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fflten. Sonntag, 25. gSnner 1825
7. snhraang
Der Geburtstag -es Völker¬
bundes.
—V- Wien. 25. Jänner.
Still und unbemerkt ist der fünfte Jahrestag der
offiziellen Gründung des Völkerbundes vorbeigogangen.
Bis auf einige englische Blatter hat die europäische
Presie an dieses Datum nicht gedacht, das einstmals,
vor fünf Jahren, mit so großen Hoffnungen betrachtet
worden war. In dem Temagogenlärm, der die Wett
erfüllt, bleibt wenig Raum für das, was der Völker¬
bund sein soll und als was er ged war. Er sollte das
Gewissen sein, das sich nach dem veiten moralischen
Vakuum des Weltkrieges in sein Recht setzt. Er war
eine Idee, die zu festem, sicherem Recht geprägt werden
sollte. Aber er ist im großen und ganzen nur Idee ge¬
blieben. Gewiß kann man sich nach fünf Jahren noch
kein endgültiges Urteil über den Wert oder Unwert des
Völkerbundes bilden und auch seine Schwäche in wich¬
tigen fragen der internationalen Zusammenarbeit be¬
sagt nichts gegen die ethische Grundlage, auf der er sich
erheben sollte. Auch hat der. Völkerbund noch nicht die
stärkste Probe bestanden, große internationale Krisen
zu meistern. Er hat Kleinarbeit geleistet, Nützliches und
Gutes getan, viel Schädliches verhindert. Aber er ist
über den engen, bescheidenen Rahmen in den fünf
Jahren nicht hinausgetreten. Er Hai nicht die innere
Kraft gefunden, seine Aufgabe vor den Instanzen zu
vertreten, die ihn eingesetzt hatten. Er hat den Mächten
nicht vorzustellen gewagt, daß die neue -Institution,
wenn sie ihrer Pflicht gerecht werden. soll, über ihnen
stehen müsse. Aber die Idee des Völkerbundes'hat ihren
festen Sitz nur in Genf. In den Hauptstädten der Mäch¬
tigen tritt sie als vornehmer Fremder -auf, dem man
höflich zuhört, um den man sich aber nicht, weiter zu
kümmern braucht.
*
Der Völkerbund hat bisher nur Fragen geregslt,
die in der Zeit der großen Probleme nur als sekundär
gelten. ^ Es hat Angelegenheiten behandelt, die von
den Mächten gerne beiseite geschoben werden, sei es, um
nicht kräftige, innere Widerstände zu Nacken, sei es, um
nicht fremde Interessen zu tangieren. So mußte sich der
Völkerbund darauf beschränken, die Opiumplage des
Orients in erträgliche Grenzen zu bannen, dem
Mädchenhandel entgegenzutreten. In der Flüchtlings¬
frage hat er nur wenige zaghafte • Schritte getan, weil
dieser Elendkomplex aus nationalistischen Velleitäten
entstanden ist und Gegenaktionen des Staatsfetisch is-
mus provoziert. Das Grundübel liegt eben darin, daß
der Völkerbund heute noch immer nur ein Torso ist.
Er ist ein Bund der herrschenden Staaten und der in
ihrem Gefolge kreisenden Satelliten. Amerika, Rußland
und Deutschland stehen außerhalb und deshalb ist die
Liga der Nationen nur ein schwacher Versuch, Philan¬
thropie aus Politik zu kristallisieren.
* ,
Der Völkerbund muß, wenn er in das politische
Bewußtsein der Menschheit eindringen soll, in seiner
technischen Konstruktion geändert Iverden. Er ist eine
Klassenvertretung und muß die Vertretung aller Na¬
tionen und Nassen werden. Seine heutige Verfassung ist
eine Anerkennung des Prinzips der Staatsnationen,
jenes Prinzips, aus dem der Krieg hervorgegangen ist.
Dieser Grundfehler wirkt besonders eindringlich in sei¬
ner Stellung znm Kriogsproblem. Die Idee des Bundes
ist der schärfste Protest gegen die heute noch übliche und
anerkannte Methode, internationale Fragen, durch An¬
wendung von Gewalt zu lösen. Dies hat sich nicht bloß
als unmöglich erwiesen, sondern es sind aus dem großen
Krieg ganze Ketten ineinandergreifei'der Kon-ft'kte b»"vor-
gegangen, denen nur eine entschiedene, mutige, öffent¬
liche Stellungnahme des Völkerbundes die gefährliche
Spitze hätte nehmen können. Diese Streitfragen fließen
alle aus dem gründlich verpfuschten Frieden von Ver¬
sailles und sie betreffen fast ausnahmslos die politische
und kulturelle Entwicklung der Minoritätsnationen.
Vor dem Kriege hat Europa diesen Begriff kaum ge¬
kannt. Aber durch den Frieden ist er zu einem ständigen
Punkt der Tagesordnung aller europäischen und auch
amerikanischen Politik geworden. Alle Minoritäten füh¬
ren, die einen mehr, die anderen minder, ein Kriegs¬
dasein, alle haben ihr Vertrauest auf die Genfer Insti-
Re rumüiMe Studenl enbewegvno.
Zwischenfälle an den Universitäten Jassy «nd Czernowitz.
— Schars« Maßnahmen der Regierung.
Bukarest, 84. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Aus
Czernowitz wird gemeldet: Anläßlich der Eröffnung
der hiesigen Universität hat eine Gruppe von Univer¬
sitätshörern die Eingänge zum Hochschulgebäude
verstellt und den
jüdischen Hörern den Eintritt «ninyglich gemacht.
Die Studenten drangen dann in den Vortragssaal des
Professors L ung a l a k ein und verlangten, daß er die
jüdischen Hörer zum Verlassen des Saales aufford:re. In¬
folge der drohenden H a l t u n g der Studenten
forderte der Professor die jüdischen Stu¬
tz e n t e n a u f, sich z u e n t f e r n e n. Als er über die
Ereignisse dem Rektor Bericht erstatten wollte, hiuderien
ihn die Studenten idaran, den Saal zu verlaflen. Zur
Wiederherstellung der Ordnung mußten
Polizei und Militär
hevangez"gen werden.
Nach Meldungen aus Jassy hat sich die Bewe¬
gung ü nt e r. de n S t u d e n t e n neuerlich verstärkt.
Der Bund der christlichen Studenten unterbreitete dem
Univevsitätssenat ein Memorandum, worin die B e¬
tz i n g.u n g.e n aufgestellt werden, unter denen die Ruhe
und Ordnung an der Universität wieder hergestellt werden
soll. Bor . allem wird die
Einfilhrung des SttmterG^mW verlangt. - l-
Der Senat ^ Universität Jassy hat ben Minister des
Innern ersucht, den-Bund der : ^iu^Ktntcn, der
ohne Erlaubnis des Univepsitätssirnats arbeitet,
aufzulösen.
Das Ministerium des Innern hat nunmehr das Po¬
lizeipräsidium in Jassy Veauftv 2 gt, den Bund der
/christlichen Studenten aufzulösen.
8er Mala von thtmSnien operiert.
Bukarest, 24. Jänner. (Orient-Radio.) Heute ist an
dem König, der an einem Leistenbruch litt, eine
O p e r a t i o n vorgenommen worden, da die Gefahr einer
Einklemmung des Bruches drohte. Die Operation verlief
ausgezeichnet. Der Zustand des Königs ist vollkommen
normal.
Sin relegierter der BMerbnndro 1«
Beßaravte«.
Kifchinew, 23.,Jänner. (I. T. A.) Baron Berthe¬
lot, der 'Delegierte des Dö Herbundes, ist dieser Ta-?e in
Begleitung eines Vertreters der Londoner „Times" in
Kisch!new eingetrossen. Baron^Perthelot wird über die
L a g e d e r I u d e n i n B e ßä r ofa i e n Untersuchungen
anstellen. Er Le suchte die Mischen -Institutionen «nd
wohnte einem Gottesdienst in der Synagoge bei.
Snnvatse« neftorfeent
Bancouver, 24. Jänner. (Havas.) Nach einer Meldung
aus Peking soll der Präsident der südchinesischen Republik,
Dr. S u n yä l se n, heute g e st o r b e n sein. (Sunyatfen
war schon vor einigen Monaten totgesagt worden.)
tution gesetzt und alle sind in diesen fünf Jahren nicht
weiter gekommen. Alle versuchen, ihre Schmerzen da¬
durch zu lindern, daß sie sich an noch Wehrloseren zu
rächen versuchen. Die schwächste Minorität ist die jü¬
dische und sie ist h?ute in noch quälenderem Maße der
Brennpunkt aller Haßempfindungen geworden.
*
Der Völkerbund hat in der Indensrage einen Weg
zur Lösung beschritten, der ihm von dem Judentum
selbst gewiesen worden ist. Er hat das Recht des jüdi¬
schen Volkes auf freie Entwicklung anerkannt und ihm
keine vollständige Unabhängigkeit, wohl aber eine Heim¬
stätte zugesprochen. Er mußte dies tun, weil seine
eigene Existenz sich aus der jüdischen Weltanschauung
herleitet, die dem Frieden zustrebt. Aber es ist der Zu¬
stand geschaffen worden, daß das jpdisüie Volk seine
naturgegebenen Rechte nicht vor d"m Völkerbund selbst
wahren kann. Es ist nicht vollberechtigtes MiWH,
sondern muß seine Angelegenheiten durch einen Mittler
wahvnehmen lassen. Daraus ergeben sich Kompli¬
kationen, Jnstanzenprozesse und Mißverständnisse. Sie
Asouitli — Pair von Snnland.
Der Führer der Liberalen zieht sich an« dem poNtt'chen
Leben zurück.
London, 24. Jänner. (Reuter.) Expvemierminister
A s q u i t h hat die ihm vom König angeboten« P a i r S-
würd« angencmmen und den Titel „Earl of Oxford" ge¬
wählt. (Asquich hat während f iner politischen Tätigkeit
einige Make die ihm angebotene Erhebung in den Adels¬
stand ausgeschlagen. Daß er jetzt die PairSwüvde
und den damit Verbund «en erblichen Sitz im Oberhause
ann.?mmt, ist ein Zeichen dafür, daß er sich aus dem p kiti-
schen Leben zurück'ieht. Dieser Entschluß des früheren
liberalen Premierministers st ht wohl auch mit der jetzt in
dre Wege geleiteten Reorganisation der liberalen
Partei Englands zusammen, die unter der Leitung von Sir
Alfred M o n d t betrieben werden soll und unter anderem
de Aufbringung eines Fonds von einer Million
P f.u n d für die nächsten Wahlen zum Ziel« hat. — Di»
Red.)
Da» Palastinamandat.
London. 24. Jänner. Wie meiere Butter berichten,
soll der englische Außenminister C h a m b e r l a i n den
Unterstaatssekretar Ormsby Gore beauftragt haben,
die gegenwärtige LageinPa l ä st i n a zu studieren und
ein Referat-über die- eventuell notwendigen Der¬
bes se ru ng e n t oder Ae nd-eru ngen der e ngl!--
i scheu Mandats Politik in P al ä st.i ua ausyu-
^avbeiten. ' " - -
AesMen I« BerteMamg.
Kairo, 24. Jänner. (Reuter.) Halbamtlich wird mit»
geiei'lt, die Regierung habe, da Aegypten sich au? fein eigenes
Heer zur. Verteidigung verlaflen müsie. be^ flen, einen
Sirdar zu ernennen und die Verteidigungsmaßnahmen zu
beraten.
Die deatsch'franMkchrn Mrtfchaftsverhaad-
lunae«.
Paris, 24. Jänner. (Tel.-Komp.) Die Uebersetzung
der deutschen Vorschläge zu den Handelsvertragsvcrhand-
lungen mit Frankreich wurde heute beendet. Es geht daraus
hervor, daß die deutsche Delegation die französischen Un¬
terhändler um Aufklqrung über verschiedene unklare
Punkte ersuche. Entgegen den peflimistischen Voraussagen,
die in den letzten Tagen in der Presie und der
Oefsentlichkcit laüt geworden sind, beurteilt man die Aus¬
sichten einer Verständigung heute wesentlich
günstiger.
Die Verhandlungen Deutschlands mit BeWen
Brüssel, 24. Jänner. Die belgischen Delegierten für
diedeutsch-belgischenWirtschaftsverhand-
l u n g e n sind aus Berlin zurückgekehrt, um der Regierung
die V o r s ch l ä g e der deutschen Unterhändler vorzulegen.
Am Montag wird der Ministerrat die Vorschläge prüfen
und darüber beschließen, ob die Verhandlungen fort¬
gesetzt oder abgebrochen werden sollen.
können und werden behoben werden, wenn sich die jü¬
dische Gesamtheit auf den Boden des nationalen Rech¬
tes stellt und über alle Staatsgrenzen hinweg ihre For¬
derungen ProKamiert, als eine einheitliche Nation ihr
ein>heitlick)es Recht und ihre volle Gettnng zu erhalten.
Es ist kein Zufall, sondern historisch tief begründet, daß
das Judentum, und nur das Judentum, überall, wo es
lebt, für den Völkerbundgedanken mit seiner gatqen
geistigen und seelischen Kraft eintrilt. In allen an¬
deren Völkern zeigen sich Widerstände der politischen
Psychologie, weil sie alle unter dem lähmenden Einfluß
der militaristischen Machtidee stehen. Diese Hypnose
kann nur der Völkerbund selbst bekämpfen, wenn er
mehr Aktivität zeigt und aus dem Zauberkreis herauS-
tritt, den die Staatstheorie und ihr eifriger Diener,
die Geheimdiplomatie, um ihn gezogen hat. Der Bölker-
burd bat dies bisber nicht gttvagt und es ist eine sonder¬
bare Zier seines GeburtSsestes. daß selbst sein schwäch-
Kind, die neue Abrüstungskonferenz, schon in de»
Wiege asthmatische Beschwerden zeigt.