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Der Kamps für das Mandat .
- v . W 1 e » i , 24 . - Jlprtl .
Präsident Weizmann hat am Mittwoch vor einem
jüdischen Masftunieeting auf dem SEopuslierg in Jeru¬
salem eine Rede gehalten . Das Reutersche Bureau verbreitet
einen Auszug , der aber zu fliichtig ist , um den Gedanken -
gang des Redners genau erkennen zu lassen . Doch ist es
nach der Lage der Dinge als feststehend anzusehen , daß
Präsident Weizmann unter dem Einfluß der mißtrauischen
Stimmungen sich befand , von denen das jiidische Volk in
Palästina zurzeit beherrscht ist . Es besteht eine sehr starke
Erregung , die sich an die bekannten Verordnungen über die
Neuorganisierung der Militärmacht knüpft und die auch
nach der Veröffentlichung der zweiten Kundmachung nicht
abgeflaut ist . Ter ausdrücklich ausgesprochene Ausschluß
der jüdischen Mannschaften aus der neu zu organisierenden
Schutztruppe wurde zurückgezogen . Aber es bestehen sehr
ernste Anzeichen dafür , daß dieser Ausschluß nunmehr
mit Hilfe von formalistischen Vorwänden trotzdem durch¬
geführt wird . Auf Umwegen wird das Ziel , die Landes¬
verteidigung den arabisch - nationalistischen Elementen in die
Hände zu spielen , angestrebt . Das ist eine Verletzung der
Ehre der Juden , gleichzeitig aber auch eine Bedrohung der
Situation der jungen jüdischen Siedlung .
In der jüdischen Nationalvertretung kamen diese
Empfindungen zu sehr scharfem Ausdruck und Präsident
Weizmann wies selbst auf die Notwendigkeit hin , die Be¬
schwerden vor den Völkerbund und gegebenenfalls vor den
Haager Schiedsgerichtshof zu tragen und Abhilfe zu for¬
dern . Dieser Weg muß beschritten werden . Die Zionistische
Organisation darf es nicht geschehen lassen , daß so tief in
die Entwicklung einschneidende Maßnahmen ohne ihre
Zustimmung erfolgen . Sie muß auf eine Klarstellung
des Verhältnisses zwischen Mandatsregierung und Man¬
datsvoll dringen und eine unzweideutige Erklärung des
Völlerburwes provozieren , der schließlich mit seiner
Autorität dafür verantwortlich ist , was in seinem Namen
und im Schatten seines Protektorates . geschieht . Der jü¬
dischen Vertretung ist im Mandat die Funktion zuge¬
wiesen , der ausführenden Macht mit Rat und Tat in
allen Angelegenheiten zur Seite zu stehen , die sich auf die
Errichtung der nationalen Heimstätte beziehen . Das kann
nicht anders verstanden werden , als daß die Mandats¬
macht die jüdische Vertretung in allen Angelegenheiten
dieses Charakters zu Rate zieht und zur Tat auffordert .
. Das jüdische Volk baut seine nationale Zukunft , das
Mandat ist sein einziger politischer Besitztitel und wenn¬
gleich es eine Doktorfrage sein kann , ob die Zionistische
Exekutive staatsrechtlich oder völlerrechtlich Subjekt ist , so
ist doch außerhalb jeder Diskussion , daß der Völkerbund
dem jüdischen Voll helfen wollte , sich eine Heimstätte zu
errichten . England hat den Auftrag erhalten , das jüdische
Voll zur nationalen Selbständigkeit zu geleiten . England
hat die Voraussetzungen hiefür geschaffen und sich um den
Auftrag bemüht ; sicherlich nicht bloß aus altruistischen
Motiven allein , sondern auch in der Ueberzeugung , daß
der Dank und die Freundschaft eines so hochstehenden
Volles , das in allen Staaten und unter allen Nationen
lebt , auch einiger Mühe wert ist .
Aber die englische Gesellschaft hat sich im Lauft der
Zeit gewöhnt , Palästina mit anderen Augen zu betrachten .
Es ist nicht mchr Mandatsgebiet für eine längere oder
kürzere Dauer , sondern eine Kolonie im Aktionskreis
britischer Macht . Dieser Auffassung entspricht es , wenn
die englische Verwaltung sich einzig und allein von den
Rücksichten einer politischen Mechanll leiten läßt , die
den großen Zweck ihres Auftrags aus den Augen ver¬
liert . Es mag sein , daß für Engümd , das in Kontinenten
denkt , die ganze Frage nur eine untergeordnete Bedeutung
besitzt . Aber nicht für das jüdische Volk , dessen Lebens¬
interesse in Frage steht und das seine Angelegenheiten
nicht ewig in der Hand antisemitischer Subalterner belassen
darf . Was in Palästina geschicht , das trifft das ganze
jüdische Voll . Die zionistische Politik kann unsere
Angelegenheiten nur mit jüdischem Maße messen ;
sie hat die Schwierigkeiten zu schen , abzufchätzen , aber auch
die Mittel zu ihrer Ueberwindung zu suchen . Daß unser
Werk nicht auf den ersten Wurf gelingt , daß es als Protest
gegen die Feindschaft einer ganzen Welt immer auf er¬
bitterten Widerstand stoßen muß , das haben wir gewußt
lind an diesen Hemmungen muß unsere Kraft wachsen .
In der Politik , die das Leben eines Volles umfaßt , kann
es kein fatalistisches Sichbescheiden geben . Unser Recht
stcht unter der Garantie des Völkerbundes und wenn es
irgendwo durch die Praktiken bureaukratischer Judenfeinde
verletzt wird , so muß der Völlerbund zur Wahrung seiner
Unterschrift einschreiten . Ihn auf diese Pflicht aufmerksam
zu machen , ist die Aufgabe der Zionistischen Exekutive als
der jüdischen Vertretung und als des Trägers des Ber -
- rawuls der jüdischen Allgemeinheit .
24 . April 1020
Ute palästinensische S
« MN
Die Uebernahme der
JttlisMN , 20 . April . ( $ . r . A . ) Kolon el Del « sh er ,
der tisherige Kommandant der soebrn demobilisierten palästi¬
nensischen Gendarmerie , wurde zum Kommandeur de S
neuen G r r n z s ch u tz k o r p s ernannt .
Ter Direktor der palästinensischen Polizeitruppe A . S .
Mavrocordato sprach sich gegenüber einem Vertreter
der Palästinensischen Telegraphenagentur über die jüdischen
Beschwerden wegen des Ausschlusses von Juden aus der neuen
Grenzschutzmacht in folgender Weise aus : Die Juden haben
keinen Grund zur Klage . Die Grenzmacht wird von Trans¬
jordanien organisiert , & mtm passen Juden nicht recht hinein .
Wollen die Juden ihrem Lande Palästina dienen , so dielet
ihnen die p a l ä st l n e n s i f ch e P o l i z e i t r u p P e Ge¬
legenheit hiezu . 110 Juden , die der demobilisierten Gendar¬
merie angehört haben , sind bereits von der Polizeitruppe
übernommen worden . Unter den jetzt tausend Mitgliedern der
Polizeitruppe sind 200 Juden . Ich bin bereit , noch viel mehr
Juden , soweit sie sich für den Dienst eignen , auszunchmen .
Der jüdische Schutzmann ist im allgemeinen fähiger
als der arabische . Das neue Grenzschutzkorps wird insgcsaiut
750 Mann zählen . 200 wenden in Alästina untergebracht
sein . Die ganze Truppe kann jederzeit auch in
Palästina verwendet werden . Im Zusammen¬
hang mit der Reorganisation kamen mannigfache Umbesetzun -
gen im Polizeikorps vor .
Weitere jüdische Proteste .
Jerusalem , 20 . April . ( I . T . A . ) Die Achdüth Haawodah
( palästinensische Poale Zion ) hielt in T > e l - A w i w ein
Massenmeeting alb , dem mehr als 3000 Personen beiwohnten ,
um gegen die Verletzung der jüdischen Rechte in der palästi -
nenfffchen Schutzmachi zu protestieren .
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jüdischen Sendarmen .
Der erste Redner , Herr GoloMst kritisierte scharf dl »
ungenügende ( rganisatien der Lchutzkräsie im Laube und
brachte auch die Benachteiligung der Juden im Erzieh " ngs -
wesen und bei Verteilung össemlicher Arbeiten ' zur Sprache .
Herr Z . Rubaschow appellierte an die Judenheit Palä¬
stinas . die vollste Ersüllnug ibrer Rechte zu fordern . Herr
B . Katz nelson brachte eine Resolution ein , in welcher
gegen den Plan protestiert und ' . - ntweder eine gemischte
Schutz macht oder , wenn schon eine rein arabische Legion ge¬
bildet wird , auch die Aufstellung einer eigenen jüdi¬
schen Truppeneinheit gefordert wird . Die Resolution
wurde einstimmig angenommen .
Amery über die Ausweisung des russischen
Handelsvertreters .
London , 20 . April . ( I . T . 21 . ) Der Minister für die
Kolonien , Zl nie r y , machte im Unterhaus die folgende Mit¬
teilung : Dem Minister war nicht bekannt , daß der Chef der
sowjetrussifcheu 2lrcuSorgantsation durch Lord Planier aus
Palästina wegen antibritischer Propaganda ansgewiesen
worden sei . Der Oberkommissär hat Maßnahmen getroffen ,
damit die W i c d e r e > n r e i s e des Leiters der Arcus nach
Palästina verhindert werde . Tie Scwjetregierung hat in
dieser Angelegenheit keine offiziellen Vorstellungen erhoben ,
aber inoffiziell hat der russische Charge d ' Affaires ■ ' in
London an gefragt . Es wurde ihm mitgeteilt , es bestehe nicht
die Absicht , sich in die Angelegenheiten der
lokalen Behörden e i n z u m i s ch e n . Vom Ober -
lkommissär ist über die Tätigkeit der Arons im vergangenen
Jahre kein Bericht eingegangen .
Die ägyptischen Lehrer .
Jerusalem , 20 . April . ( I . T . A . ) Die Zionistische Exe¬
kutive Palästinas gab zu Ehren der jetzt in Palästina weilen¬
den Lehrer aus Aegypten ein Bankett . Ansprachen hielten
Dr . Weizmann , Kolonvl Kisch , der Direktor des Bil -
dungsdepartements der Regierung B o w m a n , der ägyptische
Vize minister Rushldi Bei , der ägyptische Konsul in
Palästina sowie Azaryan im Namen des Maad Hachinuck
( zionistischer Erziehungsrat ) und B h a ch y a n im Namen der
hebräischen Lehrer Palästinas .
Die Mische Politik in Polen .
« eutzenmgm führender Mischer Parlamentarier .
Unser Warschauer Korrespondent nahm Gelegenheit ,
die Ansichten der führenden jüdischen Politller über die
jüdische Politik in Polen und über das Verhältnis der
Juden zu der Regierung und zu den Minoritäten ein -
züholen . Im nachfolgenden geben wir die uns über¬
mittelten Aeußerungen der Abgeordneten Dr . Thon und
Dr . Schmorak :
Abgeordneter Dr . Thon :
„ Im Hintergründe der jüdischen Politik in . Polen
steht noch immer die sogenannte „ Ugoda " . Ich will aber
gleich bemerken , daß dieser Ausdruck , der sich eingebürgert
hat , nicht ganz glücklich gewählt ist . „ Ugoda " heißt Kom¬
promiß , Ausgleich ; wir aber strebten nach einer Verstän¬
digung , nach einer „ Zgoda " , wie sie polnisch genannt
werden müßte . Eine Verständigung unter Wah¬
rung unserer gesamten nationalen Einstellung scheint mir
eines der wichtigsten Mittel der jüdischen Politik zu sein .
Die Verständigung , die zwischen der jüdischen parlamen¬
tarischen Repräsentanz und der polnischen Regierung zu¬
standegekommen ist , sollte den Fr reden bedeuten nach
einem harten Kampf um unsere nationale Eigenart .
Diese Ugoda sollte eine neue Periode anbahnen , in welcher
der politische Kampf um den Ausbau der jüdischen Rechte ,
deren Grundsätzlichkeit anerkannt wurde , geführt werden
sollte . "
Frage : Es werden aber Stimmen erhoben , daß
diese Verständigung inhaltlich att und für sich mangelhaft
tvar ?
„ Mt Unrecht , denn diese Verständigung enthält so
ziemlich alles Wesentliche der jüdischnativnalen Forde¬
rungen einschließlich der Anerkennung der Berechti -
g u n g zu einer nationalen Einstellung der jüdischen
Politik in Polen , was mir sehr bedeutend erscheint . Die
national orientierte Politik der Juden sollte von nun an
keinen Stein des Anstoßes in dem Verhältnisse der pol¬
nischen Negierung und der polnischen Parteien zu den
Juden bilden . "
Frage : Man erwartete von der Verständigung , daß
sie einen Modus vivendi für die jüdischen Massen in Polen
bringen wird , der aber ausgeblieben ist . Warum ?
„ Einfach deshalb , weil diese Verständigung von
Seiten der polnischen Regierung bis jetzt nicht durch¬
geführt wurde . Sie brachte zwar eine Abstumpfung
der Waffen den Juden gegenüber , in der Presse und
überhaupt im öffentlichen Leben . Das sind Erfolge , wenn
sie auch keine messianischen Zeiten zu nennen sind . Wirt¬
schaftlich dauert der Boykott und die antisemiti¬
sche Hetze gegenüber dem jüdischen Händler und Hand¬
werker fort . Deren Lage wird immer unhaltbarer . Der
Jude wird bei der Krediterteilung übergangen , der Staat ,
der sich wirtscbaftlich selbst in katastrophaler Lage befindet ,
zehrt an der Wirlschastssubstauz . Er sucht nach neuen
Steuerobjekten und da ergreift er am leichtesten den
Mischen Kaufmann . Starke Verbitterung ergreift die
jüdischen Massen angesichts solcher Lage . "
Frage : Was denken Sie über die zukünftige Politik
des Kolo ?
„ Die gegenwärtige Leitung des Kolo ging aus der
Opposition hervor , aber trotzdem will und kann sie
keinen neuen Weg einschlagen . Es ist zu erwarten ,
daß ihr ^ mchr positive Erfolge vergönnt sein werden ,
schon aus dem Grunde , weil die mchr oder weniger per¬
sönlichen Momente , die für die Opposition gegenüber der
früheren Leitung ausschlaggebend . waren , gegenüber der
neuen Leitung verstummen und ihr freie Hand lassen
werden . "
Frage : Was denken Sie über den Einfluß der
polnisch - jüdischen Verständigung auf das Verhältnis der
Juden zu den übrigen nationalen Minder¬
heiten ?
Unser Vechältnis zu den nationalen Minderheiten
in Polen möchte ich , zunächst negativ gefaßt , folgend
charakterisieren : Wir wollen nichts tun und uns zu nichts
verwenden lassen , was zur Unterdrückung irgend einer
Minderheit führen kann . Positiv gefaßt will ich bemerken ,
daß wir Juden für die restlose Durchführung der natio¬
nalen Mindevheitsrechte kämpfen werden , aber inner¬
halb des Staates . Da gehen unsere Wege von
denen anderer nationaler Minderheiten auseinander . Diese
wollen für sich Majoritätsrechte , wir aber wollen in
ethischer und politischer Hinsicht für den Staat arbeiten
und nicht ihn sprengen . Wir Juden sind und bleiben das
klass is che Beispie l der nationalen Minderheit , und
das Komitee der Jüdischen Delegationen in Paris ist der
eigentliche Schöpfer der . nationalen Minder -
h e i t s r e ch t e , die dank den Delegationen in dem Ver¬
sailler Friedensvertrage bestätigt wurden .
Abgeordneter Dr . Emil Schmorak :
Frage : Wie ist Ihre Meinung über die Ugoda ?
„ Allenthalben erfährt gegenwärtig die jüdiich - volnische
Verständigung eine starke Anfeindung , darunter auch
seitens solcher jüdischer Politiker , die ursprünglich diese
Politik selbst mitgemacht haben . Ich will aber unter¬
streichen , daß diese Verständigung immerhin eine neue
Phase der jüdischen Politik in Polen eingeleitet lhat .
Es war dies das erste m a I , daß die polnische Regierung
gegenüber der jüdisch - parlamentarischen Repräsentanz offi¬
ziell Verpflichtungen in bezug auf Erfüllung einer ganzen
Reche von wichtigen politischen , wirtschaftlichen und kul¬
turellen Postulate übernommen hat . Dieser Präzedenzfall
wird der jüdischen Politik im Vechältnis zu den kom -
menden polnischen Regierungen und zu
allen polnischen Parteien im Sejm von großem Nutzen
sein . "
Frage : Diese Verständigung aber , heißt es , blieb
nur auf dem Papier ?