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Wärme, welche allen Anwesenden die tiefste Rührung ein-
flößtc, und genugsam zeigte, daß es keine leere Form war,
die auch hier gar keinen Grund hätte. —
Das jüngst erschienene Werk, die Religion des Geistes,
von vr. Fvrmstecher in Offenbach, welches schon seit
einem Fahre angekünbigt war, und nach dem Prospectus
im Voraus mancherlei Kritiken erfahren halte, erregt allge¬
meines Aufsehen, und wird von allen Sachkennern mit
ernstem Interesse gelesen. Wie auch die einzelnen Urtheile
ausfallen mögen, damit stimmen alle überein, daß das Werk
eine innere Tüchtigkeit und Gediegenheit darlege, wie sie
in neuern Schriften selten ist. Besonders erfreuen müßte
es daher alle Freunde des Verfassers nicht nur, sondern
überhaupt des Fortschrittes, daß auch der Löbl. Berliner
Cultur-Verein diese Ansicht theilt, und zum Beweise
seiner Anerkennung, wie zur Aufmunterung tüchtiger Lei¬
stungen eine ansehnliche Partie dieser Werkes aus den
Vereinsmitteln an sich zu kaufen beschlossen hat. — Ein
Verein, der in diesem Sinne wirkt, verdient in ganz Deutsch¬
land seine Mitglieder zu haben, und in jeder größeren Ge¬
meinde sollten deren so viele sein, daß sie je ein Filial-Co-
mite bilden könnten. (In Frankfurt am Main zählt er,
so viel wir wissen, ein beitragendes Mitglied!)
Ungarn. — Mit freudiger Anerkennung der zuneh¬
menden Toleranz kann wiederum berichtet werden, daß auch
im Trentschiner Comitat ein Israelit zum Distrikts-Physi-
kus ernannt worden ist.
Im Eisenberger Comitat kam (der Preßburger Zeitung
zufolge) ein Gesuch vor, worin das Comitat gebeten wird:
zur Erhebung der Toleranzsteuer von den Juden eine Assi¬
stenz zu bewilligen. Die Stände erklärten dies für unver¬
träglich mit den neuern, den Huden allgemeines Wohnrecht
zugestehenden Gesetzen, und wiesen bas Gesuch ab.
Literatur.
Jüdische Briefe. Zur Abwehr und zur Ver¬
ständigung. Von Gabriel R iesser. Berlin 1842.
Bei Veit urd Comp. 2tes Heft. 153 S. in 8.
Edele Freimüthigkeit, hohe Sittlichkeit und tüchtige
überall den kernigen Ausdruck treffende Beredsamkeit zeich¬
nen diese Briefe aus, deren erstes Heft dahin strebte, der
Polemik eine Haltung zu geben, wie man sie in der Tages¬
literatur selten wakrnimmt. Soll einmal über ernste The¬
mata der Art, die sich in einzelnen Zeitschriften kundgebende,
oft sogleich verhallende Stimme noch einer Befehdung ge¬
würdigt werden, so ist diese Weise zu kämpfen gewiß dem
Zeitschriften - Geplänkle vorzuziehen. Riesser zeigt seine
Indignation, nicht aber gerade über die Verkehrtheit mancher
obwohl in das innerste Leben einwirkenden Ansichten, als
vielmehr über die Frivolität, mit welcher dieselben ohne alle
Prüfung dahingestellt, am meisten über die offenbar unsitt¬
liche Richtung, bei besserm Wissen und im Widerspruche
mit sich selbst gewissen Vorurtheilen im Volke das Wort
zu reden. — R. fühlt fast selbst, baß die, welche er bekämpft,
die Mühe nicht verdienen, aber die Achtung vor der öffent¬
lichen Meinung, die oft im verhärteten Herkommen wur¬
zelt, scheint ihm doch wichtig genug, um auf diesem Forum
die Wahrheit mit Ernst und Bestimmtheit zu vertheidiqen.
Was wir in diesem Hefte interessanter noch als die Nach¬
weisung der innern Widersprüche, deren sich die Mehrzahl
schuldig macht, und mancher Ungereimtheiten, welche der
Satyre eher verfallen müßten, das sind mehrere schöne
Stellen dieses Heftes, in denen sich der Verfasser als tief
eingehenden Kritiker der poetischen Prinzipien beurkundet
(z. B. S. 20 ff.) und in denen er über Zeiterscheinungen
seine eigenen Ansichten darlegt (z. B. S. 104 über Rahel)
'so wie außerdem die ganze Dialektik sich durch Klarheit und
Gediegenheit überall auszeichnet. Wir halten es nicht für
nöthig, die Themata dieses Heftes näher anzugeben: sie
sind bekannt. Einer der Hauptgegner ist diesmal Karl
Gutzkow, dem freilich nicht die obenerwähnten Vorwürfe
gemacht worden, aber dessen Bemerkungen im Telegraphen
hier gründlich beleuchtet werden.
Beantwortung.
Im Laufe des Monats Januar hoffen wir
alles, was noch unbeantwortet geblieben, zu erledi¬
gen. Ueber die nicht abgedruckten Manuskripte wol¬
len die Herren Verfasser durch portofreie Briefe
oder Beauftragung hiesiger Freunde verfügen.
NB. Unfrankirl es wird nicht mehr
angenommen.
Die Redaktion des Zion hat ihren Fort¬
gang.
Anzeige«.
Lei J. I). Sauer lautier in Frankfurt am Main ist
erschienen und in allen .Buchhandlungen zu haben:
.Kiipn py (Xeseauge.)
Gründliche Lehre und Anwendung der hebräischen
Accentuation.
Für Theologen, Philologen, Rabbiner, israelitische Lehrer,
Vorsänger, jeden Studirenden der hebräischen Sprache
und Literatur.
Von Hermann Stern.
12 gr. —> 54 kr.
Die hebräische Accentuationslehre ist hier mit einer
Gründlichkeit erörtert und ihre Anwendung mit einer
Belesenheit nachgewiesen, wie dies in keiner Sprach¬
lehre sich vorfindet, daher das Buch als ein nothwendiges
Supplement zur hebräischen Grammatik betrachtet werden
kann.
Dritte unrgearbeitete und vermehrte Auflage
der hebräischen Fibel
■nay mnp Tribun
d. i. erster Unterricht im Hebraisch-Lesen und Ueber-
setzen, nach grammatischen Grundsätzen bearbeitet
von L. Presburger, Lehrer an der israelitischen
Bürger- u. Realschule zu Frankfurt a.M. 6gr. 24kr.
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Elernentarbuch,
oder gründlicher grammatikalischer Unterricht im Lesen
und in der Flexion der hebräischen Sprache.
Von L. Presburger, Lehrer an der israelitischen
Bürger- und Realschule zu Frankfurt a. M. Mir
einem Vorworte v.vr.J.M.Jvst. 14gr.—fi.1.
Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.