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ziffer der jüdischen Bevölkerung in allen von
uns betrachteten Ländern — von Galizien
natürlich abgesehen — aufzuweisen ist, obgleich
in diesen Ländern die Juden in den allerver-
schiedensten sozialen und kulturellen Ver¬
hältnissen leben.
Jüdische Studierende an im Hocäscftulgn und sonstigen notieren Lehranstalten In Wien.
m mn
Das Statistische Jahrbuch für
die Stadt Wien 1907 enthält sehr aus¬
führliche Angaben über dasGlaubensbekenntnis
der Besucher von Hochschulen, Mittel¬
schulen, höheren Mädchenschulen, Pädagogien
und Lehrerbildungsanstalten, Konservatorien
für Musik und darstellende Kunst, Gewerb¬
lichen Fortbildungs- und Vorbereitungsschulen
und Volkschulen. Das sehr umfangreiche
Material, welches über den Bildungsstand
und Bildungstrieb nicht nur der Wiener,
sondern der Österreichischen Juden überhaupt
Auskunft gibt, läßt sich nicht im knappen
Rahmen eines kurzen Artikels erschöpfend
behandeln. Wir wollen deshalb diesmal nur
die Hochschulen und sonstigen höheren Lehr¬
anstalten betrachten und in einem zweiten
Artikel die Mittel- und Volksschulen zum
Gegenstand unserer Untersuchung machen.
Die erste Tabelle soll uns Aufschluß geben
über das Glaubensbekenntnis der Studierenden
an der K. K. Universität in Wien im Winter¬
semester der Studienjahre 1903/1904 bis
1907/1908.
Studierende im Wintersemester
VJiauucui-
bekenntnis
1903
1904
1905
1906
1907
1904
1905
1906
1907
1908
Katholiken ....
4652
5083
5008
5274
5409
Gr-Orientalische.
309
335
314
337
400
Evangelische . . .
371
394
420
442
447
1693
1691
1857
1893
1992
Zusammen ....
7115
7579
7687
8080
8339
An Zahl stehen die israelitischen Studie¬
renden an zweiter Stelle. Sie haben von
Wintersemester zu Wintersemester zuge¬
nommen. Die allgemeine Zunahme betrug
17,20 Prozent, bei den Juden 17,6 Prozent.
Sie hat demnach gleichen Schritt gehalten.
Von je 100 Studierenden waren Israeliten im
Wintersemester 1903/04: 23,79; 1904/05:22,31;
1905/6: 24,15; 1906/07: 23,42; 1907/08: 23,88.
Es sind also fast ein Viertel aller Studierenden
Juden. Die Verteilung der Angehörigen der
einzelnen Glaubensbekenntnisse nach Fakul¬
täten im Wintersemester 1907/08 war folgende:
Glaubensbekenntnis
VonjelOOStudier.
geh. d. nebenbez.
Fakultäten an
Faluität
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3
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BJ
*
N
c
Theolegische . .
224
o!
_
__
233
2,79
_
rechts- u. Staats.
2345
Ho!
167
861
3515
42,15
43,22
medizinische . .
765
I67i
65
554
1579
18,93
27,81
philosophische .
2075
109:
215
577
3012
36,13
28,97
zusammen. . t . j
5409|400|447|l992|8339
100,00
100,00
Es studierten von den Juden ein größerer
Teil Rechts- und Staatswissenschaft und Me¬
dizin als von der Gesamtzahl der Studierenden.
Ein Drittel aller Mediziner waren Juden; in
der rechts- und staatswissenschaftlichen Fa¬
kultät und philosophischen Fakultät machten
sie ein Viertel bezw. ein Fünftel der Stu¬
denten aus.
Wenden wir uns nun der zweiten wichtigen
Hochschule zu, nämlich der K. K. Technischen
Hochschule, und betrachten hier ebenfalls
die Wintersemester der Studienjahre 1903/04
bis 1907/08.
Glaubens'
bekenntnis
Studierende
im Wintersemester
1903
1904
1904
1905
1905
1906
1906
1907
1907
1908
Katholiken ....
Gr.-orientallsch. .
Evangelische . . .
Israeliten.....
1538
58
176
662
1636
57
215
706
1753
83
213
720
1826
60
240
819
1877
79
220
785
Zusammen ....
2473
2650
2786
2983
2998
Die Zunahme der jüdischen Studenten an
der Technischen Hochschule betrug von
1903/04 bis 1907/08 18,58 Prozent, der Stu-