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Abulafia , zu verdanken haben und dadurch in den Stand -
gesetzt sind , seine groteske , tolle Mystik zwar nicht zw
verstehen , aber zu begreifen und zu verzeihen . Die über¬
aus rätselhaften und wegen ihrer Rätselhaftigkeit bei den
Kabbalisten angesehenen Bücher , „ Pelia " und „ Kana " , in
denen ein himmlischer Geist einem dreijährigen Wunder¬
kind und dessen greisem Großvater übersinnliche Myste¬
rien offenbart , hat er als Plagiate erkannt und entlarvt ,
welche größtenteils einem Buch des Abraham Abulafia
entlehnt ' sind ( Bet ha Midrasch , T . III1859 . 8 . XXXVIII ) .
Haben in der alten Kabbala gutgläubige oder verschlagene
Köpfe durch Berufung auf alte Autoritäten oder ge¬
fälschte Zitate versucht , das Alter ihrer Wissenschaft zu
erweisen , so ist durch die Bücher Pelia und Kana , wie
an einem Schulbeispiel , dargetan , daß die Geister im
Himmel , wenn sie über transszendente Dinge Auskunft
geben , die Bücher auf Erden plündern .
3 .
Jellinek liebte es , aus allen Jagdgebieten der jüdi¬
schen Wissenschaft frei nach Lust und Laune umherzu¬
streifen , er hat auch hierbei manchen guten Treffer erzielt ;
mit sprachwissenschaftlichen und streng religionsphilosophi¬
schen Versuchen , um die er sich anfangs gar sehr bemühte ,
hat er jedoch wenig Ruhm geerntet . Trotzdem hat er
allen Verehrern der jüdischen Wissenschaft einen großen ,
noch lange nicht genug gewürdigten Dienst geleistet durch¬
seine zahlreichen Editionen handschriftlicher Werke oder
Fragmente und durch eine Neuausgahe seltener und schwer
zugänglicher Druckschriften , die er mit mehr oder minder
wertvollen , immer aber interessanten Einleitungen und
Zusätzen begleitete . So z . B . „ Thomas von Aquino in
der jüdischen Literatur " ( Leipzig 1853 ) , „ Märfilius ad
Jnghen " ( Leipzig 1859 ) , um nachzuweisen , daß die Juden
fich eifrig mit der christlichen Scholastik beschäftigt und
mancherlei aus deren Werken in ' s Hebräische übertragen
haben ; ferner „ R . Mose ben Nachman ' s Dissertation