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Wien. Sonnerstag, 4. Dezember 1924
8. üalirgaug
Sie gesprengte Cememschast. I Khamberlam über die Völker-
—y. W i e n, 4. Dezember.
Der Konflikt zwischen England und Aegypten hat
sein diplomatisches Ende erreicht. Die Forderungen des
Kabinetts Baldwin sind zur Gänze angenommen wor¬
den und als erstes Anzeichen eines ruhigen Abklingens
der Affäre ist das alexanürinische Zollamt den Aegyp-
tern wieder- zurückgegeben worden. Der Völkerbund
wich nicht in die Lgge kommen, sich offiziell als un¬
zuständig zu erklären, und er ' wird-, buch sonst nicht zu
der Frage Stellung zu nehmen haben, da das Jnter-
ventio.nsgesuch nicht durch einen Mitgliedsstaat über¬
reicht wird. Me Persische Regierung hat. dementieren
lassen, daß sie die Sache aufzuqreifen beabsichtige. Es
ist höchst erfreulich, daß dieser Streit in interner Aus¬
einandersetzung zwischen den beiden Negierungen aus-
getragen wich und daß der Krieg vermieden bleibt, der
leicht zu einer, den ganzen Orient ergreifenden Kata¬
strophe wechen konnte.
^ Die ahnungsvollen Parallelen, die von der inter¬
nationalen Kriegspresse, insbesondere in Wien und Ber¬
lin, zwischen den Morden von Sarajevo und Kairo ge¬
zogen wurden, können wieder ins Archiv wandern, und
es ist nur zu 'bemerken, daß sie in der wichtigsten
Prämisse falsch wären. Erzherzog Franz Ferdinand'war
auf österreichischem, nicht auf serbischem Boden, General
Tee Stack auf ägyptischem, nicht aus englischem Boden
erschossen -Wochen. Die'-serbische.Regierung'chatte in-
Mell ernst lnarnen lassen und — was nicht zu ver¬
gessen wäre —i die Bedingungen des,Berchtvchschen
Ultimatums bis auf einen nebensächlichen Punkt an¬
genommen. Der Jubel der Revanchepresse in Oester¬
reich und-in Deutschland, der ob des Mordes in Kairo
losgebrochen war, muß sich wieder legen. Er war zu
früh und zu laut. Die Generäle, die einmal in Afrika
den Hereros die Kultur beigebracht hatten, entwarfen
stimmungsvolle strategische Betrachtun»-'n ü'ber die
Kämpfe am Suezkanal und in Mombassa; alle Organe
des „immer feste druff" schwelgten in Schilderungen der
Rolle, die Deutschland bei einem solchen neuen Welt¬
konflikt spielen werde, die.es ihm ermöglicht, die Sorgen
Englands zu einem kühnen Einmarsch'in. Frankreich zu
benützen. Auf diese Blütenträume legt sich der Cis-
umschlag. Cs ist nichts. . -
Aber damit ist noch nicht gesagt, daß nunmehr alle
Ursache zu Besorgnissen-geschwunden ist. Das Ablenken
des Konfliktes in die Verhandlung kann den Frieden
sichern, läßt aber noch immer alle. Möglichkeiten des
stillen Einmischens unberufener und ungevusener Ele¬
mente offen. In der Politik der großen europäischen
Staaten zueinander ist wieder die -Tendenz der Rückkehr
zu dem alten Gleichgewichtszustand zu merken, zu dem
Zustand, der durch Rüsten und Gegenrüsten die Atmo¬
sphäre des allgemeinen Mißtrauens erzeugte, aus dem
dann der große Krieg, entstand. Der Balkan war nur
die unmittelbare Ursache, die die Explosion cmslöste. Die
energischesten Antriebe kamen aus : dem Konkurrenz¬
kampf um die Geltung zur See; die Interessen Eng¬
lands und Deutschlands gerieten zunächst in Brand.
Rußland war im Schwärzen Meer sestgchalten und
strebte danach, die Dardanellensperre zu sprengen:
Frankreich, Italien, Japan trieben Marinepolitik, Der
Weltkrieg hat nur den Wettbewerb der deutschen Kriegs-
flagge -ausgeschalte-, und alle anderen Staaten wünschen
'nichts sehnlicher als aus diesem Resultat so viel Vor¬
teile als nur möglich für sich zu exzielen. Sie ^wollen
nicht bedenken, daß durch den Krieg auch außerhalb
Europas Stimmungen entstanden sind, die dem Konti¬
nent in seiner Gesamtheit gelten und feine Vormacht¬
stellung nicht mehr -als so unbestrittene Tatsache er¬
scheinen lasten, d^ren Gestaltung nur von Europa zu
bestimmen ist. Ganz Asien, ganz Afrika lebt in be¬
wußter, -klar empfundener Feindschaft gegen die euro¬
päische Welt und ist fest d"von überzeugt, daß dieses als
Genteinschaft aufgefaßte Völkergernisch im Niedergang
begriffen ist. v ;
In dieser Ueberzeugung bestärkt sie die Erfahrung,
daß die europäische Solidarität eine Lüge ist und daß
England gibt dem Völkerbund Informatio¬
nen übser den ägyptischen Konflikt.
London, 3, Dezember. (Tel.-Komp.) Außenminister
Austen Chamberlain hielt heute als Ehrengast der
«monistischen Ortsgruppe London eine Rede, in der er die
Kris ei n A egypt e n und die bevorstehende T agu n g
des Völkerbund rat es in Rom besprach.
Mit Bezug aus die veborsleheUde Bölkerbnndtagung
in Rom erklärte Chamberlain: '
„Ich verlasse morgen England,. «« der ersten Sitzung
des Völkerbundes beizuwohnen. Daß mich die englische
Regierung ermächtigt hat, das Land zu einer so k r i t i-
fchen Zeit zu verlassen, beweist, baß sie dem Völker-
bundeine große Bedeutung beim itzt: Die
ägyptische Frage fällt n i ch t in den Kompetenz¬
bereich des Völkerbundes, aus Achtung zum Völkerbund
aber haben meine Kollegen mich ermächtigt, dem B ö l k e r-
bund alle Informat.ione« z« erteilen, die ihn
interessieren könnten^
Ir. Benesch für die Aufhebung der
Bisa.
Ditz tschecho-flowaAsche Bodenreform. — Die
kommunistischen Umtriebe rrn Heere.
Prag, 3. Dezember. (Tschecho-ftow. Pveß-Bur.) Im
Budgetausschutz des . Senates erklärte der Präsident des
staatlichen Bodenamtes, Dr. Viskovsky, noch im
Jahre 1925 solle der R e st (etwa die Hälfte) des der
Lloyd George—Parlamentschef der Liberalen.
(Eigendienst der.„Wiener Morgenzeituna")
'staMon- Bon dsn
vierzig anwese.nde>n Abgeordneten (die Kberale Fraktion
zählt 53 Mih§l-ieder) stimmten 2h für'Lloyd Ge arg e,
7 Deputiert«, erhielten sich -der-AWmmung. Asqurth,
der sich gegenwärtig auf einer Ovientreise besi-ndet, blecht
weiter Oberhaupt der:Partei.-
Sie Lage in Aegtzvten.
Das ägyptische Parlament.
Kairo, 3. Dezember. (Reuter.) In einer dem König
Iuad unterbreiteten, von 113 Abgeordneten Unterzeich¬
neten Petition wird die sofortige Einberu¬
fung der Kammer gefordert. Auch die Senatoren
haben emen ähnlichen Schritt unternommen
Der Mörder Stacks noch nicht eruiert.
London, 3. Dezember. (Hava-s.) „Daily News" melden
aus Kairo, daß die Zeugen'die der Ermordung des Sivdar
beschuldigten Personen n-icht agnosziert halben.
Die Stadt ist allem Anschein nach ruhig. Die Gerüchte,
daß'England sein. BerMten ändern, werde, seien unbegrün¬
det. Auch im S ü d a n herrscht -Ruhe.
RevolutionSkeKundgebungeu
in
Paris, 3. Dezember. Wie die „Information" aus
San Sebastian meldet, finden in- einzelnen Gebieten
Spaniens fortgesetzt lokale Kundgebungen statt,
die sich nicht nur g e g e n d a s D i r e k t o r i -u m, son¬
dern auch gegendie Krone richten. Es handle sich
zwar um vereinzelte Kundgelbungen, doch werden die
Nachrichten ^hierüber in den leitenden Kreisen des Direk¬
toriums mit Beunruhigung. ausgenommen.
: Bodenreform
unterliegenden Bodens übernommen werden; in
der Slowakei werde die Bodenreform etwa zwei
Iahresp 8 ter völlig durchgesührt sein:
Minister des Aeußern Dr. Benesch erklärte in Be¬
antwortung verschiedener an ihn gerichteter Anfragen
unter anderem, die Frage der H a N d e l s v e r t r 8g e sei
für die tschecho-stowakische Außenpolitik die a k 1 u e l l st e
und das Ministerium arbeite, in dieser Sache sehr intensiv.
Wegen eines Handelsvertrages mit Polens, ferner mit
Ungarn, der Schweiz und Belgien werde ver-
handelt.
Die Frage der Aufhebung der Visa reife Hers
an. Es werde im Lause der Zeit zur
Beseitigung der Bisa
im Einvernehmen mit den einzelnen Staaten kommen Wir
hätten, erklärte der Minister, die Bisen schon aufgegeven,
wenn es uns die Sicherh eits^g rü nd e »nd nnderes
gestatten würden, p . .. p - / ^
Minister für natioüale Verteidigung A d r z a l er¬
klärte bezüglich des Wahlrechtes der Soldaten, er glaube,
daß dieses Wahlrecht fast ausschließlich die Domäne von
Elementen geworden sei, die alles andere als die Ordnung
des Staates im Sinne haben. Das Ministerium verfolge
aufmerksam die
kommunistischen Umtriebe.
'. Der Minister sprach sodann die Ansicht aus, daß mit
den Mitteln, mit denen gegenwärtig gegen die nute r-
m i nieren d e n E i n f l ü s s e ausgetreten werdl, nicht
das Auslangen gesunden werden könne. Wenn vorher
etwas unternommen werde, würden keine außerordentliche«
Härten notwendig sein.
Gegen Msfottni.
Rom, 3. Dezember. (WoM) Der Senat- lheganm heute
mit der Diskussion des Etats des. Innern. Es sprachen
fünf Senatoren, von -denen sich drei entschieden gegen
die R egt ernng aussprachan, nämlich.die Senatoren
Lusignori, Conti und Alb.ertini, der Heraus¬
geber des „Corriere dellü Sera". Alle drei Senatoren
wiederholten in ihren Neiden die beikannten Vovwürfe geeen
den Faszismus und sprachen der^Regierung ihr Mißtrauen
aus. Besonders siel es aus,-daß-AMerti-ni vom Minister¬
präsidenten -die Anerkennung des Rechtes der Krone
verlangte, die Minisier zu ernennen und auch zu
entlassen. In dieser An>spiel>ung glauben manche Politiker,
den Wunsch des Senators nach einer Interventian der
Krone in den inneren Streit eMicken zu scllen. Albertini
forderte Mießlich Ne uw ahlen. unter einem mili¬
tärische n Regime ^
sich nach dem Kriege Rußland auch von dem Schein,
einer solchen Gemeinsamkeit losg-e'sagt hat. Der Mos¬
kauer bolschew-i-kische ^Imperialismus ist in Asien durch¬
aus nicht sozialistisch-radikal. Er paktiert sehr gut mit
den Emiren und Scheits, er bringt ihnen-neue Orten-'
tievung, Organisation und .das, was. sie immer brauchen
können, GeÄ. Er wird für die Dauer der betrogene Be¬
trüger sein und von den Beglückten-genau so den Fu߬
tritt bekommen wie von der befreiten Türkei. Emst--
weilen blüht das Handwerk. Trotzdem aber ist in den
westlichen Staaten die' sogenannte Ausbalaneierung der
überseeischen Interessen noch immer die Angelegenheit,
an die die erleuchtetsten Köpfe, die Kabinette, die Bot¬
schafter und Gesandten ihre Zeit und Mühe und Ge¬
hirnschmalz und Steuepkrast wenden. ' :: *
Die Orientgefahr ist für die Kvlonia-lstaaten sehr
aktuell geworden, und sie ist nicht mehr ein Spiel für
müßige Tage. Sie erfordert: die gesamte- politische Kraft,
das Ende des Kolonialegoisnms, das Ende aller Ge¬
schäftigkeit diätenhüngriger, diploma-tiscber Agentert.
Bor allem aber müssen alle die dunklen Intrigen, zer¬
stört wevden, die im Orient an der Arbeit sind, M
europäischen Pogromseucheu zu verbreiten. Die Morgen
stattfindende Besprechung Chamberlains mit Herriot, die
Tagirng des Bölkerbundvates in Rom muß sich auch
diesem Thema zuwenden.
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