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Wien: Zum Abholen in der
Expedition,II. f Taborah , .l“3,
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Mon. K17. Jugoslawien:
Mon.Dinar40.Polen:Mou.
Mk.70600.Deutschland:
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Belgien: Monatl. Firfcs. 8
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Wiener
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Italien: Monti. 10Lh
Rumänien Mon.90Ld
Bulgarien Mon. 75 Lewa
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Me», Sonntag, SO. August 1023
5. Jahrgang
M Ausnahme der Rede Ltresemamis.
Paris: zurückhaltend. — London: LvtimWfch. — Frankreich kür der»
Eintritt Seuifchlauds in den Völkerbund.
Ar «unserem Benesch-
Rusirlinl.
5. Wien, 26. August.
Prag, 28 . August. Außenminister Doktor
Be ne sch begibt sich morgen früh nach Rom.
Außenminister Benesch ist sicherlich einer der
fähigsten und erfolgreichsten Diplomaten des gegen¬
wärtigen Europa. Er verbindet einen scharfen und
klaren Blick für die Bedürfnisse seines Staates mit
einer auch bei Staatsmännern nicht gerade alltäglichen
Einsicht in die europäischen Notwendigkeiten, und seine
Politik war von Anbeginn daraus angelegt, die Be¬
ziehungen der Tschecho-Slowakei" zu den Zentren der
europäischen Macht möglichst intensiv zu gestalten. Be¬
nesch hat klar erkannt, daß die europäische Gesamt¬
situation für seinen Staat die Schaffung einer ver¬
tragsmäßigen Rückendeckung erfordere, die angesichts
der magyarischen Rankünen und des Mangels an po¬
litischer Stabilität in Mitteleuropa notwendig ist, und
es ist ihm in der Form der kleinen Entente gelungen,
einen Staatenbund zu .schaffen, der durch eine Reihe
von wichtigen, parallel laufenden Interessen verknüpft
wird.
Die Reise des Ministers Benesch nach Rom, wo
er mit Mussolini Beratungen eingeleitet hat und die
unmittelbar vor dem Zusammentritt des Völkerbundes
erfolgt, wird bei einer Beurteilung der gegenwärtigen
europäischen Lage nicht überraschen. Italien ist jene
Großmacht, welche die kleine Entente, bei ihren Be¬
ratungen am unmittelbarsten ins Kalkül ziehen muß
und immer wieder stößt diese, mag es sich einmal um
Jugoslawien, das anderem«! um Ungarn handeln, auf
eine deutliche Stellungnahme Roms^ Es unterliegt
keinem Zweifel, daß Italien in'Mitteleuropa eine Vor¬
machtstellung anstrebt und als erster gehört sein will,
wenn irgendwelche außenpolitische Maßnahmen ge¬
troffen werden sollen. Der Rührkonflikt hat Frankreichs
Hauptinteresse in Anspruch genommen und ,bci einer
längeren Dauer der gegenwärtigen Verhältnisse könnte
Mussolini leicht den Moment, da Frankreich ander¬
weitig okkupiert ist, benützen, um mit Nachdruck auf die
Festigung der italienischen Position hinzuarbeiten.
Abgesehen von dieser allgemeinen Konstellation,
welche eine Fühlungnahme der kleinen Entente mit
Italien notwendig erscheinen läßt, sind es Gründe be¬
sonderer Art, welche dieser Konferenz im- gegebenen
Augenblick ihre Bedeutung verleihen, zumal da Benesch
offenbar Vorsorgen will, daß sich aus der bevorstehenden
Bölkerbnndtagung die Stimme 4 der kleinen
Entente entsprechend Gehör verschaffe, wenn
dort Dinge zur Sprache kommen sollten,
welche deren nächste Interessen tangieren.
Das Verhältnis zwischen Italien und Jugo¬
slawien hat in den allerletzten Tagen durch das be¬
fristete Memorandum Mussolinis in der Fiume-Frage
neuerlich eine Trübung erfahren. Die Bereinigung
der schon so lange in" Verhandlung' stehenden Ange¬
legenheit will nicht gedeihen und es scheint schwer zu
sein, eine beide Seiten befriedigende Formel zu finden,
während Jugoslawien schon mit Riicksicht auf seinen
kroatischen Bevölkerungsteil auf seinen Rechten be¬
stehen nmß und andererseits das Programm des ita¬
lienischen Fiume ein Schlachtruf des Faszismus ge¬
worden ist, mit dessen Mentalität Mussolini am meisten
rechnen muß, der alles getan hat, um die faszistische
Flamme bis zu ihren Ausbrüchen anzublafen. Nunmehr
erscheint es keineswegs als unwahrscheinlich, daß
Benesch, der sich mehr als einmal als Vermittler ver¬
sucht hat, and) hier versuchen wird, einen Mittellveg
ausfindig zu machen, und ider Vertreter des Staates,
dessen Abmachungen mit Italien dazu beitragen könn¬
ten, dem absterbenden Triester Hafen zu neuer Aktivi¬
tät zu verhelfen, erscheint zu dieser Mittlerrolle sicherlich
geeignet.
Während aber die Fiume-Frage in erster Reihe
ein jugoslawisches Problem ist, sind an einer anderen
Fracke alle Mächte der kleinen Entente in gleicher Weise
interessiert. Ungarn bemüht sich bekanntlich krampfhaft
mn die Erlangung einer ausländischen Anleihe, welche
über die drohende Krise hinweghelfen könnte, in welche
die unerhörte Wirtschaft der Negierenden dieses Land
gestürzt hat, das noch immer über genügende natür¬
liche Ressourcen verfügt, nur sich bei einer vernünftigen
Ordnung der Neparationsangelegenheiten aus eigenen
Kräften empora'rbeiten zu können. Die Anstrengungen
Betylens haben bisher ein Fiasko erlitten und die
einstige französische Freundschaft hat einem sichtlich
Wlerm Hü Platz gemM, Mx Me SarrLMM
Ser kindruck in Pari».
PMS, 25. Ungutst. (Havas.) In offiziellen Kreisen ist Man
mit dem Urteil über den Eindruck, den die Rede des Reichs¬
kanzlers Dr. Stvesemawn hevvorgerufen hat, sehr zurück¬
haltend. Man beschränkt sich darauf, festzustellen, daß
die Worte des Kanzlers in ihrem Tone verschieden
sin!/ von denen feiner Vorgänger und keineswegs die Zu^
rückwoisung eines jeden VersöhMngsversuches bedeuten.
Man bedauert, daß der Kanzler keine Anspielung
auf die Einstellung des passiven Wider¬
standes gemacht habe, die eine wesentliche Bedin¬
gung für die Wiederaufnahme'von Verhandlungen sei.
Man nimmt die Angebote von Garantien und positiven
Pfändern zur Kenntnis, obwohl sie denen des früheren
Reichskanzlers Dr. Cuno nichts hinzufügen. Die Ziffer
der erfolgten Leistungen Deutschlands sei von der Repara¬
tionskommission unparteisich mit '7.800,000.000 Goldmark
festgesetzt worden. Die deutschen und die amerikanischen Be¬
rechnungen könnten nur von einer UeVerschätzung der
abgetretenen Güter, wie Schiffe, Eisen'bahnimatevial ufw.,
herrühren, denn die Buchführung über die Sachlieserungen
könne für einen Irrtum nicht den geringsten Raum lassen.
Die Sonntasttede» Posncares.
Paris, 25. August. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".)
P o i n c a r e wird Sonntag itid)t nur eine, sondern zwei
Reden halten. Bei dieser Gelegenheit wird-er wahrscheinlich
auf die gestrige Rede Dr. S t r e s e m a n n s e i n g e h e n.
Me „Sfwes" Wer Rresemamrs Rede.
London, 25. AuMst. (Wolfs.) Die „Ti m c s" sehen in
den Erklärungen des ReichÄ>anl>zers einen wichtigen Bei¬
trag zur R.eget n n g der g-egeulwärtigen K r i s e. Seine
sorgfältig gewählten Worte in der Re-pai a.tiES>srci-ge fcicit vor¬
sichtig, aber endgültig gesprochen. Es sei be-zeichn-end, daß er bei
der BciM'Mmhme ans dir letzte britische Note,die TÄvr für die'
Möglichkeit von Berha.M'.tngen mit Frankreich keineswegs
geschlossen, vielmehr die Bedeutung des letzten deutschen An¬
gebots -erweitert habe. Das gestrige Angebot, produktive
Pfänder zu gäben, verdiene sorgfältige Erwägung. Die Rede
fei jedenfalls eine geschickte Aeußernng in der Absicht, Frank-
'reich zu versöhnen und die Verhandlungen zu fördern;
sie sei deshalb zur Beilegung der- gegenwärtigen Krise ent¬
schieden dienlich. ■
Die belgische Antwort in Paris eingetroffen.
Paris, 25. August. (Havas.) Die belgische Antwort auf
die britische Note ist heute dem Ministerium des Aenßern
übermittelt worden.
An vertrauliches Rmdschreibrn der franrS-
schen Regierung.
Paris, 26. August.. (Tel. d.„Wr. Morgenzeitung".) Wie
man in wohlunterrichteten Kreisen des Quai d'Orsay ver¬
nimmt, hat die französische Regierung ein vertrauli¬
ches R u n d f ch r e i b e n an ihre diplomatischen Vertreter
durch das Ausland reichen die Sympathien nicht aus,
welche die großzügige magyarische Auslandspropaganda
dem christlichen Kurs in den Kreisen der reaktionären
englischen Lords gewonnen hat. Mer in der kleinen
Entente weiß man, daß die Frage der Anleihe früher
oder später — für den Verfall der ungarischen Wirt¬
schaft wird Budapest schon sorgen — aufs Tapei kom¬
men wird,, und sie sucht sich rechtzeitig darauf einzu¬
stellen. Die letzte Marienbader Konferenz hat sich
grundsätzlich für die Gewährung einer Anleihe an Un¬
garn ausgesprochen, aber sie hat gleichzeitig Forderun¬
gen erhoben, um zu verhüten, daß eine solckse Anleihe
dazu diene, um den ungarischen Jrredentismus und
Putschismus aufs neue zu speisen und zum -weiteren
Ausbau des mitteleuropäischen Unruheherdes beizu¬
tragen. Die Budapester Presse hat mit scheinheiligem
Proteste von einem Versuche der Einmischung in die
inneren ungarischen Angelegenheiten gesprochen; aber
sie weiß, daß nicht das beabsichtigt ist, sondern nur die
Sicherungen, daß die Auslandsgelder nicht zu geheimen
MtzvMW. und zur Kerabluug der Wrihlereien in den
im Auslände gesandt, mit der Weisung, den Regierungen
bei denen sie akkreditiert sind, mitzuteilen, daß Frank
reich keine Einsprache erheben 'würde, fall!
Deutschland im Verlaufe der Septembertagung de!
Völkerbundes in Genf seinen Beitritt zum Volke»
bund anmelden sollte.
Voraussetzung hierfür wäre, daß Doutschlarck), wie alb
Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, gemäß Artikel 1 de!
Völkerbundvettrages sich verpflichtet, allen seinen intev
nationalen Verpflichtungen nachzukommen.
Dieses Rundschreiben wurde in den letzten Tagen alle»
Botschaftern und Gesandten der Republik im Ausland zw
gestellt. . -
London, 35. August. (Wolfs.) Der Präsident des HMdeW
-amtes Lloyd-Greame legte gestern auf einem van bei
Handelskammer von Aberdeen veraustMeten Frühstück du
Politik der britischen Reg-t>•:rung hiutsichtlich der
R -e p a r a t i o n s f r a g -e dar. Cr erklärte, es sei unsinnig <u>n4
beleidigend, anzunehmen, daß eine britische Regierung, deren
Mitglieder, saweft sie jung' oder tauglich gewesen seien, selbst
im Felde gestanden seien oder Angehörige 'm Felde gehabt
hätten, eine deutschfreundliche Haltung einnchmen würde. Dü
Ziele der britischen Politik • feien: 1. Bon Deutschland den
höchste« betrag an Repamtionen ans 'die' wirksamste
und rascheste' Art zu erhalten. 2. Geordnete und stalbile Der-
lMntsfe in Europa zu schaffe'»/ "dte-^den'Mrtianrir ^ gepwtteter^ -
zu arbeiten und Handel zu treiben. 3., die Erzielung der Repa¬
rationen durch wirksame GaÄiWn -zu sichern, - von denen dia
wichtigste die Kontrolle der deutschen Finanzen sei, ohne die
nach seiner Ansicht die deutsche Ää'hv>m-g nicht stalbilifiert u-nd
eine angemessene Besteiieramg nicht erreicht werden könnte.
Die Ablieferung von Devise» in Deutschland.
Berlin, 25. August. Die Verordnung über die Abliefe¬
rung ausländischer Vermögens ge gen stände
bestimmt, daß für je 10.000 Mark, die nach dem Gesetze zur
Sicherung der Brotversorgung im Wirtschaftsjahr 1923-24 vom
23. Juni 1920 als erste Teil ab gäbe zu entrichten sind,
E r w e r b s g e s e l l s ch a f t e n den Gegenwert von 2 M a r k
Gold, alle übrigen natürlichen und juristischen Personen,
Personenvereitligungen unb Bermögensmassen den Gegenwert
von 1 Mark Gold in ausländischen Zahlungsmitteln, an¬
deren ausländischen Werten oder diesen gleichgestellten Werten
abznliefern haben, sobald ihnen iit der Zeit vom 10. bis
20. August ausländische Bermögensgrgenstände oder diesen
.gleichgestellte Vernlögensgegenftande gehört haben. Eine Ab¬
lieferungspflicht besteht n i ch t, soferne der abzuliefernde Betrag
10 Mark Gold nicht übersteigt. Für Personen usw., die nach
diesem Gesetze nicht ablieferungspflichtig sind, bleibt eine Re¬
gelung über die Art und beit Umfang ihrer Heranziehung
Vorbehalten. Die Ablieferungspflicht ist durch Hingabe von
ausländischen Zahlungsmitteln oder Wertpapieren zu erfüllen.
Bei Abliefcrttng von ausländischen Zahlungsmitteln wird ein
Dollar mit 4 Mark 20 Pfennig Gold nmgercchnet. Der Ab-
lieferungspflichtige erhält für die von ihm abgelieferten Wert«
Stücke der wertbeständigen Anleihe des Deutschen Reiches
(Gold-Aitleihe) zu einem Kurse, der fünf Prozent unter dem
ZeichnungskurS liegt, der am Tage der Ablieferung gilt.
ehemals zu Ungarn gehörigen Gebieten dienen. Die
kleine Entente weiß, daß Ungarn heute nicht verhaut
lungsfähig ist, daß die Grenzen zwischen Verantwort¬
lichen und.„unverantwortlichen Elementen" sich be¬
ständig verschieben, und daß die Augenauswischertakti!
der Demagogen an der Futterkrippe nicht auf Treu und
Glauben rechnen kann. Eine der Stützen dieses „christ¬
lichen Kurses" aber ist Italien gewesen, welches damit
rechnete, Ungarn gegen Jugoslawien ausspielen zu
können.
Mussolinis Gestalt nun zeigt einen merkwürdigen
Januskopf: er ist der faszistifche Diktator im Innern
und in Außenfragen Realpolitiker. Als solcher aber
wird er erkennen müssen, daß es eine zweifelhafte und
für Italien keineswegs dauernden Gewinn ver¬
sprechende Politik wäre, die ungarische politische
Ranküne im Hinblick aus Jugoslawien aufzupulvern.
Wenn es Herrn Benesch - gelingt, sich mit Mussolini in
dieser Frage zu einigen, dann wird er sich um btt
Stabilisierung der mitteleuropäischen Verhältnisse ein
nmes VerdiMt eMorben habere