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n .. I
5. Jahrgang
Wien, Donnerstag, 25« August 1932 (23. Aw 5692)
Nummer 242
Die Lage der Juden
in Deutschland
Von Georg Kareski.
(Aus seiner Rede auf der Genfer Konferenz.)
Obwohl wir Juden in Deutschland nur ein kleines Häuf¬
lein von 550.000 Menschen sind, haben wir die merkwürdige
Erscheinung zu verzeichnen., daß dieses Deutschland, und
zwar im wesentlichen durch das jüdische Problem, im Brenn¬
punkt des Weltinteresses steht. Ich möchte feststellen, heute
noch ist die rechtliche Situation der deutschen Juden unange¬
tastet, heute noch erweist sich die Verfassung der deutschen
Republik als ein Schutz der Rechte aller ihrer, auch der jüdi¬
schen Bürger. Heute noch steht die Regierung, wie wir aus
manchen Er.ahrungen auch der letzten Tage, entnehmen
können, auf dem Standpunkt, Leib und Gur und Rechte auch
der jüdischen Bürger in Deutschland zu schützen. Die Frage,
was kommen wird, wenn diese Regierung nicht mehr auf
ihrem Platze sein sollte, ist eine Frage, die niemand beant¬
worten kann. Aber vielleicht ist die Frage sogar noch schwie¬
riger, vielleicht gibt sogar die jetzige Situation erst recht
einen Grund zu Besorgnissen, auch wenn man davon ausgeht,
daß vieles von dem, was in den letzten Wochen in die
Oeffentlichkeit hinausgegangen ist, in einer stark über¬
triebenen Form hinausgegangen ist — vielleicht klang es so,
als ob es heute ftr einen Juden lebensgefährlich wäre, über
den Kurfürstendamm oder die Friedrichsstraße in Berlin zu
gehen — so liegen die Dinge doch nicht. Ich warne vo«r
Uebertreibungen, weil solche naturgemäß die Wirkung ab¬
schwächen müssen, wenn wirklich ernste Dinge zu berichten
sein sollten. Die heutige Regierung hat den Schutz der jüdi¬
schen Bürger auf ihre Fahne geschrieben. Durch den besten
Willen einer Regierung kann jedoch nicht die Erscheinung
aus der Welt geschafft werden, daß 14 Millionen der
deutschen Bevölkerung sich auf ein Programm festgelegt
haben, das Haß gegen die Juden predigt. Das Anschwellen
der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland ist nicht
nur durch den von ihnen propagierten Judenhaß zu erklären.
Diese in ganz kurzer Zeit lawinenartig gewachsene Bewegung
stellt kein einheitliches Gebilde dar. Es gibt unter den 14 Mil¬
lionen Nationalsozialisten eine Reihe von Menschen — wir
erinnern an Keyserling — die mit ganz anderen Maßstäben
gemessen werden müssen. Wer wird letzten Endes bei dieser
Bewegung sich durchsetzen und wer wird letzten Endes aus¬
schlaggebend sein? Dies ist das große Problem.
Wenn wir uns fragen, wie dieser Ansturm des Juden¬
hasses entstanden ist, so muß gesagt werden, daß selbst
wohlmeinende Leute von jüdischer Schuld sprechen. Man
wir t uns vor, daß es unter den Juden wirtschaftliche Hyänen
und unzuverlässige Wirtschaftsführer gegeben hat, und daß
eine Reihe von Skandalen an jüdische Namen anknüpft. Wer
die Dinge wirklich kennt, weiß, daß es sich hier um Aus-
r.ahmeerscheinungen handelt, wie eben solche Vorkommnisse
als Ausnahmeerscheinungen auch bei Nichtjuden häufig ge¬
nug vorgekommen sind, und daß die große Masse der
deutschen Juden solche Vorkommnisse genau so bedauert
und mißbilligt, wie die anständigen Menschen überhaupt,
Man könnte vielleicht einen Vorwurf gegen die deutschen
Juden erheben, daß sie nicht nachdrücklich genug ihre ab¬
lehnende Haltung gegenüber Schädlingen in den eigenen
Reihen in der Oeffentlichkeit zum Ausdruck gebracht haben.
Aber es wäre ein absoluter Trugschluß, wenn wir uns ein-
reden wollten, daß wi.r durch eine Art Sündenbekenntnis für
andere den Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung
irgendwie hätten hemmen können. Diese nationalsozialistische
Bewegung ist annähernd parallel gewachsen mit der wirt¬
schaftlichen Verelendung in Deutschland. Und da möchte ich
gleich vor einem neuen Trugschluß warnen, nicht etwa zu
glauben, daß in dem Moment, wo wieder ein wirtschaftlicher
Aufstieg beginnt, ein ebenso starkes Ab lauen der antisemiti¬
schen Welle zu verzeichnen sein wird. Der Mittelstand in
Deutschland ist zusammengebrochen, aber wenn die Nicht-
juden diese Dinge leichter tragen können als wir. so beruht
dies auf unserer soziologischen, wirtschaftlichen Struktur, die
nicht dem allgemeinen Durchschnitt entspricht. Das deutsche
Judentum der Vorkriegszeit war ein Mittelstandsjudentum und
da der ganze Mittelstand zusammengebrochen ist, so heißt
das, daß das deutsche Judentum in seiner Totalität zusam¬
mengebrochen ist, während bei den anderen wichtige Be¬
völkerungsschichten zwar geschwächt, aber doch in ihrer
Funktion intakt geblieben sind. Nur bei uns besteht die ganze
Volksmasse aus einem Trümmerhaufen, wenn es nicht ge¬
lingt, sie in neue wirtschaftliche Form umzugießen. Zu diesen
Dingen, die sich automat’sch ausgewi'rkt haben, ohne daß es
eines besonderen judenfeindlichen Anstoßes bedurfte, kommt
ein bewußter Ausschaltungsprozeß aus dem wirtschaftlichen
Leben.
Und dazu kommt noch etwas anderes. Selbst wenn wir
an nehmen, daß in zehn oder zwanzig Jahren wieder einem
ein wirtschaftlich normales Leben in Deutschland möglich
sein witrd. dann wird die Jugend da sein, die heute an
deutschen Schulen und deutschen Hochschulen mit dem
Geiste des Judenhasses ausgefüllt wird. Wir müssen, wenn
wir uns heute noch über unsere Bilanz klar werden wollen,
an diese Dinge denken, die erst in zehn bis zwanzig Jahren
sich voll auswirken werden. Wir worden, wie es uns die
Juden in den anderen Ländern gezeigt haben, durch Aufbau
eines jüdischen Genossenschaftswesens versuchen müssen,
Ersatz zu schaifen für die jüdische Einzelexistenz, durch <
Ziele und Aufgaben
der jüdischen WeMeonfevenz
Dos Referat Dr. Stephen Wises
Im Mittelpunkt der ersten Sitzung der Genfer jüdischen
Weltkonferenz stand das Referat des Ehrenpräsidenten des
American Jewish Congress Dr. Stephen S. Wise über
Ziele und Aufgaben der jüdischen Weltkonferenz. Er betonte,
daß auch in üen Kreisen des American Jewish Congress noch
keine Einstimmigkeit hinsichtlich des geplanten Weltkongres¬
ses bestehe, daß es aber Aufgabe der Konferenz sei, die Frage
seiner Einberufung vorurteilsfrei zu prüfen. Rabbi Wise führte
aus:
Die jüdische Weltkonferenz wurde auf Grund der Be¬
schlüsse der 9. und 10. Tagung des American Jewish Con¬
gress einberufen. Die Konferenz hat zwei Aufgaben: 1. die
Lage der Juden in den verschiedenen Ländern sowohl in poli¬
tischer wie in ökonomischer Hinsicht zu erörtern; 2. eine Ent¬
scheidung herbeizuführen bezüglich der Einberufung eines
jüdischen Weltkongresses.
Diese Konferenz wie auch ein jüdischer Weltkongreß
bergen in sich keinerlei Gefahren für das jüdische
Volk. Die Furcht vor solchen Gefahren ist die Ausgeburt
einer ängstlichen Opposition zu dem Kongreßgedanken. Wir
sind ein lebendes Volk und als ein solches müssen wir uns
beraten und Ausdruck für unseren Willen finden. Es gibt kein
Volk auf der Welt, das darauf verzichtet, in öffentlicher Zu¬
sammenkunft seine Politik zu bestimmen* Das jüdische Volk
hat nichts zu verbergen und scheut nicht die Öffentliche Dis¬
kussion seiner Lebensfragen. Auf dieser Konferenz treten sich
nicht, wie gesagt wurde, «Bettler auf der Brücke von Kon¬
stantinopel ,die ihre Wunden dem Publikum zeigen», sondern
Ankläger vor dem Tribunal der Weltöffi'r , H : ch , -"it, <Fe
ihren Pirotest proklamieren wollen gegen das Unrecht, das
einem großen Volke durch andere Völker geschieht, die
geistig und moralisch die Nutznießer der Kultur dieses Volkes
sind.
Es mag sein, daß Jahre vergehen werden, bis der
Weltkongreß zusammentreten wird, aber zusammentre¬
ten wird er und muß er. Mit einem Volke, welches
nicht wagt, gemeinsam und öffentlich seine eigenen Probleme
zu besprechen, wird niemand rechnen. Selbst wenn nicht das
Schreckgespenst des Antisemitismus vorhanden wäre, be¬
stünde die Notwendigkeit eines jüdischen Weltkongresses zur
Erörterung der innerjüdischen Fragen.
Dr. Goldmann über die Vorarbeiten zur Konferenz
Dem Referat Dr. Wises ging ein von Dr. Nahum Gold¬
man n erstatteter Bericht über die Vorarbeiten zur Organi¬
sierung der Konferenz voraus. Dr. Goldmann setz+e sich mit
der Opposition in verschiedenen jüdischen Kreisen auseinan¬
der und wies die von den Gegnern vorgebrachten Bedenken
und Argumente zurück. Nichts ist natürlicher, sagte er. als
daß ein Volk von der Bedeutung des jüdischen und bedroht
von so vielen Leiden und Gefahren seine maßgebenden Ver¬
treter Zusammenkommen läßt, um s ! ch über seine Lage klar
zu werden und über Maßnahmen zu einer Verbesserung
seinerSituation und zu einer Verteidigung seiner
politischen, sozialen und ökonomischen Rechte zu beraten.
Die allgemeine Aussprache
wurde unmittelbar nach den Re'eraten Dr. Goldmanns und
Dr. Wises eröffnet. Sonntag abends konstituierte sich eine
politische und eine Organisationskommission. Am Dienstag,
den 16 August, erstattete Professor G'tlido Tedesci sein
Referat über den Vorschlag einer internationalen Konvention
gegen den Antisemitismus, Der Plan einer solchen Konvention
wird in einer Denkschrift entwickelt, die allen Konferenzteil¬
nehmern in italienischer, deutscher und englischer Sprache
zugegangen ist Im ersten Abschnitt dieser Schrift wird der
internationale Charakter derjudenfrage be¬
tont. im zwei:eil die Möglichkeit g e s e t / I ; r h e r
Unterdrückung des Antisemitismus als Ergän¬
zung zum ethischen und religiösen Minderheitenschutz unter¬
sucht, wobei ausdrücklich hervorgehoben wird, daß es sich
nicht darum handle, ein Vorrecht für die Juden zu schäften,
sondern gegen eine Gefahr, die, im Gegensatz zu anderen
Bürgern, nur sic bedroht, Stellung zu nehmen. Im dritten Ab¬
schnitt wird die Zweckmäßigkeit einer inter¬
nationalen Konvention gegen den die Sicherheit
der Staaten bedrohenden Antisemitismus dargelegt.
Der Wortführer Deutschlands
Am 15. August sprach der ehemalige Vorsitzende der
Jüdischen Gemeinde Berlin, Direktor Georg Kareski,
i über die Lage der Juden in Deutschland und die Möglichkeit
j von Komplikationen, die sich aus den augenblicklichen politi-
! sehen Verhältnissen entwickeln könnten. Wenn auch ein jtidi-
j scher Weltkongreß in diesem Augenblick für die Verbesse-
i rung der Lage der Juden in den osteuropäischen
j Ländern von größerer Bedeutung wäre als für eine Lösung
der Judenrage in Deutschland, so könnte die Entwicklung
j doch einen solchen Gang nehmen, daß die deutsche Juden-
heit in absehbarer Zeit in einem gemeinsamen jüdischen
Forum die einzige Stelle finden würde, von wo aus ihre
Stimme gehört werden könnte. Es sei mit der Möglichkeit zu
rechnen, daß eines Tages auch die von deutschjtidischer Seite
geführte Aufklärungskampague unterdrückt werde. Wenn ein¬
mal die Nationalsozialisten in Deutschland zur Macht keimen,
! sei es fraglich, wessen Einfluß vorherrschend .Nein werde: ob
| der der judenfeindliehen Masse oder der gewisser national¬
sozialistischer Intellektueller vom Typus des Grafen Keyser¬
ling, die sich der nationalsozialistischen Bewegung aus rein
! idealistischen Motiven angeschlossen haben. Die augenblick¬
lich größte Gefahr für die deutsche Judenheit stelle der auf
den Ausschluß der Juden aus dem Wirt¬
schaftsleben gerichtete systematische Prozeß dar. Die
vorwiegend dem Mittelstand angchörigen deutschen Juden
seien schon heute wirtschaftlich vollkommen zugrunde ge¬
richtet. Trotz allen Bemühungen, möglichst viele Existenzen
durch Zusammenfassung der Juden in kooperativer. Organi¬
sationen zu retten, könne der Redner keine Möglichkeit zu
einer Lösung der jüdischen Wirtschafts rage in Deutschland
in großem Maßstab erblicken. Zwischen der Deklassierung
der 'russischen Juden nach der Revolution und dem wirt¬
schaftlichen Niedergang der Juden in Deutschland bestehe
große Aehnlichkeit. Es dürfe, was immer auch das künftige
Schicksal der nationalsozialistischen Bewegung sein möge,
mit einer wesentlichen Verbesserung der Lage der Juden in
Deutschland nicht gerechnet we'den, da das gesamte
deutscheLebenmehrundmehrvon Judenhaß
durchtränkt wird und der Antisemitismus in der heran-
wachsenden Generation tief Wurzel geschlagen hat. Die mög¬
lichen Folgen dieses Zustandes würden erst in 10 bis 20 Jah¬
ren vo’l in Ersc!i'' : ni'ng P r a*i H-”'l von <o‘ao ■ .\r'n.
Darstellungen erstattete Bericht Direktor Kareskis machte auf
die Konferenz tiefen Eindruck.
Die Lage der Juden in Osteuropa
wurde in den Reden des Präsidenten des Jüdischen Parla¬
mentsklubs in Rumänien Dr. Mayer Ebner und des pol¬
nischen Delegierten Dr. Schmorak beleuchtet. Beide Red¬
ner wiesen darauf hin, daß in den Ländern Osteuropas der
Antisemitismus in Verbindung mit ä u ß e r s t e <r Armut
unter den jüdischen Massen den Juden das Lehen zur Hölle
»rache. Jeder dieser beiden Faktoren würde das jüdische
Leben auch für sich allein schon schwer genug machen, die
Vereinigung beider aber steigere die Not zur Unerträglichkeit.
Hierzu komme, daß eine, wenn auch nicht direkt gegen die
i Juden gerichtete Gesetzgebung zu deren vollständigem Ruin
führe. Man sollte erwarten, daß die Regierungen in der Ge¬
setzgebung auch die Interessen der Juden, die einen bedeu¬
tenden Teil der Bevölkerung aiismachen, berücksichtigen.
Nachdem Abg. Dr. Nurok-Riga im Namen des balti-
p——— i . ■ ■■ ■ . . .... » m
kollektive die individuelle Wirtschaft zu ersetzen, und es ist i
eine schwere Anklage gegen das deutsche Judentum, daß es '
auf diesem Gebiete in Deutschland bisher bei bescheidenen
Anfängen geblieben ist, und daß es erst übermächtiger Kata¬
strophen bedarf, um die Augen zu öffnen für eine Erkenntnis,
die schon längst hätte Gemeingut des deutschen Judentums
sein müssen. Dabei bin ich mir des Umtandes voll bewußt,
daß wir deutschen Juden selbst diese Dinge etwas anders
sehen müssen als die Juden in den Ländern jüdische: Massen-
Siedlung, und zwar deshalb, weil die Dinge bei uns eine andere
Dynamik haben. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob in
einem Staate von ungefähr 15 Millionen Menschen 1 Million .
Juden vorhanden ist, oder ob in einem' Lande von über 60
Millionen Menschen 550 OCX) Juden wohnen. Und wir wissen,
daß uns in unserer Situation nur die bescheidene Aufgabe
übrig bleibt, mit den Resten unserer wirtschaftlichen Kra t
emem kleinen Teil unserer Menschen zum Wiederaufbau zu
helfen, während, wie ich fürchte, der großen Masse unserer
Menschen, in Deutschland wenigstens, Hilfe kaum gebracht
werden kann. j
Die Lage der deutschen Juden wird sicherlich in der
nächsten Zeit keine wesentliche Milderung erfahren. Wir
stehen in einer ähnlichen Situation, wie das russische Juden¬
tum bald nach der Revolution, wo es hei ausgeworfen wurde
aus dem wirtschaftlichen Leben und sich auf neue Erwerbs¬
zweige einstellen mußte. Wir sind der Meinung, »aß dpr
jüdische Weltkongreß, wenn er kommen wird, ein mächtiger
Mahnruf an die Juden aller Ländür und Schichten sein wird,
daß er die Möglichkeit schafft, cs der Welt ins Gesicht, zu
schreien: Wir sind das, was unsere Väter gewesen sind, und
wir haben ein Recht darauf, diese unsere Eigenart zu ver¬
trete n.
Den Assimilanten in Deutschland rufe ich zu: Heute noch
habt ihr die Möglichkeit, in Eurer Presse und in Euren Ver¬
sammlungen zu schreiben und zu reden Aber niemand weiß,
wie lange Ihr noch diese Möglichkeit haben werdet, und dann
wird es auch für Euch nur eine Möglichkeit geben, zu der
Welt zu sprechen, nämlich durch den jüdischen Kongreß. Wir
hoffen, daß diese Stimme so laut erschallen wird, daß dat
Gewissen der Völker wieder erwacht.