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Wies. Cmsjtng, 16. Februar 1924
6. Zahraaug
Las krgebnis der Sachverftöndigen.
Re«« Seh«tel der Steuer« tragen die Smlte« BevölkemngsWchte«. —
bin ««erklärlich hoher Heererbndget. — Wiederaufnahme der Militär-
fonttoHe?
(Eigendieust der „Wiener Rorzei^eit«»^.) "'M
Paris, 16. Februar. Die Experten der Sachver¬
ständigenkommission, die aus Berlin nach Paris zurück-
gekehrt sind, haben bisher öffentlich keinerlei Erklärungen
über ihre Tätigkeit abgegeben. Auch offizielle Kreise hüllen
sich in Stillschweigen. Nichtsdestoweniger ist Ihr Korre¬
spondent in der Lage, aus französischer Quelle einige An¬
gaben über die wichtigsten Ergebnisse der Erhebungen der
Sachverständigen z« machen.
Einen Hauptpunkt findet die Jeststellnng, daß
neun Zehntel des gesamt»« deutschen Stener-
ertragnisseS von den Srnben Bevölkerungsschichten
getragen werden, während der Mittelstand und die
reiche» Klassen kaum ein Zehntel der gesam¬
te« Steuerlast bestreite«. Namentlich die Gro߬
industrie und in erster Lkrie die metallurgischen
Betriebe zahle« sosusage» gar keine Stenern.
Sine andere Tatsache, welche ebenfalls die englische«
und amerikanische» Experte« sehr Axrrascht hat, ist die
Höhe der
Die Gesamtheit der HlnSgaben, die dad Deutsche Reich zur¬
zeit für sekie TrnpPen vorficht, repräseutievt, i« Dollar
««gerechnet, eine« >
hichemn Betrag, cklS das gesamte französische
' MilitSÄudget.
Bon französischer Seite verlautet auch, daß in der
nächste« Sitzung deSBölkerbuudratesamIV. März
der Vertreter Großbritauuiens einen Antrag ans
Wiederaufnahme der Mllitärkontrolle
in Deutschland stellen wird. Dieser Antrag würde sich auf
Artikel S13 der Frieden-Vertrages stützen, welcher kantet:
Solange der Frieden-Vertrag in Kraft besteht, verpflichtet
sich Deutschland, jede Kontrolle -es Völkerbundes zuzn-
laflen, welche vom Bölkerbnndrat mit Stimmenmehrheit
beschlossen wird.
Andererseits hat B r a « d i ug, der schwedische Ver¬
treter i« Bölkerbnndrat, dieser Tage einen Antrag einge¬
reicht, die p 8 « d i g e g e m i s ch t e K o m m i s s i o « des
Völkerbundes, die sich mtt der Abrüstung beschäftigt,
mit der ständige« Rilitärkommisfion in eineeinzige
K o m m i s s i on z u verschmelzen. Die Kommission
soll nach dem Anträge ausschließlich aus Zivilpersonen
zusammengesetzt sein, während Wlitärpersonen lediglich
al§' Sachverständige und Beisitzer zuznzichen
wäre«.
*
Paris, 15. Februar. Die Sachverständige« sind' gestern
abends in.Paris angekommen. Die Delegation führte ein
umfangreiches Aktenmaterial mit sich. Weitere Dokumeu-te
werden heute mit dem diplomatischen Kurier erwartet.
Mehrere englische, italienische und belgische Delegierte
haben sich nach London, Rom und Brüssel begeben, um
ihren Regierungen Bericht zu erstatten.
Dem „Gamlois" zufolge erklärt man m den Kreise«
der Sachverständigen, daß Deutschland in der Lage wäre,.
Reparationen zu zahlen. Dazu müßten aber
mehrere Vorbedingungen erfüllt werden. Vor alkm sollten
im Osten neue Märkte für die Ausfuhr geschaffen und
die wirtschaftlichen Hilfsquellen der be¬
setz t< n G e b i e t e der deutschen Verwaltung wieder -im*
terstellt werden. Außerdem sei die Schaffung der Gold-
notenbank notwendig. Diese Bank sollte ihren Sitz in
Deutschland .haben. Ihr Aeberwachungsvat müßte Zu
gleichen Tollen aus -deutschen und neutralen Fma-nAleu-ten
zusammengesetzt sein.
Die Goldnotenbank würde zunächst für drei Milliar¬
den Goldnoten ausgeben, die zur Hälfte gedeckt seien. In
dem Rkaße, als Deutschland sich erhole, würde -die Deckung
aus 33,33 Prozent herabgesetzt werden wie in den übrigen
hochvalutavi scheu Ländern, so daß die Banknotengirbulatiou
auf 4,5 Milliarden Goldmark erhöht werden fimnte.
Innerhalb der Bank würde eine besondere Abteilung
für die Finanzierung der ReParationsschulLvn gsfchasfe»
-werden.
Wir hst Sttnser zm Mdrrssg der Rot
beigetragen?
Eine amerikanische Anfrage.
. Berlin, 15. Februar. (Tel. der „Wiener Aiorgem
zeitirng".) Das amerikanische Hilfskomitee des General
A l l a n hat, wie die „Vossische Zeitung" berichtet, bei seiner
Berliner Vertretung angefragt, was dev Großindustrielle
Hngo Sti«nes bisher zur Linderung der deut¬
sche« Not getan habe. ES wird dabei die Erwartung
ausgesprochen, daß der Berliner Beauftragte des Komitees
umgehend erschöpfende Antwort auf die Frage erteile.
Die Erkenntnis.
—y. Wien, IS. Februar.
Poincare wird mit Violen parlamentarischen
Kämpfen das erreichen, waS ihm durch seine Politik
gegen Deutschland nicht gelungen ist: dem französischen
Volk den Abscheu vor Versailles beizubringen. Der
psychologische Grundpfeiler dieses Friedens und der
Ruhrpolitik war, daß Deutschland alles zahlen werde.
Dieser Pfeiler ist geborsten. Die fiskalischen Gesetze, die
Poincare unter dem Aufgebot seiner ganzen Autorität
in der Kammer durchsetzt, werden jedem einzelnen fran¬
zösischen Bürger zum Bewußtsein bringen, daß Frank¬
reich zwar zu den Siegern gehört, aber doch den Krieg
verloren hat. Unter der Steuerschraube schwinden alle
Illusionen und die Zeiten deS Steuerdruckes find die
Zeiten bitterer Selbsterkenntnis. Deshalb verfolgt man
in der ganzen Welt die Entwicklung der inneren Poli¬
tik Frankreichs mit dem größten Interesse und mit den
stärksten Hoffnungen, daß auch für Frankreich die große
Wa«dlung beginnt.
Seit 1918 war die französische Politik von dem
Streben beherrscht, alles zu unterlassen, was ein vom
Krieg so schwer heimgesuchtes Volk daran erinnern
müßte, daß zum Aufbau Opfer notwendig sind. Man
nährte die Suggestion, daß Frankreichs Wiederherstel¬
lung nicht durch Steuern, sondern durch Sanktionen
erfolgen werde. Da8 war das einzige Mittel, um. den
nationalen Block, die Mehrheit Poincares, bei der
Stange zu halten, ein Kongjlomevat, dessen einziger Kitt
daS Bekenntnis zu den Reparationen war. Das Defizit
des fwnzösrschen Budgets würde maskiert durch dir von
Deutschland hereinzubringenden Ausgaben, bisfichnach
dem großen Äeg an der Ruhr erwies, daß tatsächlich die
Henne, die vielleicht einmal bei entsprechender Kontrolle
goldene Eier hätte legen können, ans Verhungern kam.
Der Effekt war der Sturz des Franken. Damit ist das
System PoincareS bloßgelegt.
In den letzten Jahren war Frankreich der Mittel¬
punkt der europäischen Politik. Aber es war nicht eine
Politik, welche den großen ftanzöfischen Traditionen der
Demokratie entsprach, sondern eher sich den Sonnen¬
könig als Vorbild genommen hatte, der sich ganz Europa
zu Vasallen machen wollte. Die neuen Staaten sollten
für den Machtgedanken der französischen Generale die
Reservoire biiden, aus denen die militaristische Reaktion
ihre Mittel schöpfte. Welche verheerenden Folgen diese
Tendenz sür diese kleinen Staaten gehabt hat, zeigt die
Entwicklung Mitteleuropas und lehrt vor allem die
rasche Abkehr Jugoslawiens, daS sich lieber mit seinem
alten Gegner Italien versöhnt hat, um nur auS der
gefährlichen Nachbarschaft der - Seche fortzukommen.
Frankreich selbst hat seine Währung entwertet und seine
internationale Stellung geschwächt. Im Innern zeigen
sich die Ansätze einer geschlossenen Opposition, welche
mit voller Kraft dieses System bekämpft und den
Friedensgedanken durchsetzen will. Man kann natürlich
heute noch nickst sagen, welches Resultat die Kammer¬
wahlen haben werden, aber doch bestehen- bereits an¬
sehnliche Widerstände, die sich nicht mehr so leicht aus¬
schalten lasten.
Die Wirtschaft ist für die Dauer doch
stärker als alle Diplomatie und sie unterstreicht rück¬
sichtslos alle Fehler. In Frankreich hatten die FochS
geglaubt, den normalen Gang der inneren Entwi«Aung
durch Kriegsfiolitik, durch Fahnen und Musik beein¬
flussen zu können. Dadurch wurde Frankreich, das Land
der Menschenrechte, die Hoffnung aller Reaktion. Die
letzten Reste des im Krieg niedergeworfenen Ancien
rvgime sammelten sich in Paris und trugen ihre Spitze¬
leien und Intrigen in die Salons und Couloirs. In
Ungarn lebte der Horthy von der Protektion dirftS
Frankreichs; die Münchener Hakenkreuzler, die für
Poincare Deutschlands Einheit zersprengen wollten,
holten sich aus Paris Geld und Instruktionen; in allen
europäischen Zentren siedelten sich französische Agenten
an, die sich in alle Händel mischten. Der Sturz des Fran¬
ken öffnet dem französischen Wähler die Augen und
zeigt ihm, was in seinem Namen versucht wurde. Dieser
Sturz ist eine Folge der Ruhrpolitik und rin Zeichen zur
Einkehr. .. . ' .
Sie 8aio«t>9leiiet«ttg vollkomme«
«»«bhönsig von derZntermtiouale.
Eine Erklärung Lord Parmoors.
London, 15. Februar. Im Oberhause sagte gestern
Lord P a r m o o t in Beantwortung dieSbHiiglicher Reden
Lorv EhärnwoodS und des Herzogs von North¬
um b e r l a n d, der Premierminister habe bereits erklärt,
daß die Arbeiterregierung von der Internationale
dollkomme« unabhängig sei. Die Abeiterpartei
werde zu der in ihrem Wahlprogramm enthal¬
te«e n P o! i t i k stehen.
England ««d Mtzl««v.
M K' Die Frage der englische« Konsulate.
üß* (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".)
Loudo«, 15. Februar. Im Unterhaus gab im Lause der
Debatte^ Staatssekretär P o n s o n b h auf die Frage des Abg.
Kenworthy über die konsularischen Vertretungen Englands in
Rußland, folgende Erklärung ab: Der ganze Fragenkomplex
unserer, konsularischen ' Vertretungen in Rußland wird gegen-.
wärtig beraten und aus diesem Grunde kann ich noch keine
vollständigen Aufklärungen geben. Gegenwärtig befinden sich
Vertretungen in Leningrad und Wladiwostok. Wir
planen, diese Stellen in Konsulate umzuwandeln. Falls die
fische Regierung ihre Zustimmung gibt, werben General'
k o n s u l n in Moskau und Odessa und andere Konsular«
beamte in Tiflis und Charkow sofort ernannt werden. Auch
Archangelsk ist in Aussicht genommen, sobald der Hafen
eröffnet wird. Nach den Gesetzesvorschrifteu werden sämtliche
Konsuln englische Bürger sein. ..... f ... ^
Mac Tonalds Srkrasksnz.
London, 15. Feibmar. ' (Tel. der ,Wiener Morgsn-
zeitMg".) Die „Times" teile.« mit, -daß M a c D o nal d <rn
Neuritis erkvcvM ist.
Bar de« «re» der esMches «ockardetter.
London, 15. Februar. (Reuter.) Die Verhandlungen
zur Beilegung des Dockarbeiterlonflikts sind abgebro¬
chen «worden. Es ist nunmehr sicher, daß es zum Streik
kommen wird. . .
Sie ameMnische« For-er«»grn
an S«ropV
(Eigendienst d^r „Wiener Morgenzeitung".)
Washington, 15. Februar. Die Schuldenifunbierungs-
kommission wurde aus, M o n t a g nach Washington be¬
rufen, um die Frage -der Liquidierung der europäi¬
schen Kriegsschulden an di« Vereinigten Staaten
neuerlich zu prüfen.