderung im
amerikanischen Judentum vollzog sich durch die dritte jüdische
Emtyanderungswelle, die.das russische Judentum ins Land
brächte. Die russischen Inden haben chre zionistische Gesinnung
aus ihrer früheren Heimat mitgebraM aber diese bestanden
meist aus kleinen Leuten ohne Intelligenz nnd ohne Fühvrtng.
Daher haben sie sich der Führung der deutschen Juden anver-
traut, was als ganz normak empfunden .wurde, schm weil die
deutschen Inden die Gründer der ersten Vereine waren. Zu Be¬
grün des Krieges hatten sich die deutschen-Inden zurückgezogen
nnd die Leitung.in der-Hand der Dstjuden gelassen. Damals be¬
gann sich eine neue Entwicklung anznbahnen, aber gleich mit
dem Auftreten von Br and eis kam der Strom der assimilier¬
ten Inden/wieder in die'Bewegung. Mit dem Ausscheiden von
Brandeis gelangte die Führung in die Hand der russischen Inden
selbst. Aus dieser menen Situation ergeben sich auch neue Per¬
spektiven für die Bertiestmg der zionistischen Ideologie. .Es ist
unverkennbar, daß eine Vertiefung des Zionismus heute in
^Amerika unterwegs ist. - Die sehr mächtige Studenten-
bewegung, die zwar offiziell, nicht ziomsttsch ist, ist in ihrer
Ideologie nationaler als der offizielle Zionismus. Sie ist ge¬
tragen . von der Ueberzeugtmg der Notwendigkeit einer eigenen
nationalen jüdischen Kultur ohne Rücksicht auf die Befürchtung,
daß dadurch ihr Amerikanertum gefährdet werdet: könnte. Ms
ein, besonders begrüßenswertes Symptom betrachte ich das
Wiedererwachen 'des r e-.l i g i ö s e n Gefühls. Bis vor kurzem
war es in Amerika Mode, die Religion nicht nur abzulehnen,
sondern sogar zu verspotten. Hierin scheint jetzt ein Umschwung
sich vollzogen zu habem Die Kinder jener Generation sind oft
. sehr religiös. Zweifellos ist das auch dem Einfluß Amerikas zu-
züschreibeit, wo jetzt eine starke religiöse Bewegung immer mehr
.hervortritt." ,
; Heber die Zukunft äußerte Goldberg unter anderm: „Eine
Asiimilation in dem Sinne, wie die-sephardische Assimilation
. war, .ist honte in Amerika , unmöglich. Dazu ist heute schon der
Astissemitismus .zu stark und die Juden.kommen immer mehr
zu nationalem 'Bewußtsein. Das deutsche Judentum verschmilzt
allmählich, mit dem russischen. Die Hauptfrage ist die Er¬
ziehung des herartwachsendett Geschlechtes und hierin müssen
wir ldider heute, pessimistisch/sein, Die Wische Sprache ist zum
MtMang verurMt, da sie die Kinder in den meisten Fällen
gar nicht mehr beherrschen. Wenn keine neuen Einwanderer¬
ströme kommen, geht die jüdische Sprache unter. Aller¬
dings gibt es heilte schon gewisse kulturelle Institutionen, ' es.
M Talmud. TüoraS in allen.Bezirktzn. tzitz hebräischert