ss. Januar. Nr° 5. 1841.
Israelitische Annalen.
Ein Centralblatt
für
Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten
aller Zeiten und Länder.
Herausgegeben von Dr. I. M. Jost.
Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3. — fl. 5; man subscribirt
bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes.
Die doppelten Festtage. — Jrrtdümer der Reiseberichte über Krakau. — Neue Leistungen der kritischen Schule (Foris.) — Das israelitische Schulwesen in
der Pfalz, von E. Grünebanm (Fortsetzung). — Londoner Meeting betreffend Sir MoseS Montefiore. — Nachrichten und Eorrcspondenzcn: Aus Böhmen;
Gallizien; Baiern; Stuttgart; Heidelberg. — Notizen.
Die Hoppelten Festtage.
(Einges andt.)
Schon seit mehreren Decennien ist die Frage
angeregt, ob die offenbar erst nachbiblische angeord¬
nete Feier der Doppelfefte, welche von der ehema¬
ligen Unsicherheit in Ansetzung der Neumonde her¬
rührt, abzuschaffen sei, indem das Gesetz nur
immer einen Tag ansetzt. In Deutschland haben
mehrere Rabbinen nicht Anstand genommen zu er¬
klären, daß der zweite an Heiligkeit dem ersten
nachftehe, und gestattet, daraus individuell für das
Gewissen Folgerungen zu ziehen, obwohl sie selbst
dessen strenge Beobachtung für nöthig erachteten.
Diese Jnconsequenz mußte allein hinreichen, ihrer
Entscheidung alles Vertrauen zu entziehen, und so
steht diese ganz vereinzelt da. — Die neue Gemeinde
in London geht mit demselben Gedanken um, und
hatte sich sogar Anfangs ganz und gar für Abschaf¬
fung des zweiten Feiertages erklärt, ist aber, dem
Vernehmen nach, davon wieder vorläufig abgegan¬
gen, da sich die Mehrheit nicht in eine solche Reform
finden mag. — In Frankreich ist der Gegenstand
neuerdings zur Sprache gebracht, aber von vielen
Rabbinen als völlig unzulässig abgewiesen worden.
Das letzte Heft der Archives Israelites von 1840
bringt aber ein Schreiben des bekannten geistreichen
Reformers, welches die Frage von der ökonomischen
und moralischen Seite beleuchtet, und worüber wir
einiges anzumerken finden.
Er will, sagt er, weder in die Legalität, noch
in die Thunlichkeit, noch in die Zeitmäßigkeit einer
Abschaffung des zweiten Feiertages eingehen, und
nur das ökonomische (und nacher das moralische)
Ergebniß in's Auge fassen. Angenommen es seien
10,000 Individuen in Frankreich zur arbeitenden
Klasse, darunter auch die Kleinhändler gerechnet, ge¬
hörig, und jeder Tag im Allgemeinen auf iy 2 Frs.,
jeder Feierrag auf 2 Frs. Verbrauch zu veranschla¬
gen, so würde die Umwandlung der 6 Feiertage in
Werktage den französischen Juden dieser Klaffe eine
jährliche Rente von 120,000 Fr. sichern, welche
somit alle Almosen, das je geleistet werde,
überstiege. Und zweitens, fügt er hinzu, ist die
Moralität besser, wenn jemand wider das Gesetz am
Feiertage arbeitet, oder wenn ihm das Arbeiten ge¬
setzlich gestattet wird?
Demnach sei es gerathen, den alren Lehrsatz
anzuwenden. „Manchmal ist die Abstellung eines
Gesetzes das wahre Mittel zur Erhaltung des Gan¬
zen ," welches das wahre konservative Princip sei.
Wir haben keinen Grund, obige Rechnung, bei
welcher es überhaupt nicht auf das eigentliche nu¬
merische Resultate ankommt, zu bezweifeln. Aber
das glauben wir bemerken zu dürfen, daß diese Art